Der Hamburger SV fokussiert sich in der zweiten Saisonhälfte voll und ganz auf die Rückkehr in die ​Bundesliga. Doch falls der Aufstieg gelingen sollte, steht der sportlichen Leitung wohl ein größerer Umbruch innerhalb des Kaders bevor. Das liegt einerseits an den vielen Leihspielern, andererseits an der Qualität des übrigen Spielermaterials.


Der kommende Sommer ist ein entscheidender für den HSV. Sechs Spielerverträge laufen Stand jetzt Ende Juni aus. Darunter fallen prominente Namen wie Aaron Hunt oder Kyriakos Papadopoulos. Auch Jairo Samperio, Timo Letschert, Christoph Moritz und Eigengewächs Tobias Knost müssen sich in den kommenden Monaten mit ihrer Zukunft befassen.


Hinzu kommen die fünf Leihspieler Martin Harnik, Adrian Fein, Louis Schaub, Joel Pohjanpalo und Jordan Beyer. Kurzfristig haben sich die Hamburger mit dem Trio Schaub, Pohjanpalo und Beyer, das aus der Bundesliga kommt, sinnvoll verstärkt - doch einen von ihnen darüber hinaus zu halten, gestaltet sich als schwierig. Denn während für Pohjanpalo keine Kaufoption ausgehandelt wurde, dürften die Aussichten auch bei Gladbachs Beyer gering sein - einzig bei Schaub soll die Option bestehen, ihn langfristig an den Verein zu binden.


Nachschub für die Breite


Für Trainer Dieter Hecking erweitern sich somit vor allem die Möglichkeiten in der Offensive. Das war auch nötig, denn trotz ​36 erzielter Tore - immerhin aktueller Bestwert in der ​2. Bundesliga - lässt die Offensive in der Breite zu wünschen übrig. Allein Sonny Kittel (9 Tore) und Lukas Hinterseer (6) waren 15 Mal zur Stelle, dahinter reihen sich Bakery Jatta, Aaron Hunt und David Kinsombi mit je drei Toren ein. Von Pohjanpalo und Schaub erhofft man sich zusätzliche Torgefahr - doch im Sommer wird wieder umgebaut werden müssen.


Ist der HSV bundesligatauglich?


Das liegt auch daran, dass die Qualität einzelner Spieler durchaus angezweifelt werden darf. Sind Personalien wie Daniel Heuer Fernandes, David Kinsombi, Khaled Narey, Timo Letschert oder Bobby Wood bundesligatauglich? Gewiss wird der HSV im Fall des Aufstiegs vorrangig darum spielen, nicht wieder in die zweite Liga abzusteigen. Aber dafür müssen die sportlichen Verantwortlichen den Kader in Absprache mit dem Trainer entsprechend rüsten. 


Doch gleichzeitig ist es legitim, den Fokus zunächst einmal auf das kurzfristige Ziel - den Aufstieg - zu legen. Denn was, wenn er wieder misslingt und man im Vorfeld viel Geld in die Hand genommen hätte? Dann wäre der Etat für die kommende Saison noch geringer als ohnehin schon und die Bundesliga würde in noch weitere Ferne rücken. 

Jonas Boldt

Nimmt die wohl wichtigste Rolle in Sachen Transfers ein: Sportvorstand Jonas Boldt.


Es ist ein zweischneidiges Schwert, Transfers müssen mit Bedacht getätigt werden. Der erste Schritt wurde in der laufenden Transferperiode geschafft, der zweite wird - dann auch abhängig von der Ligazugehörigkeit - im Sommer folgen. Laut dem Online-Portal transfermarkt.de erwirtschaftete der Klub seit Sommer 2018 ein Transferplus von rund 28 Millionen Euro, wie groß das Transferbudget sein wird, bleibt jedoch offen. Mit Boldt besitzt der Klub jedenfalls einen Sportvorstand, der sein Talent über Jahre hinweg bei Bayer Leverkusen unter Beweis gestellt hat; wenngleich er doch beweisen muss, dass er einen Verein langfristig aufbauen kann.