Nach der ​0:2-Niederlage auf Schalke zum Rückrundenauftakt war ​Borussia Mönchengladbach auf Wiedergutmachung aus. Diese gelang, auch wenn weiterhin das Mantra der "Luft nach oben" aufgesagt werden kann. Rückblickend auf das Spiel gegen ​Mainz 05 kann man aber erwartungsvoll zum kommenden Spitzenspiel nach Leipzig fahren.


Gerade einmal zwölf Minuten waren am Samstag im BORUSSIA-PARK gespielt, als der Mainzer Kapitän Moussa Niakhaté einen langen Ball in den Lauf des sträflich alleingelassenen Robin Quaison schlug und Letzterer Yann Sommer mit einem strammen Schuss überwand. Nach dem Dämpfer auf Schalke gleich der nächste Rückschlag für die Borussia, die sich bis zu diesem Zeitpunkt eigentlich konzentriert und spielfreudig präsentiert hatte.


Doch wie schon des Öfteren in dieser Saison drehte Mönchengladbach, auch mithilfe des durchgängig unterstützenden Publikums, einen Rückstand noch in einen Sieg und konnte durch die Niederlage von RB Leipzig in Frankfurt wieder auf zwei Punkte zum Tabellenführer aufschließen. Alassane Plea trug selbstverständlich mit seinen zwei Toren einen enormen Anteil zum 3:1-Sieg bei, doch auch andere Spieler zeigten sich formverbessert bzw. meldeten Ansprüche auf einen Startplatz gegen ​RB Leipzig am kommenden Wochenende an. 


Abwehrchef Ginter als Fixpunkt


Die Viererkette vor dem erneut herausragenden Yann Sommer wurde im Vergleich zum Spiel auf Schalke auf zwei Positionen verändert, Stefan Lainer (5. Gelbe) und Tony Jantschke (verletzt) wurden durch den nach Nackenproblemen wieder genesenen Nico Elvedi und den eigentlich schon fast aussortierten Fabian Johnson ersetzt. Beide leisteten sich in der ersten Hälfte einige Unachtsamkeiten. Beim Gegentor durch Quaison sah man vor allem Johnson die fehlende Spielpraxis an, Elvedi auf der anderen Seite leistete sich ein fast folgenschweres Dribbling inklusive Ballverlust gegen zwei Mainzer, die in dieser Situation bei besserer Übersicht ein weiteres Tor hätten erzielen können. 

Fabian Johnson

Ersetzte den gesperrten Stefan Lainer: Fabian Johnson


Johnson und Elvedi fanden aber nach dem Ausgleich durch Plea zu spürbar mehr Sicherheit und konnten in der Folge mit guten Aktionen punkten. Vor allem Elvedi zeigte bei fortlaufender Spielzeit ein ums andere Mal hervorragendes Stellungsspiel und Geschick im Zweikampf. In der 85. Minute durfte er sich allerdings bei einer klasse Parade von Yann Sommer bedanken, als er eine Mainzer Flanke auf das eigene Tor köpfte. 


Zusammengehalten wurde die Abwehr von einem sehr stabilen Matthias Ginter, der mit einer Zweikampfquote von 71% und einer Passquote von 85% in erster Linie durch eine hervorragende Spieleröffnung glänzte. Der nach der Verletzung von Ramy Bensebaini wieder gesetzte Oscar Wendt spielte defensiv solide, bereitete gar das 1:1 durch Plea per gutem Freistoß vor und hatte selbst die Chance zum Torerfolg. In dieser Form kann der Schwede den Ausfall Bensebainis kompensieren, auch wenn man im Falle des athletischeren und aggressiveren Algeriers auf eine baldige Rückkehr hofft. 


Plea wieder auf dem Weg nach oben


Positiv auf sich aufmerksam machen konnte auch Christoph Kramer, der sich als dynamischer Ballverteiler und Abräumer im Mittelfeld präsentierte. Während sich Denis Zakaria durch einige offensive Ballverluste und deren starke Rückeroberung selber ein wenig die Luft nahm, überzeugte Kramer über große Teile der Spielzeit und meldete einen klaren Anspruch auf die Chefrolle im Mittelfeld an. 


Ebenso zeigte sich Alassane Plea in bestechender Verfassung, nicht nur aufgrund seines in Mittelstürmermanier erzielten Doppelpacks. Im Wechsel mit Stindl ließ sich der Franzose oft tief ins Mittelfeld fallen und kurbelte das Offensivspiel der Borussia mit starken Ballbehauptungen und physischen Läufen an. Ärgerlich, dass der eher blass aufspielende Marcus Thuram seine Vorarbeit in der 30. Minute nur an den Querbalken setzte. Sollte Plea diese bereits vermisste Dynamik weiterhin an den Tag legen, wird Gladbach noch viel Freude an ihm haben.

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Traumtor für das Selbstvertrauen: Florian Neuhaus (l.) bejubelt seinen Treffer


Borussias Serie, nach einem verloren Spiel das folgende zu gewinnen, bleibt also bestehen. Die Kirsche auf der Torte dieses Sieges war mit Sicherheit das wunderschöne Tor von Florian Neuhaus zum entscheidenden 3:1, als er sich selbst kopierte und den Ball aus 40 Metern über den herausgeeilten Keeper Robin Zentner zirkelte. 


Nicht wenige fühlten sich an sein Traumtor im Dress des TSV 1860 München erinnert, für deren A-Jugend er einst ein baugleiches Kunstwerk auf den Rasen zauberte. Dieses Tor sollte dem Ausnahmetalent einen großen Schub geben, verlief die bisherige Saison für den 22-jährigen doch eher schleppend und wenig glänzend. Momentan scheint er aber im Vergleich zu Jonas Hofmann und Laszlo Benes wieder die Nase vorn zu haben. 


RB Leipzig vor der Brust


Borussia hat sich in einem schwierigen Spiel gegen destruktive Mainzer nach einem frühen Rückstand wieder gefangen, in die Partie gekämpft und hochverdient die Punkte im BORUSSIA-PARK behalten. Im Hinblick auf das kommende Spiel bei RB Leipzig hat man sich also eine positive Stimmung geschaffen, Trainer Marco Rose gab den Spielern gar eine "​Feiererlaubnis". 


Dass die Fohlen seit Leipzigs Aufstieg noch nie gegen RB gewinnen konnten, siehe auch das verlorene Hinrundenspiel, ist eventuell neben einer möglichen Tabellenführung ein zusätzlicher Motivationsschub für die Reise in die Messestadt. Auch wenn man am Niederrhein nicht müde wird, das von Lucien Favre gepredigte "von Spiel zu Spiel" zu wiederholen, wird man bei anhaltender Form nicht um erneut aufkommende Diskussionen um eine mögliche Meisterschaft herum kommen. Das Spiel bei RB wird hierfür sicherlich ausschlaggebender sein.


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