20 in 20 - unter diesem Motto stellt 90min ab sofort wöchentlich die bislang 20 feststehenden Teilnehmer der EM 2020 vor. Den Anfang macht der Kopf der Gruppe A, Italien. Unter Trainer Roberto Mancini legte die Squadra Azzurra die beste EM-Quali aller Zeiten hin - kann er sein Land im Sommer zum vierten EM-Titel führen?


Ende 2017 stand die Nationalmannschaft Italiens am sportlichen Abgrund: Die Squadra Azzurra verpasste zum ersten Mal seit 1958 eine Weltmeisterschaft. Auf Giampiero Ventura, dem damaligen Teamchef, prasselte wegen der verpassten WM 2018 in Russland eine Menge Kritik ein. Kritik, die rund zwei Jahre später ausbleibt. Italien ist wieder auf dem Vormarsch, gewann alle zehn Spiele der EM-Qualifikation souverän und will bei der Europameisterschaft 2020 für Furore sorgen.

​Der Erfolg kommt dabei nicht von irgendwo: Nationaltrainer Roberto Mancini verhalf Italiens Fußball zurück auf die große Bühne. Die Verpflichtung des 55 Jahre alten Fußballlehrers war ein echter Glücksfall. Die zuvor aktiven Trainer namens Roberto Donadoni, Cesare Prandelli und Giampiero Ventura konnten vor ihrer Verpflichtung wenig Erfolge aufweisen. Anders bei Mancini: Dieser kam mit vier Meisterschaftstiteln im Gepäck zur italienischen Fußballnation. Als Trainer gewann Mancini mit Inter Mailand dreimal in Folge die Meisterschaft, darunter auch das Double in der Saison 2005/06. Zuletzt feierte er 2011/12 den ​Premier-League-Sieg mit Manchester City.


Mancinis Trainer-Stationen

​Verein​Zeitraum​SpielePunkte pro Spiel
​AC Florenz​2001 - 2002​41​1,02
​Lazio Rom​2002 - 2004​100​1,75
​Inter Mailand​2004 - 2008​226​2,12
​Manchester City​2009 - 2013​191​1,97
​Galatasaray​2013 - 2014​46​1,89
​Inter Mailand​2014 - 2016​77​1,64
​Zenit St. Petersburg​2017 - 2018​45​1,76
​Italien​2018 - ?​19
​2,26



Mit Erfolgen kennt sich der neue Mann für die italienische Nationelf gut aus. Auch in seiner aktiven Profikarriere von 1981 bis 2001 bejubelte der Fußballer des Jahres von 1997 (damals bei Sampdoria Genua) 14 Titel, darunter der zweifache Sieg im Europapokal der Pokalsieger mit Genua 1990 und Lazio Rom 1999 sowie den UEFA Supercup-Sieg 2000 mit den Römern.

​Mancinis Trainerkarriere läuft für Italiens Nationalmannschaft bis dato sehr gut - beachtliche 2,26 Punkte pro Spiel konnte er mit seinem Team einfahren. Als aktiver Spieler lief es für Mancini in der Nationalelf dann doch etwas schlechter. Der Angreifer stellte in 561 ​Serie A-Spielen mit 156 Toren seine unheimliche Qualität unter Beweis, für Italien lief Mancini jedoch nur 36 Mal auf. Der Grund dafür war sein damaliger Exkurs während einer USA-Reise, als Mancini eine Nacht außerhalb des Teamhotels verbrachte. Anschließend wurde er nie wieder für die Nationalmannschaft berufen. 

Mancinis Spieler-Stationen

VereinZeitraum​Spiele​Tore
​Bologna​1981 - 1982​30​9
​Sampdoria​1982 - 1997​424​132
​Lazio Rom​1997 - 2000​87​15
​Leicester City​2001​4​0

Disziplin steht an erster Stelle


Als Trainer hat Mancini aus seinen Fehlern der Jugend während seiner Zeit bei der Nationalmannschaft gelernt. Bei seinen jetzigen Schützlingen steht die Disziplin für ihn ganz oben auf der Liste. Im Oktober ließ er die zwei Youngsters Nicolo Zaniolo und Moise Kean zu Hause, weil sie während der U21-EM zu spät zum Training kamen. Mancini ist eine wahre Respektsperson und kann nach dem Generationenwechsel innerhalb des Teams noch immer auch die jungen Spieler sehr gut erreichen. 

Roberto Mancini of Sampdoria

Roberto Mancini im Jahr 1990 bei Sampdoria Genua


​Der Chefcoach der Azzurri bleibt immer ruhig, ist niemand der sich großartig beklagt und kreiert aus seinem Kader das Bestmögliche. Als alter Hase kennt der 55-Jährige nämlich noch ganz andere Zeiten. Die Mitspieler während seiner kurzen Länderspielkarriere hießen Maldini, Scirea oder auch Baggio. Alle drei waren Weltklassespieler von Top-Klubs aus der damals wohl besten Liga weltweit. Die Realtität sieht nun anders aus: Italiens Oberhaus ist nur noch die viertstärkste Liga nach England, Deutschland und Spanien, in den Top-Klubs spielen italienische Akteure oft nur eine untergeordnete Rolle. 


​Seine ruhige Einstellung, sich mit den bescheideneren Möglichkeiten zu begnügen, bildet einen enormen Faktor für den derzeitigen Erfolg seiner Nationalelf. In 19 Spielen hat sein deutlich verjüngtes Team sehr oft ansehnlichen Fußball gezeigt und viele Tore erzielt. Lediglich gegen Weltmeister Frankreich (1:3) und Europameister Portugal (0:1) hat es nicht gereicht.


​Italien auf dem Weg zurück in die Weltspitze?


Die kommenden Freundschaftsspiele gegen England und Deutschland im März dürften zeigen, wo die Tendenz Italiens hinsichtlich eines EM-Titels hinzeigt. Im Juni startet die Europameisterschaft für Mancinis Mannschaft gegen die Türkei. Mit dem 20-jährigen Donnarumma steht ein enormes, vielversprechendes Talent zwischen den Pfosten. Jorginho und Marco Verratti sind nennenswerte Leistungsträger internationaler Top-Klubs. ​

​In der Breite fehlt dem Teamchef ein solches Niveau jedoch. So musste Mancini in der Vergangenheit beispielsweise Vincenzo Grifo vom SC Freiburg für den verletzten Lorenzo Insigne nachnominieren. Zudem steht Stephan El Shaarawy im Kader, obwohl dieser in der sportlich deutlich schlechteren chinesischen Liga unter Vertrag steht.

​Wegen der fehlenden individuellen Klasse der vergangenen Jahre setzt Mancini auf eine mutige Taktik in seinem bevorzugten 4-3-3-System - viele junge Spieler, sehr offensiv ausgerichtet. Mannschaftliche Geschlossenheit verhilft zu Erfolg und hohen Siegen wie das 9:1 gegen Armenien und das 6:0 sowie 5:0 gegen Liechtenstein. Den Teams der Weltspitze ist Italien trotz der guten Arbeit Mancinis allerdings noch nicht gewachsen. Die Europameisterschaft kommt noch zu früh. Langfristig könnte die Fußballnation Italien diese Spitze jedoch wieder erklimmen.