Im Topspiel des 19. Spieltags fertigte ​Bayern München den FC Schalke nach 90 Minuten mit 5:0 ab. Der Rekordmeister lieferte eine bärenstarke Vorstellung, allen voran das neu zusammengestellte Mittelfeld überzeugte auf ganzer Linie.


Die Änderungen im Vergleich zum 4:0-Auswärtserfolg bei Hertha BSC waren gering, umso größer war allerdings die Wirkung. In Berlin formierten sich die Münchner in einem 4-3-3 mit Thiago auf der Sechs sowie Philippe Coutinho und Leon Goretzka auf der Acht, im ersten Heimspiel des neuen Jahres stellte Hans-Dieter Flick auf ein 4-2-3-1 mit Thiago und dem nach seiner abgesessenen Gelbsperre zurückgekehrten Joshua Kimmich um. Als Konsequenz musste Coutinho auf der Bank Platz nehmen, während Goretzka sich auf der Zehn zwischen Ivan Perisic und Thomas Müller positionierte. 


Müller, Goretzka, Pavard - Wie aus einem Guss


Diagonale Seitenverlagerungen wurden unter der Woche als Mittel zum Zweck gegen eine Schalker Mannschaft, die wieder einmal vom 4-4-2 mit Mittelfeld-Raute Gebrauch machte, ausgemacht. Auf den Außenbahnen hatte S04 aufgrund der zentralen Ausrichtung kaum Zugriff, weshalb diese Räume von den Hausherren konsequent besetzt und überladen wurden.


So rückte Müller regelmäßig ein paar Meter in Richtung Zentrum ein, wodurch Benjamin Pavard, der den Vorzug vor Neuzugang Álvaro Odriozola erhielt, auf dem Flügel häufig durchmarschieren konnte. Goretzka verlagerte seine Position in Ballnähe, bot sich permanent durch Läufe in die Tiefe an und rückte im Zusammenspiel mit Müller einige Meter nach außen. 

Leon Goretzka

  Tor und Vorlage gegen seinen Ex-Klub - zum Rückrundenstart ist Leon Goretzka in bestechender Form.


Wie gut das funktionieren kann, wurde beim vermeintlichen 2:0 in der 37. Minute - dem zweiten Tor des Abends, das aufgrund einer Abseitsstellung zurückgenommen wurde - ersichtlich. Müller spielte einen Diagonalpass auf den einlaufenden Goretzka, der wiederum bediente Pavard an der Strafraumkante. Der Franzose chippte den Ball in den Sechzehner und auf den freien Goretzka zurück, der nur noch für Robert Lewandowski querlegen musste. 

Bis dato spielte Goretzka häufig auf der Acht oder Sechs, in einer offensiveren Rolle fühlt er sich jedoch deutlich wohler. "Aufgrund der körperlichen Präsenz in der Box präsent und Abnehmer für Flanken sein, den Ball selbst nach außen spielen und hinterhergehen", beschrieb er seinen Spielstil nach dem Schlusspfiff in der Mixed-Zone - und fügte in Bezug auf das offensive Mittelfeld an: "Das ist eine Position, die ich mir in Zukunft gut vorstellen kann."


Thiago und Kimmich glänzen


Doch auch die Doppelsechs wusste am Samstagabend klar zu überzeugen. Bereits in Berlin war Thiago einer der besten Münchner auf dem Feld, auch gegen Schalke bewies er seine Cleverness beim Dirigieren des Spiels. Nur selten ist er vom Ball zu trennen, dank seiner Übersicht initiiert er zahlreiche Angriffe, setzt besonders die Flügelspieler gekonnt in Szene. 


Kimmich sammelte derweil 120 Ballkontakte, spulte insgesamt 13 Kilometer ab und half der Mannschaft nicht nur als Abräumer, sondern gemeinsam mit Thiago als Spielgestalter. Während er sich im Aufbauspiel zwischen die Innenverteidiger fallen ließ, besetzte Thiago den freien Raum einige Meter weiter vorne. So konnte verhindert werden, dass beide Spieler vom Gegner isoliert werden.

Hat Flick die Lösung gefunden?


​​War das Mittelfeld vor der Winterpause noch eine Schwachstelle, weil oftmals die Balance fehlte und die Konterabsicherung nur unbefriedigend gewährleistet werden konnte, so hat Flick offenbar ein Mittel gefunden, um die Zentrale wieder zu stabilisieren. Als Mittelfeld-Dirigent ist Thiago in dieser Form unersetzlich, auch Kimmich, der nach dem Odriozola-Transfer endgültig auf seine ursprüngliche Position zurückkehrt, steigert sich von Spiel zu Spiel. 


Mit der Rückkehr von Corentin Tolisso wird der Konkurrenzkampf wieder größer, fürchten muss sich bei ähnlichen Leistungen wie gegen Schalke aber niemand; auch nicht Leon Goretzka, der an vier der bislang neun Rückrundentore beteiligt war (1 Tor, 3 Assists). Eng dürfte es lediglich für Perisic werden, wenn Serge Gnabry, der als Joker den 5:0-Endstand markierte, wieder in die Startelf rückt. Der deutsche Nationalspieler wird sich vorläufig mit dem linken Flügel anfreunden müssen, solange Müller seine sehr guten Leistungen unter Flick bestätigen kann.