​Der ​VfB Stuttgart kann auf eine ereignisreiche Winterpause zurückblicken. Mit der Trennung von Tim Walter wagte Vorstandsboss Thomas Hitzlsperger einen kompromisslosen Schritt, zumal mit ​Pellegrino Matarazzo ein im Profibereich komplett unbeschriebenes Blatt mit der Mission des sofortigen Wiederaufstiegs betraut wurde. Die Entwicklungen der letzten Wochen gaben jedoch bereits Hinweise darauf, dass der Mut der Stuttgarter belohnt werden könnte.


Aktuell ist die Stimmung im Ländle gut. Matarazzo zeichnet sich, ähnlich wie sein Amtsvorgänger, durch eine kommunikative Herangehensweise aus und strahlt schon allein aufgrund seiner Körpergröße eine natürliche Autorität aus. Auch in ersten Gesprächen mit der Presse gelang es dem 42-Jährigen, die richtige Mischung aus Selbstbewusstsein und Demut ob der kniffligen Aufgabe bei den Schwaben zu finden. Eben jene Demut hatten viele Beobachter Walter - wohl nicht ganz zu unrecht - häufig in Abrede gestellt.


VfB Stuttgart legte ordentliche Testspiele hin


Die anfängliche Skepsis gegenüber Matarazzo ist in den vergangenen Tagen immer mehr zugunsten einer vorsichtigen Zuversicht gewichen. Hilfreich war hierfür mit Sicherheit, dass die Stuttgarter ihre Testspiele gegen den FC Basel, MOL Fehervar FC und Dynamo Dresden allesamt gewinnen konnten. 


Zwar betonte Matarazzo geflissentlich, dass man diese Erfolge nicht überinterpretieren sollte, erste Erkenntnisse waren aus diesen Siegen aber schon allein auf taktischer Ebene durchaus herauszuarbeiten.

Holger Badstuber,Daniel Didavi,Borna Sosa

So macht es den Anschein, dass Matarazzo vorerst auf ein 4-2-3-1-System setzen wird. Im Laufe des Trainingslagers hatte der neue Coach auch ​mit einer defensiven Dreierkette experimentiert und den gelernten Mittelfeldspieler Wataru Endo in der Innenverteidigung getestet. Auch aufgrund eines Muskelfaserrisses von Holger Badstuber scheint Matarazzo dieses Experiment aber vorerst auf Eis zu legen. 


Gewinner und Verlierer unter Matarazzo


Nach einem Trainerwechsel werden die Karten bekanntlich neu gemischt. Eine wichtige Frage konnte Matarazzo jüngst im Umfeld des ​3:1-Erfolges gegen Dynamo Dresden beantworten. So konnte Gregor Kobel das Duell gegen seinen direkten Konkurrenten Fabian Bredlow für sich entscheiden und wird wie bereits zu Saisonbeginn als Nummer Eins das Gehäuse der Stuttgarter hüten. Unter Walter hatte der Leihspieler der TSG 1899 Hoffenheim diesen Status zum Jahresausklang 2019 verloren.


Eine Überraschung könnte sich auf der linken Defensivseite anbahnen. Die meisten VfB-Fans hatten inständig darauf gehofft, dass ​Borna Sosa unter der Führung von Matarazzo endlich sein volles Potenzial entfalten darf. Gegen Dresden rückte nun aber Kapitän Marc Oliver Kempf auf die linke Abwehrseite. Ob diese deutlich defensivere Variante wirklich zukunftsträchtig sein kann, oder nur dem ​aktuellen Notstand in der Hintermannschaft geschuldet ist, bleibt abzuwarten. Fest steht aber, dass Kempf auch unter Matarazzo weiterhin die Spielführerbinde tragen darf.

Pellegrino Matarazzo

Wirklich in die Karten lässt sich Matarazzo bislang aber nicht blicken, daher gibt es vor der Partie gegen den 1. FC Heidenheim am Mittwoch noch einige Fragezeichen. In der offensiven Mittelfeldreihe können sich Daniel Didavi, Philipp Förster und Nicolas Gonzalez gute Chancen ausrechnen. Leidtragender wäre wie zuletzt auch unter Walter Sommerneuzugang Philipp Klement. 


Darko Churlinov, im Januar vom 1. FC Köln losgeeist, muss sich wohl ebenfalls hinten anstellen. Auf der Sechs bleibt ​Wataru Endo gesetzt - nach dem Abgang von Santiago Ascacibar wird er es wohl im Verbund mit Orel Mangala richten müssen.


Richtungsweisendes Spiel gegen Heidenheim


Gleich in seinem ersten Spiel an der Seitenlinie geht es für Matarazzo und seinen VfB am Mittwoch um eine ganze Menge. Obwohl die Stuttgarter laut transfermarkt.de einen Mannschaftswert von über 68 Millionen Euro aufweisen können und somit mehr als doppelt so viel wie die Heidenheimer, trennt beide Klubs aus Baden-Württemberg in der Tabelle gerade einmal ein Punkt. Die Partie gegen das eingespielte Team von Frank Schmidt wird der Matarazzo-Elf gleich zum Start eine Menge abverlangen.


Gleichwohl bedeutet das Spitzenspiel vor heimischem Publikum auch eine große Chance, die eigenen Fans wieder komplett hinter sich zu bringen. Mit einem Sieg gegen einen direkten Konkurrenten könnten die Schwaben auch ein Signal an die Konkurrenz senden, die nach dem mehr als enttäuschenden Dezember des VfB bereits ihre Messer wetzen. Mit jedem erzielten Treffer und jedem geholten Punkt würde das Standing von Matarazzo innerhalb des Vereins wachsen und die notwendige Grundlage dafür legen, dass die Stuttgarter im Laufe der Rückrunde nicht die nächste Reißleine ziehen müssen. 


Personal-Update vor dem Heimspiel gegen Heidenheim


Auf der Pressekonferenz am Montag äußerte sich Matarazzo zu der aktuellen Personalsituation der Stuttgarter. Dabei offenbarte der Cheftrainer der Schwaben, dass es gegen den ​1. FC Heidenheim eventuell sogar auf eine Doppelspitze hinauslaufen könnte. 


Ein Grund hierfür könnte sein, dass Silas Wamangituka unter der Woche mit einer Erkältung zu kämpfen hatte und erst vor kurzem wieder ins Training einsteigen konnte. Mateo Klimowicz hat es noch heftiger erwischt. Der Mittelfeldspieler liegt mit Fieber im Bett und kann sich daher wohl kaum Chancen auf einen Einsatz ausrechnen.

Ebenfalls fraglich für die Partie am Mittwoch ist Innenverteidiger Maxime Awoudja, den weiterhin Adduktorenprobleme plagen. Wie auch gegen Dresden könnte daher Atakan Karazor  in die Innenverteidigung rücken. Gelb-gesperrt nicht zur Verfügung stehen, wird Gonzalo Castro. 


Vom personellen Aderlass der Stuttgarter könnten laut Matarazzo eventuell die beiden Eigengewächse Lilian Egloff und Antonis Aidonis profitieren. Bereits eine Berufung in den Spieltagskader wäre für die beiden Youngster ein Erfolg und würde bei den Anhängern der Schwaben mit Sicherheit gut ankommen.