​265 Einsätze, 17 Tore, 20 Vorlagen - die Statistik des schwedischen Linksverteidigers Oscar Wendt bei ​Borussia Mönchengladbach kann sich sehen lassen. Er ist der ausländische Profi mit den meisten Spielen für die Fohlen und steht damit in der Rangliste des aktuellen Kaders nur hinter den beiden deutschen Urgesteinen Patrick Herrmann (319 Spiele) und "Fussballgott" Tony Jantschke (268). Nach neun Jahren bei der Borussia wird sich der 34-jährige zum Saisonende wohl in seine Heimat verabschieden - obwohl er gerne auch bleiben würde.


Oscar Wendt ist ein Phänomen. Seit er die Position links in der Viererkette vom Belgier Filip Daems übernahm, wurde er oft von den Gladbacher Anhängern kritisiert. Als "zu langsam", "nicht zweikampfstark genug" oder "zu überheblich" machten die Fans vor allem nach Niederlagen regelmäßig den Schweden als Schuldigen aus. Doch Wendt spielte davon unbeeindruckt fast immer mindestens solide - egal unter welchem Trainer, egal bei welcher Konkurrenz.


Beispielsweise der jetzige deutsche Nationalspieler von ​Borussia Dortmund Nico Schulz kam in seiner Zeit im Dress der Borussia auch aufgrund von Verletzungen nicht an Wendt vorbei und der junge Hoffnungsträger Andreas Poulsen wurde aus Mangel an Spielzeit an Austria Wien verliehen. Momentan profitiert der "ewige Oscar" von der Verletzung seines logischen Nachfolgers Ramy Bensebaini und überzeugte unter anderem beim starken Auftritt der gesamten Mannschaft im Auswärtsspiel bei ​RB Leipzig. Im Interview mit dem kicker gab sich Wendt gewohnt locker und sprach unter anderem über seine Zukunft.


Fokus auf die Saison- Bensebaini gesetzt

Auf die Frage, wie es nach der Saison weitergeht antwortete Wendt: "Da bin ich entspannt. Zurzeit liegt mein Fokus sowieso auf der tollen Saison, die wir gerade spielen. Ich denke aber, dass es nicht mehr so lange dauert, bis ich weiß, in welche Richtung sich meine Zukunft entwickelt. Ob wir in zwei Wochen sprechen oder in vier - irgendwann wird der Moment schon kommen." 


Sein Vertrag läuft im Sommer aus und wird hochwahrscheinlich nicht verlängert werden. Max Eberl verkündete vor kurzem, dass man "keine Verträge aus Dankbarkeit" verlängern werde, zudem ist der schlichtweg jüngere, athletischere, aggressivere und technisch versiertere Algerier Ramy Bensebaini mittlerweile in Normalform auf Wendts Position gesetzt. Den Staffelstab, den Wendt von Daems übernahm, wird er nun an den Helden aus dem Bayern-Spiel weiterreichen. 

FBL-GER-BUNDESLIGA-MOENCHENGLADBACH-BAYERN MUNICH

Ramy Bensebaini bei seinem Schlüsselerlebnis gegen die Bayern


Einzig wenn die Borussia im Sommer keinen geeigneten Backup für den Algerier verpflichten kann, wäre die Chance für eine Weiterbeschäftigung von Wendt gegeben - und dieser ist nicht abgeneigt: 


"Karriereende in Gladbach, das ist mein Traumszenario. Nur weil ich 34 Jahre alt bin, ist das kein Grund, um draußen zu sitzen oder aufzuhören. Am Ende geht es immer um Leistung. Ich weiß, dass ich der Mannschaft noch helfen kann. Und solange ich dieses Gefühl habe, will ich weiterspielen", gibt sich die Nummer 17 kämpferisch.


Noch weitere fünf Jahre Profi? 

Doch was passiert, wenn der drohende Abschied aus Mönchengladbach Realität wird? Für Wendt kommt nur ein Wechsel in sein Heimatland in Betracht: 


"Innerhalb der Bundesliga zu wechseln, kann ich mir nur sehr, sehr schwer vorstellen. Mein Gefühl sagt mir: Entweder es funktioniert mit dem Karriereende in Gladbach - oder es geht zurück nach Schweden, um dort meine letzten fünf Profi-Jahre zu spielen​", scherzte er und fügte an: "Aber im Ernst: Mit 34 will ich nicht aufhören. Das ist definitiv zu früh, so fit, wie ich mich fühle. Zwei, drei Jahre traue ich mir noch zu. Mindestens."

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Stimmung bei IFK Göteborg gegen Ostersund


Und für Wendt kommt nur ein schwedischer Verein in Frage: "Nach unserer Zeit in Deutschland werden wir mit der Familie auf jeden Fall im Umkreis von Göteborg leben. Ich hoffe, es dauert noch ein paar Jahre, weil wir in Gladbach bleiben. Aber wenn nicht, denke ich tatsächlich nur an IFK Göteborg."


Oscar Wendt ist auf jedes Szenario vorbereitet und man kann ihm und der Borussia nur wünschen, dass er seinen Abschied mit einer erfolgreichen Rückrunde feiern kann - und die Kritiker sich dann nicht gleich auf ein neues Opfer stürzen.