Nachdem Nationaltrainer Joachim Löw vor einem Jahr dem mittlerweile 31-jährigen ​Jerome Boateng ​mitteilte ihn nicht mehr für die Landesauswahl zu nominieren, lief es im Anschluss für Boateng auch bei seinem Verein​ FC Bayern München zuerst alles andere als optimal. Im Laufe dieser Saison konnte sich der Weltmeister von 2014 jedoch wieder in den Vordergrund spielen, einer Teilnahme an der kommenden Europameisterschaft und damit einem Comeback in der Nationalmannschaft wäre Boateng nicht abgeneigt - auch wenn er die Chance auf eine Nominierung als gering ansieht.


Jerome Boateng hat sich wieder stabilisiert. Nachdem er in der Rückrunde der letzten Saison aufgrund seines fahrigen und behäbigen Auftretens schon abgeschrieben wurde, hat er sich spätestens seit dem Trainerwechsel von Niko Kovac zu Hansi Flick wieder in die Mannschaft des FC Bayern gespielt. Durch die Verletzungen von Niklas Süle und Lucas Hernández avancierte Boateng zum Stamm-Innenverteidiger neben dem nach innen gezogenen David Alaba. Ob seine Leistungen allerdings ausreichen, um der gerade im Abwehrbereich stark geschwächten jungen deutschen Nationalmannschaft bei der kommenden Europameisterschaft zu helfen, ist mehr als fraglich. 


Bundestrainer hat sich klar geäußert


​Gegenüber dem SID sagte Boateng: "Ich glaube, dass sich der Bundestrainer sehr klar geäußert hat, dass er mit jungen Spielern zur EM fahren will. Das muss man respektieren, das ist seine Linie." Die Frage, ob er deshalb mit dem Thema Nationalmannschaft komplett abgeschlossen habe verneinte er: "Wenn es irgendwann eine Chance gibt, bin ich nicht abgeneigt." 


Es scheint, als würde Boateng seine Situation realistisch und korrekt einschätzen und es ehrt ihn, dass er trotz der fragwürdigen Ausbootung im letzten Jahr kein schlechtes Wort über Joachim Löw verliert. "Ich habe mich mit dem Bundestrainer ausgesprochen. Ich schätze ihn absolut als Mensch und Trainer. Wir hatten miteinander sehr viel Erfolg in der Nationalmannschaft, und ich habe mich als Spieler unter ihm weiterentwickelt. Deshalb ist da alles in Ordnung", erklärte er und zeigte sich damit als gewohnt fairer Sportsmann.


Boateng plädiert für Rüdiger als Abwehrchef


Zudem gab er seinem ehemaligen Bundestrainer noch einen Tipp mit auf den Weg. Da neben dem oft wackligen ​Leverkusener Jonathan Tah, dem ​Gladbacher Matthias Ginter und dem unerfahrenen ​Herthaner Niklas Stark nur der ebenfalls noch sehr junge ​Freiburger Robin Koch als Kandidat für den deutschen Abwehrverbund gilt, empfahl Boateng den nach einer langwierigen Leistenverletzung nun beim​ FC Chelsea zum absoluten Stammspieler gereiften Antonio Rüdiger als künftigen Abwehrchef. 


Rüdiger wäre mit seinen 26 Jahren der Älteste im Reigen der neu formierten Defensive der Nationalmannschaft und könnte laut Boateng die Funktion als Anführer übernehmen. "Toni ist der Abwehrchef bei Chelsea, hat sich toll entwickelt, wird immer stärker. Ich glaube, er ist für Jogi ein ganz wichtiger Spieler, der diese Rolle ausfüllen kann", sagte Boateng und könnte damit Recht behalten.