Erling Haaland hat bei seinem Debüt in Augsburg nicht nur den ​BVB, sondern auch mich verzaubert. Und mich der Überzeugung beraubt, dass der klassische Mittelstürmer ausgestorben ist und begraben bleiben sollte. Mea culpa!


Pep Guardiola hat irgendwann einmal die "falsche Neun" erfunden. Und ich war mir sicher: So geht der klassische Mittelstürmer dahin. Der Startschuss in ein neues Zeitalter und in die Zukunft. Und nichts konnte mich in meinem Glauben erschüttern. Bis Erling Haaland kam. 


Zugegeben: Ich war kein Fan des Transfers vom norwegischen Superbubi. Das lag vielleicht auch an der unglücklichen Kommunikation des BVB. Ein zweiter Stürmer sollte verpflichtet werden, um Paco Alcacer zu entlasten. Nur: Die Ankunft Erling Haalands wies dem Spanier in aller Deutlichkeit ​den Weg zur Tür hinaus. Ein klassisches Nullsummenspiel also: Einer kommt, der Andere geht. Alles beim Alten. Und wer hätte denn tatsächlich erwartet, dass dieser 19-jährige Blondschopf, der sich bisher ein wenig in Österreich und per Abstauber in der Champions League ausgetobt hat, auf Anhieb in Dortmund funktionieren würde?


Erling Haaland setzt eine Duftmarke der besonderen Art


Haalands Auftritt in Augsburg hat mich aller Zweifel beraubt. Sowohl derer, dass der Transfer hanebüchen ist, als auch meiner Auffassung, dass die klassische Neun antiquiert ist. Der Fußball in seiner modernen Prägung braucht keinen Knipser mehr, dessen war ich mir sicher. Denn: Mit vernünftigem Fußball bringt man seine Stürmer in jedem Fall in Abschlusssituationen. Und ob da nun ein Mario Gomez oder ein Marco Reus steht - irgendwie kriegt man die Kugel schon über die Linie. Nur habe ich unterschätzt, welche Wirkung der klassische Mittelstürmer noch haben kann. 


"Fußball spielen ist sehr simpel, aber simplen Fußball zu spielen, ist das Schwierigste überhaupt", dozierte Johann Cruyff seinerzeit. Und mea culpa: Recht hat er! Tiki-Taka hin oder her, wenn ein Erling Haaland den Ball im Sechzehner bekommt, klingelt es. Das hat das Supertalent am vergangenen Wochenende eindrucksvoll unter Beweis gestellt. Und diese Simplizität, die jegliche romantisierte Vorstellung eines komplexen und von Taktik geprägten Spiels ad absurdum führt, setzt mich Schachmatt. 

Erling Braut Haaland

Selbstverständlich muss die Kirche im Dorf bleiben. Ob Erling Haaland für den BVB so weiter bombt, wird sich zeigen. Doch darum geht es mir nicht. Diese 30 wundervollen Minuten in Augsburg haben mir die Augen geöffnet: Wir können den klassischen Mittelstürmer begraben, ihn vergessen und den Fußball verkomplizieren. Doch er wird wieder aufstehen. Und diese vollkommene, entwaffnende Simplizität zurückbringen. In diesem Sinne: mea culpa. Und lang lebe der König!


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