Der bisherige Weg von ​RB Leipzig führte von den Niederungen der Amateurligen bis an die Tabellenspitze der höchsten deutschen Spielklasse. Entwickelt sich der Klub nun auch transferpolitisch zum "Big Player"?


Dem "Projekt" RB Leipzig kann sicher vieles vorgeworfen werden, dass man in der Messestadt jedoch mit Geld um sich wirft, um sich überteuert zu verstärken oder gar Konkurrenten "kaputt zu kaufen" sicherlich nicht. Der deutsche Bundesligist mit den meisten ligaintern gewechselten Spielern im Kader​ ist - Borussia Dortmund. Leipzig lag im vergangenen Sommer in dieser Statistik, auch dank der noch relativ frischen Ligazugehörigkeit, abgeschlagen an letzter Stelle (Quelle: transfermarkt.de).


Neue Wege


Nachdem man sich über die Jahre in der Spitzengruppe der ​Bundesliga etabliert hat - seit dem Aufstieg wurde man Vizemeister, Sechster und in der letzten Saison Dritter - soll es nun bald für den ein oder anderen Titel reichen. Um dies zu schaffen, weicht man nun anscheinend von bewährten Strategien ab und zeigt sich im schwierigen wie teuren Winter-Transferfenster von seiner offensiven Seite. Bislang wurde man in der von vielen Managern ungeliebten Transferphase zu Jahresbeginn nur dann aktiv, wenn es sich um relativ günstige Zugänge vom Schwesterklub aus Salzburg handelte. 


Mit dem, ​wohl zerschlagenen, Transfer von Ex-Herthaner Valentino Lazaro (23, Inter Mailand) und dem ​so gut wie fixen Zugang Dani Olmo (21, Dinamo Zagreb), geht RB den nächsten Schritt hin zum europäischen Spitzenklub. Leipzig lässt sich laut Fachzeitschrift AS den Wechsel von Olmo 30 Millionen Euro Kosten, welche durch Bonuszahlungen noch um 15 Millionen Euro erweitert werden können. Auf den ersten Blick wirkt diese Ablöse sehr hoch und der Zeitpunkt eventuell verfrüht für einen sicherlich talentierten jungen Spanier, der sich nach seiner Ausbildung in Barcelonas "La Masia" aber auch erst noch in einer der großen europäischen Ligen beweisen muss. 


Das volle Programm


Jedoch ist zu beachten, dass RB Leipzig momentan noch in allen Wettbewerben vertreten ist. Die Bundesliga führt man auch nach Spieltag 19 noch an, im DFB-Pokal geht es nach Frankfurt und danach im Achtelfinale der ​Champions-League in die Duelle mit Mourinhos Tottenham. Die Verpflichtung von Patrik Schick im letzten Sommer und der Transfer von Olmo stärken in erster Linie die Breite des ohnehin schon gut bestückten und vor allem zusammen gewachsenen Kaders. Stützen wie Werner, Sabitzer, Orban, Forsberg, Gulasci, Halstenberg und Klostermann gehen mittlerweile mindestens in das vierte Jahr in Leipzig, Yussuf Poulsen spielt gar seit 2013 im Verein und alle behaupten seitdem, wenn fit, ihre Stammplätze. Neuzugänge hatten es in der Regel schwer, sich über längere Zeit in der Startelf wiederzufinden. Die neue Transferstrategie soll sicher die etablierten Spieler entlasten, aber gleichermaßen für echte Konkurrenz um die Einsätze sorgen. Man will mehr in Leipzig, Titel sollen es endlich sein. 


Konsequenz im Handeln


Betrachtet man den bislang erfolgten Aufstieg von RB Leipzig, so sollte man weitere Aktivitäten in dieser Transferperiode nicht ausschließen. Die beeindruckende Konsequenz des Titelaspiranten deutet auf mindestens einen weiteren Zugang hin. Nach dem Abgang von Diego Demme nach Neapel und den Verletzungen von Orban und Konate wird man sicherlich auch noch einen Defensivspieler verpflichten wollen. Das Interesse an Lazaro lässt vermuten, dass man sich vor allem um einen offensiv-orientierten Rechtsverteidiger bemühen wird. Dies würde beispielsweise die Möglichkeit bieten, Klostermann in die Innenverteidigung zu ziehen oder diesen wenigstens zu entlasten. Julian Nagelsmann würde sich über diese Auswahl wohl nicht beschweren. Mit Dani Olmo ist dieser Schritt nun für die offensiven Außenpositionen getan worden, um am Ende der Saison etwas in den Händen zu halten und damit die Marke RB noch größer zu machen. Dafür wird man in Leipzig nicht sparsam bleiben. Nicht mehr.