Julian Chabot (22) wurde in der Jugend von Eintracht Frankfurt (2011 - 2014) und RB Leipzig (2014 - 2017) ausgebildet, ehe er in die Niederlande zu Sparta Rotterdam und den FC Groningen wechselte und dort den Durchbruch zum Profi schaffte. Im vergangenen Sommer folgte für den Innenverteidiger der Wechsel zum italienischen Traditionsklub Sampdoria Genua, kurz darauf feierte Chabot sogar sein Debüt für die deutsche U21-Nationalmannschaft (bislang drei Einsätze). 90min hat mit dem vielversprechenden Youngster​ über seinen Wechsel nach Italien, eine mögliche Rückkehr nach Deutschland sowie sein Duell gegen Zlatan Ibrahimovic gesprochen.


90min: Hast du dir bei deiner Entscheidung pro Sampdoria auch den Karriereweg von Shkodran Mustafi angeschaut und ihn um seinen Rat diesbezüglich gebeten?


Chabot: Um Rat habe ich Mustafi nicht gebeten, aber mir war seine Entwicklung von Anfang an bewusst. In Sampdoria wurden viele gute Verteidiger ausgebildet, die anschließend einen sehr respektablen Karriereweg eingeschlagen haben. Genau das wollte ich für mich auch.


90min: Möchtest du irgendwann in die ​Bundesliga - eventuell zu deinen Ex-Klubs Eintracht Frankfurt oder RB Leipzig - zurückkehren? Hast du bereits Pläne für deine weitere Karriere?


Chabot: Klar, in der Bundesliga zu spielen ist für mich immer was ganz Besonderes, zumal ich in Deutschland geboren bin. Die ​Eintracht, mein Kindheitsverein, wird immer einen hohen Stellenwert in meinem Leben haben. Zurzeit allerdings gilt meine volle Konzentration meinem jetzigen Verein.

Julian Chabot

Julian Chabot ist aktueller Nationalspieler in der deutschen U21


90min: Wie beurteilst du deine Zeit in Frankfurt und Leipzig?


Chabot: Rückblickend habe ich sehr positive Gedanken zu meinen Ex-Vereinen. Sowohl positive, als auch negative Erfahrungen bei diesen haben mich zu dem Menschen gemacht, der ich heute bin. Jede Station war für mich lehrreich und hat einen nicht unerheblichen Teil zu meiner Entwicklung als Spieler beigetragen.


90min: Was hat dich als Jugendlicher dazu gebracht, deine Heimat zu verlassen und nach ​Leipzig zu ziehen?


Chabot: Mein Ehrgeiz. Es war schon immer mein größter Traum, Profi zu werden. Fußball kam für mich immer an erster Stelle. Natürlich hat es eine Weile gedauert, bis man sich an die Umstände gewöhnt. Aber die Zeit hat gezeigt, dass es die richtige Entscheidung war. Klar vermisst man seine Familie, aber ich habe mich damals dazu entschieden, diesen Weg zu gehen und bin heute froh darüber den Schritt gemacht zu haben.


90min: Kannst du dir erklären, warum derzeit so viele U21-Nationalspieler im Ausland (neun Legionäre) spielen? Geht man im Ausland mit Talenten anders um?


Chabot: Der Übergang von der Jugend in den Profibereich ist einer der schwierigsten Schritte eines jeden Fußballers. Oftmals bekommen junge Spieler in den Vereinen keine Spielzeit und müssen daher ins Ausland ausweichen. In Holland hatte ich die Möglichkeit, Spielpraxis in einer niveauvollen Liga zu sammeln und so meinen Weg in den Profibereich einzuschlagen. Diese Entscheidung hat sich für mich am Ende des Tages gelohnt.


90min: In Italien hast du zuletzt mit deiner Leistung gegen ​Milan und spezifisch Zlatan Ibrahimovic für Schlagzeilen gesorgt. Kannst du beschreiben, wie sich solch ein Erlebnis anfühlt?


Chabot: Es ist ein unbeschreibliches Gefühl im San Siro aufzulaufen. Davon habe ich schon immer als Kind geträumt und bin heute dankbar dafür, diesen Traum gelebt haben zu dürfen. Das Stadion und die Atmosphäre sind einfach einzigartig. Es war eine wichtige Erfahrung gegen Zlatan Ibrahimovic, der mein direkter Gegenspieler war, zu spielen. Diesen Tag werde ich nicht so leicht vergessen.

90min: Medien vergleichen dich manchmal mit Milan Skriniar, der ebenfalls bei Sampdoria auftrumpfte. Siehst du da eventuell ebenfalls Parallelen in deinem Stil? Was sind deine Stärken?


Chabot: Milan Skriniar ist ein sehr guter Verteidiger. Ich habe seinen Weg von Sampdoria zu Inter Mailand aufmerksam verfolgt. Doch die Tatsache, dass ich mit ihm verglichen werde, spielt für mich keine allzu große Rolle. Am Ende des Tages sind wir Spieler mit unterschiedlichen Stärken. Ich habe mein eigenes Spiel und er hat seines. Ich möchte meinen eigenen Stil durchziehen und die beste Version meiner selbst sein. Mein Ziel ist es, der erste Julian Chabot zu werden und kein zweiter Milan Skriniar.


90min: Mit Lorenzo Tonelli und Maya Yoshida kamen im Winter zwei neue Konkurrenten. Kam für dich da ein Abgang in Frage? Oder willst du bei Sampdoria um deinen Platz fighten?


Chabot: Ich bin ein Mensch, der sich vor keiner Herausforderung scheut. Natürlich will ich immer spielen. Und wenn es mal nicht dazu kommen sollte, lasse ich den Kopf nicht hängen und trainiere weiter. Ich liebe den Konkurrenzkampf, denn nur so wird man besser. Ein Abgang kam für mich überhaupt nicht ich Frage. Ich bin hier, um für meinen Platz im Kader zu kämpfen, ganz egal gegen wen.

Ciro Immobile,Julian Chabot

Julian Chabot im Zweikampf mit Ciro Immobile



90min: Wie ist es, bei Sampdoria mit Legenden wie Claudio Ranieri und Fabio Quagliarella zusammenzuarbeiten?


Chabot: Für mich persönlich ist es sehr wichtig, mit solchen Größen des Fußballs zusammenzuarbeiten, da ich sehr wissensdurstig bin und viel von den beiden lernen kann. Ranieri ist ein sehr erfahrener Trainer, der die Premier League gewonnen hat. Das schaffen nur die wenigsten Trainer in der Geschichte des Fußballs. Quagliarella ist ein Spieler mit einer großen Karriere. Zu sehen, was er noch alles in dem Alter kann, ist sehr bemerkenswert. Ich habe sehr großen Respekt vor beiden.