Paco Alcacer sitzt beim ​BVB auf gepackten Koffern. Dem Spanier bleibt allerdings nur noch eine knappe Woche, um einen neuen Verein zu finden, der wiederum bereit sein müsste, die geforderte Ablösesumme zu zahlen. Ein Wettlauf gegen die Zeit und den Markt - mit wenig Erfolgsaussichten.


Sein Körper hat ihm in Dortmund einen Strich durch die Rechnung gemacht: Auf Paco Alcacers anhaltende Verletzungssorgen reagierte der BVB mit der Verpflichtung von Erling Haaland und drängte den Spanier damit ins Abseits. Das Verhältnis zu Cheftrainer Lucien Favre soll mittlerweile eiszeitliche Züge annehmen, Alcacer hat seinen Wechselwunsch deutlich hinterlegt.


Dem Knipser droht allerdings ein halbes Jahr auf der Bank. Bereits in der vergangenen Woche schaffte es Alcacer aufgrund schlechter Trainingsleistungen nicht einmal in den Kader, sportlich wie auch perspektivisch spricht derzeit wenig dafür, dass der Spanier noch viele Minuten im schwarz-gelben Dress bekommen würde. Sollte sich kein Abnehmer finden lassen, steht dem Stürmer ein langes, zähes Halbjahr bevor.


Alcacer will sich für die EM empfehlen - am liebsten in Spanien


Dass Alcacer auf einen Wechsel pocht, hat auch mit der Europameisterschaft im kommenden Sommer zu tun. Der 26-Jährige will Argumente dafür sammeln, im Aufgebot der spanischen Nationalmannschaft zu stehen. In Dortmund bietet sich ihm diese Möglichkeit eher nicht. Interessenten für Alcacer soll es in der Premier League geben: Vor allem ​Tottenham Hotspur scheint auf den Spanier zu schielen, um den Ausfall von Harry Kane zu kompensieren. Alcacer würde dem Vernehmen nach aber eine Rückkehr nach Spanien bevorzugen.


Dort werden zwei Vereine als mögliche Abnehmer genannt: Atletico Madrid und der FC Valencia. Atletico soll sich allerdings bereits mit Edinson Cavani einig sein; die Frage ist nur, ob der Uruguayer im Winter oder im Sommer nach Madrid wechselt. Ein Wechsel zu Ex-Club Valencia dürfte davon abhängen, ob Starstürmer Rodrigo noch den Verein wechselt; der FC Barcelona soll den Spanier als Ersatz für Luis Suarez ins Auge gefasst haben. Eine Rückkehr nach Spanien hängt für Alcacer daher maßgeblich davon ab, ob noch der ein oder andere Stein umfällt.

Paco Alcacer

Komplizierter wird das Transfergesuch des Spaniers dadurch, dass der BVB ihn nicht zwingend abgeben möchte. Die Verantwortlichen wissen darum, dass auch Erling Haaland in dieser Saison bereits das ein oder andere physische Wehwechen mit sich herumgeschleppt hat; den Norweger überhaupt zu verpflichten, führte auf das Bedürfnis des BVB nach mehr Breite im Sturm zurück. Alcacer würde der amtierende Vizemeister der Bundesliga daher nur äußerst ungerne abgeben. ​Die Schmerzgrenze der Westfalen soll bei 40 Millionen Euro liegen.


Allerdings stellt sich auch für den BVB die Frage, wie sinnvoll ein Verbleib Alcacers wäre. Sollte der 26-Jährige seine Leistungen ob der Unzufriedenheit nicht mehr auf höchstem Niveau abrufen können, fehlt der sportliche Mehrwert und die Aussicht, im Sommer noch gut Kasse mit dem Spanier machen zu können. 

Alcacer als Kane-Ersatz zu Tottenham?


Am ehesten anbieten würde sich für den Verein und den Spieler wohl ein Leihgeschäft. In dem Fall könnte das Pendel durchaus in Richtung Tottenham ausschlagen. ​Die Spurs suchen einen kurzfristigen Ersatz für Harry Kane, planen langfristig aber fest mit dem englischen Nationalspieler in der Sturmspitze. Alcacer würde im Norden Londons die Aussicht auf Spielzeit winken und die Möglichkeit, sich für die EM zu empfehlen. Der BVB würde indes die Aussicht auf eine angemessene Ablösesumme wahren. 


In Summe gestaltet sich der Abschied von Paco Alcacer beim BVB sehr kompliziert. Und die Uhr tickt. Am Freitag schließt das Transferfenster, bis dahin müsste einiges passieren, damit der Spanier noch ein neues Zuhause findet. Die Tendenz geht daher dahin, dass Alcacer bis zum Sommer in Dortmund bleiben wird und sich beim BVB durchbeißen muss - auch um seine Chancen auf die EM zu wahren und sich für andere Vereine ins Schaufenster zu stellen. So oder so: Keine angenehme Situation für den Spanier, die seinen Wechselwunsch durchaus legitimiert. Den Wettlauf gegen die Zeit und den Markt dürfte er aber verlieren.


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