​​Jan Schlaudraff erlebt momentan sicherlich nicht seine schönste Zeit bei ​Hannover 96

Der 36-jährige Sportdirektor steht nach der unbefriedigenden Hinserie der Niedersachsen naturgegeben in der Verantwortung und muss sich entsprechend der Kritik stellen. Sein Problem ist aber eher in der Person des Klub-Chefs Martin Kind zu verorten. 


Der nämlich betreibt gerade ein lupenreines Schlaudraff-Bashing. Anders kann man es nicht nennen, wenn einer halbgaren Job-Garantie, wie sie Kind kürzlich gegenüber Sport1 gab ("Jan ist unser Sportdirektor. Das bleibt auch so in der Rückrunde. Eine Entlassung ist kein Thema."), ein in alle Richtungen interpretierbares "Man weiß nie, was alles passiert" hinzugefügt wird.


Kind ist Medien-Profi genug, um zu wissen, dass solche Aussagen nur eines befeuern: Die Gerüchte um eine baldige Trennung. Das Bild auf dem vergangenen Neujahrsempfang der Mannschaft jedenfalls hatte eine fast schon symbolische Aussagekraft. Rücken an Rücken saßen Schlaudraff und Kind während des Festaktes - und redeten über die gesamten zwei Stunden hinweg nicht ein Wort miteinander. Das Tischtuch zwischen Präsidenten und Sportdirektor scheint zerschnitten.


Kinds Probleme mit seinen Sportdirektoren


Und ein Herr Kind wird sich fragen müssen, ob er in Sachen Menschenführung nicht vielleicht doch ein paar Defizite aufweist. Denn die jetzige Situation weist fatale Parallelen zu Personalumstellungen in der jüngeren Vergangenheit auf. Dirk Duffner, Martin Bader, Horst Heldt - sie alle mussten gehen. Und alle gingen sie im Unfrieden.

Jan Schlaudraff

Auch jetzt tut Kind alles, um Schlaudraff als 'lame duck', als Mann ohne Entscheidungsgewalt, dastehen zu lassen. Kind entließ Trainer Mirko Slomka - angeblich, ohne Schlaudraffs Meinung einzuholen. Kind traf sich mit Kandidaten für Schlaudraffs Posten - ohne diese Treffen besonders diskret über die Bühne laufen zu lassen. Zuletzt verschenkte Kind Ersatztorwart Michael Esser laut Bild nach Hoffenheim - ohne Konsultation mit Schlaudraff.


Und er lehnte die Verpflichtung von Trainer Kocaks Wunschspieler Konstantino Mavropanos ab, weil keine Kaufoption vereinbart worden war. Folge: Mavropanos unterschrieb in ​NürnbergDas alles hat Rückkoppelungseffekte - auch auf die Mannschaft, die Schlaudraff immer mehr verliert. Und in deren Ansehen er wiederum verliert. Wahrlich keine gute Basis für eine erfolgreiche Zusammenarbeit.


Schon der Start in Hannover war holprig


Eigentlich sollte Schlaudraff hinter Horst Heldt und dem Sportlichen Leiter Gerhard Zuber als Dritter Mann langsam aufgebaut werden. Doch zunächst wurde Horst Heldt im April gefeuert (während Zuber blieb, weil er in die Transferaktivitäten eingebunden war), und Schlaudraff zu Heldts Nachfolger als Sportdirektor gemacht. Schon bei Schlaudraffs Vorstellung optierte Kind laut Bild für eine unglückliche Wortwahl: "Wir kriegen das schon irgendwie hin."

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Klang fast so, als hätte man es nicht mit einem neuen Sportdirektor, sondern mit einem reparaturbedürftigen Fahrzeug zu tun. Keine Frage - Schlaudraff wird zur Zeit Stück für Stück demontiert. Wie lange unter diesen Umständen eine Weiterführung der Zusammenarbeit überhaupt möglich geschweige denn sinnvoll ist, sollten alle Beteiligten nachdrücklich hinterfragen.