Er kam, sah und siegte. Dank eines Dreierpacks bewahrte Erling Haaland Borussia Dortmund bei seinem Debüt vor einer Niederlage gegen den FC Augsburg. Mit dem 5:3 beginnt der BVB die Jagd auf die Meisterschale, wenngleich der Rückstand auf RB Leipzig noch immer sieben Punkte beträgt. Dieser soll auch wegen Haaland schmelzen - dafür wird Trainer Lucien Favre das System voraussichtlich wieder umstellen, wie Sport Bild (Print) berichtet.


Die Frage nach dem System, welches Lucien Favre beim BVB spielen lassen will, muss der akribische Schweizer bereits seit seinem Amtsantritt im Sommer 2018 beantworten. Anfangs ging es noch um die Frage, wie die Integration von Mario Götze, der zwei Jahre zuvor vom FC Bayern zurückkehrte, nie aber an alte Tage anknüpfen konnte, gelingen würde. Favre blieb dem 4-2-3-1, das er anfangs wählte, treu, beorderte Götze in die Spitze und ließ ihn immer dann auflaufen, wenn Knipser Paco Alcácer von der Bank aus Torgefahr ausstrahlen sollte.


Doch je länger Dortmund im 4-2-3-1 spielte, desto lauter wurde die Kritik. Im abgelaufenen Kalenderjahr wurden ungewohnte Ausschläge in beide Extreme verzeichnet, auf Glanzleistungen folgten Enttäuschungen, die nicht nur die Meisterschaft in der vergangenen Saison, sondern beinahe auch die Achtelfinal-Qualifikation für die ​Champions League in der laufenden Saison kosteten. 


Favre stand unter Druck, wechselte mit dem Auswärtsspiel bei Hertha BSC auf eine 3-4-3-Variante, die in den ersten Spielen durchaus vielversprechend klang und aussah. Aber wie schon im vorherigen System war es die konstante Inkonstanz, die die Mannschaft begleitete. Wurde Fortuna Düsseldorf noch mit 5:0 bezwungen, so wurde Leipzig am selben Ort zum Toreschießen eingeladen, und ohne Grund ging auch das Auswärtsspiel bei 1899 Hoffenheim verloren. 


Mit Haaland und 4-2-3-1 zurück zum Erfolg


Viel Licht, aber auch viel Schatten - ​das soll sich mit Erling Haaland ändern. Weil Alcácer zunehmend mit Verletzungen zu kämpfen hatte und sich kaum noch so treffsicher zeigte wie in der Vorsaison, wurde der von halb Europa gejagte Norweger von RB Salzburg verpflichtet und bis 2024 unter Vertrag genommen. ​Sein Debüt hätte kaum besser laufen können: beim Stande von 3:1 für Augsburg brachte Favre den Shootingstar in die Partie, wenige Minuten später erzielte er den Anschlusstreffer. ​Nach 90 Minuten stand es 5:3 für Dortmund, Haaland glänzte und erzielte als zweitjüngster Bundesligaspieler nach Walter Bechtold sowie als schnellster Debütant binnen 23 Minuten einen Hattrick. 

Erling Haaland

Besser geht's nicht: Erling Haaland erlebte einen Traumeinstand bei Borussia Dortmund


Der Clou: Favre stellte auf ein 4-2-3-1 um, damit sich Haaland als klarer Mittelstürmer zwischen den gegnerischen Innenverteidigern bewegen kann. Der Plan ging auf, weil Augsburg, euphorisiert von der 3:1-Führung, weiter nach vorne spielte und so weit aufrückte, dass der BVB die gesamte Hintermannschaft mit einfachen langen Bällen aushebeln konnte. 


Haaland ist schnell, physisch für sein Alter sehr weit, besitzt ein gutes Gespür für das richtige Timing, um in den Raum einzudringen und ist zudem eiskalt vor dem Tor. Mit ihm, so Sport Bild, wird Favre höchstwahrscheinlich wieder zum 4-2-3-1 zurückkehren. Allerdings habe der Schweizer seit dem Trainingsauftakt viel experimentiert, das 3-4-3 unter anderem leicht abgewandelt und in ein 3-4-2-1 abgeändert, in dem Marco Reus und Jadon Sancho um Haaland herum spielen würden. 


Wo es wirklich hapert


Langfristig aber sieht er die Viererkette als Mittel zum Erfolg. "Alle großen Vereine spielen mit Viererkette", erklärte er im Interview mit dem kicker, nannte das 4-2-3-1 oder 4-3-3 als die beiden Systeme, die auf lange Sicht "am besten funktionieren." 

Lucien Favre

Lucien Favre legt den Finger in die Wunde: Der BVB-Coach bemängelt die Abwehrarbeit seiner Spieler deutlich


Allerdings kann Dortmund in der Offensive viele Varianten spielen, Favre konzentriert sich daher umso mehr auf die Defensive. Am vergangenen Samstag kassierte der BVB die Gegentore 25, 26 und 27 - und damit genau so viele wie Union Berlin. Der Aufsteiger belegt seinerseits jedoch Platz zwölf. In der gesamten oberen Tabellenhälfte hat nur der SC Freiburg (30) noch mehr Gegentreffer als Dortmund hinnehmen müssen


"Wir können nicht immer fünf Tore schießen, um ein Spiel zu gewinnen", ärgerte sich Favre nach der Partie wieder einmal über die mangelhafte Defensivarbeit (zitiert via kicker). Wie berichtet wird, werde in dieser Woche das Spiel mit Viererkette intensiv trainiert, um die nötige Stabilität zurückzugewinnen. Sobald diese wieder vorhanden ist, kann auch die Jagd nach den Titeln endgültig aufgenommen werden. Solange sie allerdings nicht gegeben ist, reicht auch ein Erling Haaland nicht aus, um zum ersten Mal nach 2012 wieder mit der Meisterschale um den Borsigplatz zu fahren.