​​Werder Bremen musste sich am Samstag auch gegen den ​FC Augsburg geschlagen geben. Die verdiente 1:2-Niederlage stellte den nächsten Rückschlag in der ohnehin gebeutelten Saison dar. Nach dem Spiel zeugen nahezu alle Eindrücke von der dramatischen Situation.


Selke braucht noch Zeit

Jeffrey Gouweleeuw,Davie Selke,Philipp Max


Einen kleinen Lichtblick macht Neuzugang Davie Selke aus. Der Angreifer, der erst am Deadline Day verpflichtet wurde, war in der ersten Halbzeit sehr aktiv. Am Führungstreffer hatte der 25-Jährigen einen maßgeblichen Anteil. Doch seine Umtriebigkeit war nur von kurzer Dauer geprägt.


Dem Wintertransfer war anzumerken, dass er sich erst auf die Spielweise von Werder einstellen muss. Dass nach der Halbzeit überhaupt nichts mehr bei Selke lief, war gleichzeitig Ursache und Folge der Bremer Harmlosigkeit.​ Der Angreifer kann zu einem wichtigen Faktor im Abstiegskampf werden. Noch muss er sich aber an die Situation und Mannschaft gewöhnen.


Defensiv ist Werder weiterhin desolat

Kevin Vogt


Mit Leihgabe Kevin Vogt erhofften sich die Grün-Weißen im Winter endlich die vermisste Stabilität in der Defensive. Das zweite Spiel in "Bestbesetzung" macht allerdings klar, welche großen Probleme weiterhin in der Defensive herrschen. Individuell macht das Trio immer wieder vermeidbare Fehler.


Der Spielaufbau über die Dreierkette war quasi nicht existent. Jeder kurze Ball wurde nach wenigen Pässen und steigendem Druck nach vorne geschlagen. In der Umschaltbewegung fehlte vor allem Ömer Toprak das Tempo und Timing. Mit kurzen und dynamischen Aktionen brachte Augsburg die Verteidigung immer wieder in die Bredouille. Die Ideallösung ist der neue Abwehrverbund in keinem Fall.


Niemand übernimmt Verantwortung in der Offensive

Alfred Finnbogason ,Milot Rashica


In den vergangenen sieben Ligaspielen erzielte der SVW nur ein eigenes selbst geschossenes Tor. Wer das Spiel gegen Augsburg verfolgte, weiß, welche Hilflosigkeit sich im Bremer Angriff breit macht. Bis zum Ende des Spiels wurde kein einziger Schuss auf das Tor von Andreas Luthe abgefeuert. Ohnehin verbuchten die Norddeutschen gerade einmal sieben Halbchancen.


Im Kampf gegen den Abstieg ist dies viel zu wenig. Vor allem gegen Vereine wie Augsburg müssen offensive Spieler die Verantwortung übernehmen. Geschehen ist dies nur in Ansätzen, allen voran durch Davie Selke. Doch das Gesamtbild passt nicht. Selbst Hüne Nick Woltemade konnte seine Qualitäten nur selten zeigen. Von Milot Rashica oder ​dem hoch veranlagten Mittelfeld fehlt es umso klarer an Zielstrebigkeit und Ideen.


Werders Kopfproblem wird immer deutlicher

Oemer Toprak


Ein Grund für die Krise dürfte in jedem Fall der mentale Zustand der Norddeutschen sein. Alle Spieler brachten in der Vergangenheit bereits ihre Leistungen, spielen momentan aber unter ihren Möglichkeiten. Neben groben Schnitzern und einer Masse an Fehlpässen, stimmt auch die Abstimmung untereinander nicht. 


Dass nicht der größte Teil der Lethargie am System von Florian Kohfeldt hängt, wird durch die Einwechslungen deutlich. Kein Joker brachte neue Energie ins Bremer Spiel. Obwohl Bartels und Co. einer freien Rolle nachgehen könnten, passen sie sich der überforderten Spielweise ihrer Kollegen an und strahlen kaum Gefahr aus. An der Einstellung der Bremer muss sich dringend etwas ändern.


Bremens Alarmglocken schrillen

Florian Kohfeld


In allen Belangen kaufte Augsburg den abstiegsbedrohten Bremern gestern den Schneid ab. Egal ob Standardsituation, das Umschaltspiel oder die mentale Reife. Die Baustellen bei den Grün-Weißen sind so dramatisch wie nie zuvor. Sollte Florian Kohfeldt unter der Woche keine Lösungen finden, wird es nicht nur für ihn immer enger.​