​Nach einer abermals eher dürftigen Vorbereitung hielt sich in und um Leverkusen herum der Optimismus in Grenzen. Die schwierige Hinrunde hat ihre Spuren hinterlassen, statt Überzeugung ging die Skepsis umher. Mit dem SC Paderborn hatte man zum Start der Rückrunde zudem einen äußert unangenehmen Gegner vor der Brust. ​Doch die Mannschaft von Bayer Leverkusen setzte sich relativ souverän durch und widersetzte sich der Schwarzseherei.


Bereits zweimal trafen Bayer 04 und der SCP in dieser Saison aufeinander - beide Male konnte die ​Werkself die Partien nur knapp für sich entscheiden. Der freche und offensive Spielstil der Ostwestfalen schmeckte der Werkself so gar nicht. Sowieso kränkelt Leverkusen gegen Mannschaften aus dem unteren Tabellentableau immer wieder gerne. Bayer-Fans lernten nach den peinlichen wie auch unnötigen Niederlagen gegen Köln und Berlin kurz vor der Winterpause eine ganz neue Art der Wut und Enttäuschung kennen.


Volland widersetzt sich den getrübten Vorzeichen


Über die Winterpause änderte sich die Gefühlswelt der Leverkusener kaum, den verpassten Chancen - man stände mit sechs Punkten mehr auf dem Konto auf Platz zwei der ​Bundesliga - trauerte man immer noch hinterher. 


Dass mit Charles Aranguiz der Leader schlechthin verletzt ausfiel, trübte die Stimmung noch weiter. ​Neuzugang Exequiel Palacios fehlte zudem gesperrt und reihte sich damit zu den ebenfalls gesperrten Wendell und Leon Bailey ein.

Kevin Volland

Doch dann kam alles anders. Unmittelbar nach Anpfiff der Partie rollte der Bayer-Zug in Richtung Paderborner Tor. Bereits nach einer Viertelstunde stand es durch einen Doppelpack von ​Kevin Volland 2:0 für die Werkself. Manch einer rieb sich verwundert die Augen, manch einer pustete voller Ekstase hyperventilierend in eine Plastiktüte. Bayer 04 zeigte mal wieder anständigen, schnellen und erfolgreichen Fußball. Das 3:0 bis zur Pause war dann nur noch logische Konsequenz.


Dass ​Paderborn nach der Pause wieder in die Spur kam und durchaus verdient den Anschluss bejubelte, war zwar ärgerlich, im Nachhinein aber eine gute Gelegenheit, Leverkusens Professionalität auf die Probe zu stellen. Etwa eine Viertelstunde lang schwamm die Werkself in der Defensive gewaltig und musste sich erst wieder stabilisieren. Das gelang der Werkself schließlich auch. Die Mannschaft zeigte, dass sie sich auch wieder in ein Spiel hereinbeißen kann. Das 4:1 in der Schlussphase war dann der endgültige Knockout für den SCP.


Was bleibt den Rheinländern nach dem Spiel nun als Erkenntnis?


Nun ja, ein 4:1 gegen das Tabellenschlusslicht ist jetzt nicht das ganz große Kino, sondern eher unter der Rubrik 'Pflichtprogramm' einzuordnen. Dennoch tut der Sieg der Werkself gut, vor allem aufgrund der Art und Weise. Besonders in der ersten Halbzeit zwang Bayer dem Gegner das eigene Spiel auf und gewann, ganz im Sinne von Trainer Peter Bosz, die Kontrolle über das Spiel.

Kai Havertz

Auch der eine oder andere Spieler tankte in der Partie ordentlich Selbstvertrauen. Allen voran ​Kai Havertz. Der 20-Jährige gehört trotz seines Stellenwerts und seines Talents zu den meist kritisierten Profis der Werkself, brachte gegen Paderborn mit einem Tor und einer starken Vorlage aber endlich mal wieder seine Pferdestärken auf den Rasen. Und auch Stürmer Volland, in der Vergangenheit teilweise etwas glücklos wirkend, schoss sein Team mit den beiden frühen Toren in die richtige Spur. Der emsige Offensivmann erlebte einen perfekten Start in die Rückrunde. Daneben machte auch Linksaußen und Doppelvorlagengeber Moussa Diaby den Fans viel Spaß.


Doch besonders das defensive Mittelfeld sammelte Pluspunkte. Hier wünschten sich viele Fans das Duo Aranguiz-Palacios, aber sie bekamen Julian Baumgartlinger und ​Kerem Demirbay. Doch beide lieferten ein tolles Spiel ab, "Baumi" leitete unter anderem stark das 1:0 ein und erzielte das 3:0 selbst. Demirbay überzeugte durch Einsatz, Spielfreude und klugen Pässen. Definitiv besser als erwartet sorgten beide über weite Teile des Spiels für Sicherheit vor der Abwehr und gute Impulse nach vorne. Daran müssen die beiden jetzt anknüpfen, auch weil Aranguiz und Palacios in den kommenden Partien weiter fehlen werden.


Neben den drei Punkten im Gepäck sammelte die Werkself also ordentlich Selbstbewusstsein. Die Mannschaft kann es noch, das hat die gezeigt. Auch ohne den ein oder anderen wichtigen Spieler weiß Leverkusen zu gefallen. Jetzt heißt es, diese Leistung konstant und über die volle Spielzeit abzuliefern. Die Laune unter dem Bayerkreuz dürfte sich auf jeden Fall gebessert haben. Der Traum von einer grandiosen Rückrunde wie im vergangenen Jahr - er lebt wieder auf.