Sowohl mit Blick auf seine Zukunft bei Paris Saint-Germain als auch nach dem Umbruch bei der deutschen Nationalmannschaft hätte Thilo Kehrer in dieser Saison wichtige Fortschritte machen können. Allerdings wurde der 23-jährige Abwehrspieler von einer langwierigen Fußverletzung ausgebremst, wegen der er nur spärlich beim französischen Branchenprimus zum Einsatz kommt. Ein verlorenes Jahr, das er langfristig betrachtet wieder aufholen muss.


Es war ein überraschender Wechsel, den der ​FC Schalke und Paris Saint-Germain im ​August 2018 verkündeten. Eigentlich hatten die Verantwortlichen auf Schalke berechtigte Hoffnungen auf eine Vertragsverlängerung mit Kehrer, der 2012 aus dem Nachwuchs des ​VfB Stuttgart in die Knappenschmiede gewechselt war. Doch plötzlich kam die Offerte von Paris St. Germain, das sich unter dem neuen Trainer Thomas Tuchel wieder einmal neu aufstellen und für den Angriff auf den Titel in der ​Champions League vorbereiten wollte, und weder Schalke noch Kehrer konnten es sich erlauben, diese abzulehnen.


Nach 40 Pflichtspielen in seiner ersten Saison begann Kehrer am ersten Spieltag der Ligue 1 gegen Nimes Olympique (3:0) in der Startelf und verletzte sich in der Schlussphase. Nach 75 Minuten sah sich Tuchel gezwungen, den polyvalenten Abwehrspieler auszuwechseln - erst in der Vorweihnachtszeit durfte er Kehrer wieder im Kader begrüßen.


Aus drei Wochen wurden vier Monate


Ursprünglich war eine Verletzungspause von drei Wochen angedacht. Daraus wurden jedoch knapp vier Monate. Die Fußverletzung entpuppte sich als schwerwiegender, 122 Tage musste der Ex-Schalker auf sein Comeback warten. Erst am 11. Dezember - Paris gewann im letzten Gruppenspiel der Champions League mit 5:0 gegen Galatasaray Istanbul - war es wieder soweit. 

Ligue 1"Paris Saint-Germain v Nimes Olympique"

Musste über drei Monate auf sein Comeback warten: Thilo Kehrer


Die lange Verletzung bedeutete nicht nur einen herben Rückschlag in Paris, sondern auch bei der Nationalmannschaft. Sieben Länderspiele hat Kehrer erst absolviert, gehörte unter anderem in den Spitzenspielen gegen Frankreich und die Niederlande zur Startformation. Gerade zum Jahresende wäre er für Bundestrainer Joachim Löw eine wichtige Alternative im Abwehrzentrum gewesen, zwischenzeitlich musste Mittelfeldspieler Emre Can in der Defensive aushelfen. 


Bankdrücker nach Comeback


Allerdings läuft es seit seiner Rückkehr nicht allzu rund. Nur zweimal wurde Kehrer in den letzten vier Spielen für den Kader nominiert, erhielt im neuen Jahr noch keine Einsatzminute. Mit Blick auf die Europameisterschaft benötigt er Spielpraxis - die wird er sich erst einmal erarbeiten müssen. Der Konkurrenzkampf ist groß, in der Innenverteidigung genießen Abdou Diallo, Prisnel Kimpembe, Marquinhos, Thiago Silva und zuletzt sogar der 17 Jahre junge Tanguy Kouassi den Vorzug. 


Aufgrund der Fußverletzung beginnt Kehrer ganz von vorne. Sollte sich die Situation in den kommenden Monaten nicht bessern, rückt auch die EM in immer weitere Ferne. Aktuell sieht es nach einem verlorenen Jahr für den 23-Jährigen aus, der weiß, dass er in seiner Entwicklung noch längst nicht am Ende angekommen ist (kicker, zitiert via ​Tagblatt): "Ich habe noch Potenzial, das ich unbedingt noch ausschöpfen möchte. Das Limit ist noch nicht erreicht." Diese Saison hat ihm jedoch kaum weitergeholfen.