​Wenn ein Fan von ​Borussia Dortmund an Pierre-Emerich Aubameyang denkt, kommen sofort negative Gedanken auf: Diverse Undiszipliniertheiten, Lustlosigkeit auf dem Platz und der letztendlich erzwungene Wechsel zum FC Arsenal. Wenn man jedoch die Statistik des Gabuners beim BVB nüchtern betrachtet, muss man den 30-jährigen Knipser als einen der besten Stürmer der Vereinsgeschichte ansehen. Deshalb ist es keine Selbstverständlichkeit, dass ​Erling Haaland ihn ebenbürtig ersetzen wird.


Doch die Hoffnung darauf ist groß. Der 19-jährige Norweger legte am Samstagnachmittag in Augsburg mit einem Hattrick binnen nicht mal 30 Minuten direkt furios los und untermauerte somit den immensen internationalen Hype um seine Person. 


Auf Twitter ist weltweit die Aufregung über den Einsatz des ehemaligen Salzburgers sehr groß, vor allem Fans von Manchester United üben sich ob des verpassten Transfers massenhaft in Trauer, die der Intensität der Freude von BVB-Fans über den heutigen Einsatz Haalands gleicht.


Inwieweit können wir aber nach diesem Kurzeinsatz überhaupt die Zukunft von Haaland vorhersagen? Wir wissen zumindest, dass er bei der ihm vorausgesagten Entwicklung bereits nach zwei Jahren den Verein wieder per ​Ausstiegsklausel verlassen könnte. Aubameyang war im Gegensatz dazu immerhin viereinhalb Jahre bei den Schwarz-Gelben aktiv. 


Doch qualitativ darf man sich durchaus berechtigte Hoffnungen auf eine richtige Tormaschinerie machen. Haaland hat gegen Augsburg den Eindruck, den er bereits in der Champions League im Dress von Red Bull Salzburg erweckt hat, bestätigt: Er stellt eine einzigartige Kombination aus Athletik, Physis, Schnelligkeit und Abschlussstärke dar. Zudem weist er in seinem jungen Alter bereits ein überraschend gutes taktisches Verständnis auf.


Haaland strotzt auch fast schon wie Zlatan Ibrahimovic vor ​Selbstvertrauen. Er wendet gegenüber Journalisten dieselbe Ironie an und ist sich offenbar darüber bewusst, dass er für die Karriere eines Weltklasse-Fußballers prädestiniert ist. Es gibt keinen Grund, um sich irgendjemandem anzubiedern. 


Kann der BVB mit Haaland Titel gewinnen?


Der Transfer von Haaland hat ​also schon nach kurzer Zeit zumindest einen enormen medialen Effekt auf den BVB. Nun stellt sich aber die Frage, inwieweit Haaland in den kommenden Monaten seine Form der bisherigen Saison beibehalten wird. Wird er Tore liefern, die auch schon Paco Alcacer vor ihm zuverlässig - zumindest eine Zeit lang - geliefert hat, oder sogar seiner Mannschaft die nötigen weiteren Prozentpunkte geben, um das Meisterschaftsziel oder eine längere Champions-League-Reise zu erreichen?


Auch in Anbetracht der heutigen Leistung ist dies äußerst fraglich. Einen Heilsbringer dieser Größenordnung hat es durchaus schon mal gegeben, aber nicht in solch einem Alter und nicht auf solch einem Niveau. Dortmund braucht viel mehr, um die ambitionierten Ziele zu erreichen. Die Diskussion über die Defensive werden wir jedoch zu einem anderen Zeitpunkt führen.


Zurück zu Haaland und seinen Anfängen


Was Haaland betrifft, sind zumindest die besonderen Momente vorprogrammiert. Die Momente, die medial Wellen schlagen, dem BVB mehr Fans bescheren - und vielleicht schon nach zwei Jahren die Kassen klingeln lassen. ​


Denn der in Leeds geborene, 1,94-Meter große Stürmer ist für noch höhere Aufgaben prädestiniert. Im Alter von nur 18 Jahren griff Salzburg tief in die Tasche, um Haaland vom Molde FK zu verpflichten. Die Österreicher mussten nicht nur eine Ablösesumme in Höhe von acht Millionen Euro überweisen, sondern ihm auch eine Ausstiegsklausel in Höhe von 20 Millionen Euro zusichern. 


Dies erwies sich im Nachhinein als ziemlich cleverer Schachzug von Haaland und seinen Betreuern, zu denen sein Vater Alf-Inge Haaland gehört. Im Gegensatz zu anderen Top-Talenten erhielt Haaland von seinem Vater, der sich als norwegischer Nationalspieler einen Namen machte, direkt den Entwurf einer Spitzenkarriere. Und dieser sah es vor, ohne viel Sentimentalität nach nur einem - zugegebenermaßen grandiosen - Jahr in Salzburg weiterzuziehen.


Deshalb sollten BVB-Fans ebenfalls nicht eine allzu große Bindung an Haaland entwickeln. Er ist gekommen, um Tore zu schießen. Er wird genauso wie Aubameyang irgendwann weiterziehen. Wird er bis dahin eine Statistik von 141 Treffer in 213 BVB-Partien, wie es bei 'Auba' der Fall war, auch nur annähernd aufweisen? Mal schauen...