​Die leisen Hoffnungen der Winterpause haben sich zumindest vorerst bestätigt. Der ​SV Werder Bremen hat mit einem hart umkämpften Sieg ein kleines Zeichen im Abstiegskampf gesetzt. Das Duell gegen ​Düsseldorf brachte den Bremern nicht nur drei Punkte, sondern viele wichtige Erkenntnisse ein. Nicht alle sind allerdings ebenso erfreulich wie das Ergebnis.


Niklas Moisander: Top-Leistung mit Folgen

Niklas Moisander

Im Prinzip hätte Werders Kapitän Niklas Moisander am Samstagabend zufrieden ins Bett gehen können. Doch sein Platzverweis kurz vor Schluss dürfte den Finnen wurmen. Ansonsten lieferte der Innenverteidiger nach einigen Schwächephasen in der Hinrunde eine saubere Leistung ab. Defensiv stand der Anker deutlich besser und organisierte seine Hintermannschaft in der neuen Besetzung gut. 


Mit seinem erzwungenen Eigentor in der zweiten Hälfte sorgte er zudem für den Befreiungsschlag und rundete seine Leistung ab. Nur durch die Gelb-Rote Karte wird sein Nachmittag geschmälert. Der wiedererstarkte Leistungsträger wird also schon wieder aussetzen müssen. Trotzdem stand Moisander stellvertretend für den dringend benötigten Einsatz.


Vogt und der Erfolg mit der Dreierkette

Kevin Vogt

Den größten Fokus dürften die ​Fans und Verantwortlichen auf Neuzugang Kevin Vogt gelegt haben. Der Defensivspieler aus ​Hoffenheim absolvierte sein erstes Spiel für die Norddeutschen und war prompt gefordert. Individuell hatte er nach der langen Pause noch etwas Nachholbedarf, doch allein dieses Spiel bestätigte die Pläne von Trainer Florian Kohfeldt.


Die Dreierkette funktionierte wie erhofft und Vogt konnte seine Erfahrung bestens einbringen. Der Systemwechsel um die Leihgabe könnte endlich die Wende bringen, immerhin sprang nun das erste Spiel zu Null heraus. Wie wichtig Vogt dazu als Wortführer wurde, zeigte sich vor allem in der hektischen zweiten Hälfte. Sein Einsatz endete vor dem Abpfiff mit einer schmerzhaften Gehirnerschütterung. Eine ​vorzeitige Rückkehr gegen seinen Ex-Klub wäre umso wichtiger.


Offensiv hakt es bei Werder Bremen weiterhin

Benjamin Goller

Ein Grund für die schlechte Hinrunde ​war die oftmals untergetauchte Angriffsreihe des SVW. Gegen Düsseldorf zeigten die offensiven Profis noch immer einige Schwächen, die nach dem Trainingslager nicht unbedingt zu erwarten waren. Hoffnungsträger Josh Sargent hing beispielsweise komplett in der Luft, konnte seinen Startelf-Einsatz aufgrund vieler technischer Mängel nicht rechtfertigen.


Nebenmann Milot Rashica war zwar deutlich aktiver, blieb allerdings auch ohne große Wirkung gegen die gestaffelte Defensive. Werder braucht den Kosovaren dringend in Form, vor allem wenn Sargent oder Yuya Osako nicht viel zum Spiel beitragen können. Aus dem Mittelfeld fehlt oftmals die nötige Initiative, selbst Maximilian Eggestein enttäuschte nach der guten Wintervorbereitung. Ein weiterer Transfer würde helfen, ansonsten muss die Umstellung auf die defensivere Variante eigenhändig ausbalanciert werden.


Wie sieht die Lösung auf den Außen aus?

Leonardo Bittencourt

Eine Folge der defensiven Umstellung ist die geänderte Positionierung der Außenverteidiger. Die Personalprobleme verhinderten gegen Düsseldorf eine etablierte Lösung. Marco Friedl hatte auf links immer wieder mit dem Tempo seiner Gegenspieler zu kämpfen, bringt dazu offensiv nicht die benötigten Qualitäten mit.


Sein Pendant auf der rechten Seite war dagegen zu angriffsfreudig eingestellt. Leonardo Bittencourt ist gelernter Zehner, kann allerdings auch auf den Flügeln spielen. Nun musste er auf die defensive Position rücken, um Werder halbwegs abzusichern. Gegen Düsseldorf funktionierte dies phasenweise gut, denn Ömer Toprak rückte bei Angriffen etwas mit auf. Langfristig werfen diese Positionen aber ​Fragen auf, vor allem wenn das Stammpersonal weiterhin ausfallen sollte.


Langsam, aber beständig Selbstvertrauen sammeln

Florian Kohfeldt

Schlussendlich stehen für den SVW die wichtigen drei Punkte gegen den direkten Konkurrenten zu Buche. Der Erfolg war der Start in eine deutlich positivere Rückrunde, so zumindest der Plan. Doch neben einigen Lichtblicken ging Werder erneut mit Verlusten aus der Partie. Diese darf sich der SVW in den zukünftigen Wochen wohl kaum erlauben, der nächste Gegner könnte die Schwächen schon eher ausnutzen.


Stabilisieren sich die Grün-Weißen ​allerdings weiterhin defensiv, finden eine kreative Lösung im Mittelfeld und lassen die Offensive glänzen, dürften die Anzeichen nicht schlecht stehen.