Im bisherigen Saisonverlauf war die Personaldecke des FC Bayern oftmals nicht die dickste, und doch gibt es einige Sorgenkinder, um die sich Trainer Hans-Dieter Flick und Sportdirektor Hasan Salihamidzic kümmern müssen. Im Vordergrund steht derzeit ein Trio, das sich seine Chance hart erarbeiten muss.


Gemeint sind Álvaro Odriozola, Corentin Tolisso und Philippe Coutinho. In der stabilisierten Abwehr und dem dichten Mittelfeld kann keiner der drei Akteure wirklich Fuß fassen, Ausrutscher leistet sich die Konkurrenz kaum. Allein im Mittelfeld haben sich Thiago und Joshua Kimmich auf der Doppel-Sechs festgespielt, Leon Goretzka gehört auf der Zehn zu den absoluten Gewinnern des Rückrundenstarts und Thomas Müller fühlt sich auf dem Flügel deutlich wohler als unter Niko Kovac. 


Gleichzeitig ist Jerome Boateng trotz Odriozolas Verpflichtung in der Innenverteidigung gesetzt. Der 31-Jährige, der auch in der frisch abgelaufenen Winter-Transferperiode mit einem Abschied aus München in Verbindung gebracht wurde, hinterließ gegen Hertha BSC, Schalke 04 und den FSV Mainz einen guten Eindruck, ließ ​im Verbund mit David Alaba selten etwas zu. In den ersten drei Spielen des neuen Kalenderjahres kassierte der FC Bayern am gestrigen Samstag das erste Gegentor, mit insgesamt 23 Gegentoren stellt der Rekordmeister gemeinsam mit ​Borussia Mönchengladbach und dem ​VfL Wolfsburg die beste Defensive.

Jerome Boateng ,

   Endlich wieder gefragt: Jerome Boateng befindet sich in sehr guter Form.


Dabei war Benjamin Pavard in der Rückrunde eigentlich für die Innenverteidigung vorgesehen. Doch nicht nur, weil sich Boateng in aufsteigender Form befindet, sondern auch, weil sich Pavard in seinem ersten halben Jahr in München auf dem Rechtsverteidiger-Posten zum Leistungsträger entwickelt hat, genießt der Franzose den Vorzug vor Odriozola. Im Zusammenspiel mit Müller läuft Pavard die Außenlinie rauf und runter, bindet sich in das Kombinationsspiel ein, schlägt präzise Flanken, wagt sich auch selbst am Abschluss. Zwei Tore hat er bereits erzielen können, drei weitere Treffer hat er direkt vorbereitet. 


Odriozola-Debüt gegen Hoffenheim? "Der Trainer entscheidet"


Zudem ist Pavard in der Arbeit gegen den Ball sicher, spielt nicht so riskant wie Kimmich oder Odriozola, dem großes Potenzial im Spiel nach vorne, jedoch auch ein gewisses Defizit in der Abwehrarbeit nachgesagt wird. "Er ist ein richtig guter Junge, er ist topfit, seine Fitnesswerte sind sehr gut. Er ist bereit", sagt Salihamidzic über die Leihgabe von Real Madrid. Die finale Entscheidung liegt jedoch bei Flick: "Der Trainer entscheidet, wann er zum ersten Mal spielt."

Möglicherweise wird Odriozola sein Debüt im DFB-Pokal feiern, am kommenden Mittwoch empfangen die Münchner 1899 Hoffenheim. Dann könnte auch Tolisso eine neue Bewährungschance erhalten. Der Mittelfeldspieler, der zum Jahresende von einer Muskelverhärtung ausgebremst wurde, verzeichnet gerade einmal 457 Spielminuten in der Bundesliga, spielte wettbewerbsübergreifend nur in sieben von 18 Spielen über die volle Distanz. Bereits im November sprach er öffentlich über seine Reservistenrolle, erklärte im Interview mit Le Parisien (zitiert via Sport Bild): "Ich bleibe gelassen. Manchmal muss man sich in solchen Zeiten ein wenig zurücknehmen und dann die richtige Einstellung zeigen, wenn man die Möglichkeit bekommt."


Rätsel um Coutinho - Rückendeckung von Neuer


Auch für Tolisso hat Salihamidzic nur lobende Worte übrig (zitiert via tz): "Ich sehe ihn nur gut trainieren, sich reinhauen." Doch Flick sieht derzeit keinen Grund, seine Mittelfeld-Zentrale abzuändern, was sich auch unmittelbar auf Coutinho auswirkt. Die Leihgabe des FC Barcelona wurde als Superstar vorgestellt, ist seit Monaten aber nur Mitläufer. Manuel Neuer glaubt allerdings daran, dass sich das Blatt in den kommenden Monaten wenden wird: "Er arbeitet super gegen den Ball, besser als in der Hinrunde. Auch in der Vorbereitung hat er richtig viel investiert und geackert. Ich denke, dass er uns auf jeden Fall helfen wird." 

Es sei nur "eine Frage der Zeit, bis er wieder in der ersten Elf steht." Ob der Brasilianer über die Saison hinaus eine Zukunft beim FC Bayern besitzt, ist jedoch fraglich. ​Drei Monate haben die Klubbosse noch Zeit, um darüber zu entscheiden, ob die Kaufoption über 120 Millionen Euro gezogen wird oder nicht. Zum aktuellen Zeitpunkt spricht kaum etwas dafür, zu selten lässt Coutinho sein Potenzial aufblitzen.