Nachdem Thomas Müller im letzten Jahr von Bundestrainer Joachim Löw im Zuge der Verjüngungskur aus der deutschen A-Nationalmannschaft aussortiert wurde, wird momentan über eine Rückkehr in die DFB-Auswahl für die diesjährigen Olympischen Sommerspiele in Tokio (24.07. - 09.08.20) spekuliert. Lässt sich der ehemalige Nationalspieler auf die Reise nach Asien ein und wäre seine Nominierung überhaupt sinnvoll?


Thomas Müller und die Nationalmannschaft war eine Erfolgsgeschichte, in seinen 100 Länderspielen traf er 38 Mal für Deutschland, 10 Tore davon erzielte er bei Weltmeisterschaften. Im letzten März endete die Zusammenarbeit mit Joachim Löw, da dieser fortan auf andere, jüngere Spielertypen setzte. 


Auch im Verein lief es unter Bayerns Ex-Trainer Nico Kovac nicht so richtig gut für Müller, seitdem jedoch Hansi Flick den Trainerposten beim Rekordmeister übernahm, lief es auch gerade für Müller wieder besser. Mittlerweile steht die Münchner Vereinsikone bei vier Saisontoren und zwölf Vorlagen, inklusive seines Treffers ​beim 5:0 Heimsieg der Bayern gegen den ​FC Schalke 04. Müller präsentiert sich aktuell frisch und gierig auf Erfolg, wie schon lange nicht mehr.


Goldener Herbst


Der Weltmeister von 2014 weiß selbst, dass er sich im Herbst seiner Karriere befindet. In seiner gesamten Laufbahn präsentierte er sich bisher als reflektierter und bodenständiger Fußballstar, Attribute die aufgrund ihrer Seltenheit im Theater des Spitzenfußballs von Fans, Mitspielern und Medien gleichermaßen geschätzt werden. Auch zu seiner Ausbootung aus der Nationalmannschaft äußerte er sich zwar kritisch, aber nicht unfair oder nachtragend den Entscheidungsträgern gegenüber. 


Thomas Müller weiß sich selbst hervorragend einzuordnen in den ihn umgebenden Apparat aus Leistungsanspruch, medialer Außendarstellung und persönlich definiertem Erfolg. Insofern ist es nachvollziehbar, dass er sich zu den Spekulationen seine Teilnahme an den Olympischen Spielen betreffend sehr zurückhaltend gibt. 

FBL-GER-BUNDESLIGA-BAYERN MUNICH-SCHALKE

Traf am Samstagabend gegen Schalke 04: Thomas Müller


Im Aktuellen Sportstudio beantwortete er die Frage nach Olympia damit, dass es bisher kein Gespräch mit Stefan Kuntz, Trainer der deutschen U21-Nationalmannschaft und Verantwortlicher für die deutsche Olympia-Auswahl, gegeben habe. Zudem verwies er auf die kommenden Aufgaben in drei Wettbewerben mit "seinem" ​FC Bayern München. Gleichzeitig bestätigte er auch seinen Namen auf der 50 Spieler umfassenden NADA-Liste, die eine Bedingung für die Olympiateilnahme von Nicht-Jugendspielern darstellt. 


Ikone und Führungsfigur


Das olympische Fußballturnier wird mit erweiterten U23-Nationalmannschaften ausgetragen. Dies bedeutet, dass nur Spieler zugelassen sind, die nach dem 01.01.1997 geboren sind. Hinzu kommen drei Spieler "freier Wahl", zu denen auch Müller gehören könnte. Geht man von je einem "älteren" Spieler für die drei Mannschaftsteile Abwehr, Mittelfeld und Angriff aus, würde Müller hier beispielsweise in Konkurrenz zu Spielern wie Max Kruse, Davie Selke oder Sandro Wagner stehen, deren Namen ebenfalls auf der NADA-Liste zu finden sind.

Stefan Kuntz

Hat die Qual der Wahl: U21-Nationaltrainer Stefan Kuntz


In der aktuellen Form dürfte die Wahl hier selbstredend auf Müller fallen. Während Kruse und Wagner ihre Karriere in der Türkei bzw. in China ausklingen lassen, befindet sich Müller noch im Kampf um Titel in Europas Spitzenfußball und dies aktuell zudem als Stammspieler. Neben seiner Form und seinen fußballerischen Qualitäten gäbe es noch ein nicht zu unterschätzendes Plus: Thomas Müller ist ein absolutes Aushängeschild des deutschen Fußalls und wäre nicht nur für die globale Außendarstellung des DFB wichtig, sondern auch eine Orientierungsfigur innerhalb der deutschen Olympiamannschaft. Die Frage, ob Müllers Teilnahme seitens des DFB Sinn ergibt, sollte also klar mit "Ja" beantwortet werden können.


Entscheidung nach der Saison


Doch auch für Thomas Müller selbst wäre ein letztes Turnier im DFB-Trikot ein krönender Abschluss seiner Nationalmannschaftskarriere, die 2010 so spektakulär begann (Müller wurde bei der WM in Südafrika als bester Torschütze und bester Jungprofi ausgezeichnet) und mit dem Titel 2014 ihren Höhepunkt fand. 


Somit kann man nur hoffen, dass Müller sich zu gegebener Zeit für eine Teilnahme entscheidet. Dies wird laut Aussage aller beteiligten Personen voraussichtlich aber erst nach dem Ende der laufenden Saison geschehen. Verständlich, wenn man die Spannung in der Liga und die anstehenden ​Champions-League-Spiele berücksichtigt. Müller will sich voll und ganz auf den FC Bayern und dessen Titelwunsch konzentrieren. Danach könnte er dann für Olympia bereit sein, denn abgesehen von Verletzungspech sollte nichts einer weiteren Erfolgsgeschichte des Nationalspielers Thomas Müller im Weg stehen.