Psychisch läuft bei ​Werder derzeit wenig. Auch sportlich bildet die Mannschaft in Sachen Sprints und Maximal-Geschwindigkeit den Tiefstwert der ​Bundesliga. Darum könnten die bevorstehenden Begegnungen gegen ​RB Leipzig und den ​BVB eine große Chance für das Kohfeldt-Team sein.

Den Bremern fehlt derzeit einfach das Selbstvertrauen. Die Köpfe der Spieler sind zu. Besonders das mentale Problem breitet sich innerhalb der Mannschaft seit Wochen aus. Florian Kohfeldt gelang es zuletzt nicht, die Mannschaft zu erreichen. Im Kampf um den Abstieg muss die ​Werder-Familie wieder einmal nah zusammenrücken, um trotz der schwierigen tabellarischen Situation und den kommenden Gegnern, die allesamt kein Zuckerschlecken sind, das Ruder an der Weser umzureißen.


​Werder Bremen hat ein Sprintproblem

​Der psychische Druck der Spieler ist allerdings nicht der alleinige Auslöser der Bremer Krise. Auch sportlich läuft es alles andere als rund. Die schon des Öfteren angesprochene fehlende Geschwindigkeit des gesamten Kaders gleicht sich mit einer aktuellen Statistik der Sport Bild ab. Demnach kommt Werder in dieser Spielzeit auf gerade einmal 177 Sprints pro Spiel und bildet damit den Tiefstwert der Liga. Die Erstplatzierten aus München können 246 Sprints pro Spiel aufweisen. Auch in Sachen Maximal-Geschwindigkeit erhält die Kohfeldt-Elf mit nur 29,05 km/h die rote Laterne.

Aber woran liegt das? Können die Spieler es wirklich nicht besser? Oder ist es die Angst vor (Muskel-)Verletzungen, die bei den Hanseaten im Laufe der Saison ja schon fast mystisch oft eintraten. Taktisch fällt vor allem auf: Werder macht nichts aus seinem Ballbesitz! In drei der vier in diesem Jahr absolvierten Ligaspiele hatten die Grün-Weißen prozentual öfter den Ball als der Gegner - zuletzt waren es gegen Union Berlin sogar 70 Prozent Ballbesitz. Dennoch holte man aus den vier Partien nur magere drei Punkte - zu wenig im Kampf um den Klassenerhalt. 


Das Problem ist: Werder hat zwar häufig den Ball, spielt den Ball aber deutlich zu oft in die Breite und zu wenig in die Tiefe. Der Ball wird durch die eigenen Reihen geschoben, abgezockte Ideen für die letzten Stafetten bis zum Tor sind allerdings Mangelware. Werder kreiert zu wenig Chancen! Die Offensivspieler agieren ohne Zug zum Tor und lassen deshalb viele Sprints aus.


​Werder als Underdog zum Sieg gegen Leipzig und BVB?

​Nichtsdestotrotz dürften die Psyche sowie das Sportliche häufig zusammenlaufen und gemeinsam den Grund der schlechten Leistung bilden. Davon war im Pokalspiel gegen den BVB allerdings nichts zu spüren. Die Bremer spielten frei auf, bewiesen, dass sie es können. 


Und warum gelingt das in der Liga nicht? Der Druck war im Pokal einfach nicht da. Niemand hätte sich über eine Niederlage gegen die starke Dortmunder Truppe gewundert. 

Leonardo Bittencourt

Leonardo Bittencourt ballerte im Pokal per Traumtor den Frust weg - in der Liga hakt es noch

Genau dieser Effekt dürfte nun auch in der Liga zu erwarten sein. Am Samstag reisen die Spieler nach Leipzig, eine Woche später wiederholt sich das Pokalspiel gegen den BVB im Ligabetrieb. Trotz des Fakts, dass die Elf unbedingt punkten muss, um sich aus dem Keller zu befreien, dürfte sich ein jeder Werder-Anhänger wenig Hoffnung auf einen Sieg in diesen beiden Spielen machen. Es lastet kein Druck auf den Schultern der Spieler. Außerdem spielt man gegen zwei Top-Mannschaften, bei denen man keinen hohen Ballbesitz erwarten darf.

​Auch im Pokalspiel hatte der SVW nur 26 Prozent Ballbesitz, dennoch sorgten die Tore von Selke, Bittencourt und Rashica letztendlich für den verdienten 3:2-Sieg. Aktuell tut man sich einfach deutlich leichter, wenn man das Spiel nicht machen muss. Eben aus den genannten Gründen: Offensiv passiert trotz hohem Ballbesitz aktuell wenig, der Zug zum Tor fehlt. Das Kontern fällt somit leichter. Genau deshalb könnten die Bremer - ohne hohen Druck - zumindest eines der beiden Spiele für sich entscheiden. 


Die Partien sind sicherlich eine große Chance für die Mannschaft, denn ein Sieg gegen ein solch starkes Team würde Werder enormes Selbstvertrauen bescheren. ​