​Der ​VfB Stuttgart hat sich in der Wintertransferperiode in Sachen Neuzugänge bislang (noch) vornehm zurückgehalten. Nach dem zumindest ertragreichen ​Abgang von Santiago Ascacibar sind die VfB-Verantwortlichen nun aber allem Anschein nach drauf und dran, den Anhängern durch das ​Ziehen der Kaufoption von Wataru Endo ein verspätetes Weihnachtsgeschenk zu bereiten. Angesicht der Qualitäten des Japaners wäre eine andere Entscheidung aber auch kaum vermittelbar gewesen.


Noch ist der japanische Nationalspieler lediglich bis zum Saisonende von dem belgischen Klub VV St. Truiden ausgeliehen. Neben der äußerst moderaten Leihgebühr von 300.000 Euro sollen sich die Stuttgarter dem Vernehmen nach bei den Verhandlungen im vergangenen Sommer eine Kaufoption in Höhe von 1,5 Millionen Euro gesichert haben. Laut Informationen der BILD soll sich die Vereinsspitze mittlerweile einig darüber sein, ​von dieser Klausel bereits in Bälde Gebrauch zu machen


Endo startet spät durch - dann aber so richtig


Endo und der VfB war in der Hinrunde beileibe keine Liebe auf den ersten Blick gewesen. Von den Anhängern aufgrund seiner bislang wenig aussagekräftigen Vita eher kritisch beäugt, galt auch Cheftrainer Tim Walter lange nicht als ausgewiesener Fan des defensiven Mittelfeldspielers. Verkompliziert wurde die Integration ins Ländle für Endo zudem durch immer wiederkehrende Abstellungen für die japanische Nationalmannschaft. Einmal rund um den Globus und wieder zurück - alles andere als die optimale Vorbereitung auf packende Duelle im Aufstiegskampf der 2. Bundesliga.

Seung-ho Paik,Wataru Endo

Mitten in die Zeit, in der Endo von so manchem VfB-Bruddler bereits als "Fehleinkauf" titulierte wurde, sorgte Walter ausgerechnet beim Derby gegen den Karlsruher SC für eine große Überraschung und bot Endo wie aus dem Nichts plötzlich in der Startelf auf. Der Sechser rechtfertigte den späten Vertrauensbeweis mit einer ​beeindruckenden Leistung und agierte in der Schaltzentrale der Stuttgart so, als wäre er schon immer dort ansässig gewesen.


Mit mächtig Selbstvertrauen im Rücken, lieferte Endo auch in den verbleibenden vier Partien bis zur Winterpause konstant ab und machte sich mit mächtig Anlauf quasi unverzichtbar. Komplett fehlerfrei agierte Endo zwar auch keineswegs, war in einer oft wirr agierenden Mannschaft der Stuttgarter aber dennoch zumeist ein verlässlicher Ankerpunkt.


Endo lässt Taten sprechen


Ein Lautsprecher ist Endo schon allein aufgrund der Sprachbarriere noch nicht. Mit seinen 26 Jahren verkörpert er jedoch wie kaum ein anderer Spieler im VfB-Mittelfeld die perfekte Mischung aus Verlässlichkeit und einem gewissen Entwicklungspotenzial. In Zeiten, in denen für viele Spieler meist horrende Summen aufgeboten werden, kann man daher mit Fug und Recht behaupten, dass Endo für den VfB ein echtes Schnäppchen ist. Dies bleibt auch so, wenn sich die Gerüchte bestätigen sollten, wonach die Stuttgarter im Falle eines Aufstiegs eine Bonuszahlung an den Noch-Stammklub von Endo entrichten müssten.


Das Spielerprofil von Wataru Endo:

Position​​DMF
​Alter​26
​Marktwert​2 Mio. Euro
​Vertragslaufzeit​30.06.2020 (Leihe)
​VfB-Spiele​6
​VfB-Scorerpunkte​-


(Marktwert laut transfermarkt.de)


Dass die Stuttgarter langfristig mit Endo planen, liefert weitere Hinweise darauf, dass der Defensivspieler auch unter dem neuen Cheftrainer Pellegrino Matarazzo gesetzt sein wird. Zuletzt bestätigte Endo bereits öffentlich, dass er sich auch in der Lage fühle,​ einen Posten in einer Dreierkette der Stuttgarter einzunehmen. Auf den ersten Blick erscheint der nur 1,78 Meter große Japaner für diese Aufgabe rein körperlich zwar nicht die Ideallösung zu sein, in den vergangenen Spielen zeigte Endo aber eindrucksvoll auf, wie wichtig ein exzellentes Timing im Kopfballspiel ist.


Nach dem Abgang von Santiago Ascacibar wird Endo in der zweiten Saisonhälfte aber vermutlich ohnehin eher im zentralen Mittelfeld gefragt sein. Da es keineswegs sicher ist, dass Gonzalo Castro und vor allem Orel Mangala dem VfB über das Saisonende hinaus erhalten bleiben, ist Endo das wichtige Mittelfeld-Puzzlestück für die Zukunft. Bei aller Lobhudelei gilt es für Endo im Verlauf der restlichen Rückrunde die positiven letzten Eindrücke nun erst einmal zu bestätigen. Dass sich der VfB bereits jetzt voll zu ihm bekennen will, könnte ihm aber einen großen Schub verleihen.