Amine Harit hat über die letzten zwölf Monate gesehen eine enorme Wende vollziehen können. Vom Symbol des Schalker Niedergangs zum Hoffnungs- und Leistungsträger inmitten des bisherigen Aufschwungs. Das verdankt er vor allem ​Schalke-Trainer David Wagner, wie er betont - durch einen eigentlich geplanten Verkauf wäre es jedoch fast nicht so weit gekommen.


Auf dem Platz kann Amine Harit wieder regelmäßig starke Leistungen zeigen und seiner Mannschaft unter die Arme greifen. Abseits des Platzes hat sich der Marokkaner ebenfalls wieder gefangen - den schrecklichen Unfall im Sommer 2018 habe er weitestgehend hinter sich lassen können, durch das Vertrauen, seine Familie und durch die Geburt seiner Tochter habe er sich wieder aufrichten können. 


Amine Harit in der Bundesliga-Hinrunde 2019/20

EinsätzeTore​VorlagenSpielminuten​
​17​6​4​1472


Teil des Harit-Aufschwungs: "Die neue sportliche Führung" - Wagner sei "der beste" für ihn


"Die neue sportliche Führung um David Wagner und Jochen Schneider hat mir sehr geholfen und stand immer hinter mir. Ich sage es ganz offen: Der Trainer ist der beste für mich", erklärte Harit im Interview mit der Sportbild. Wagner hat er sehr viel zu verdanken, das weiß und betont er auch immer wieder, denn er hat den 22-Jährigen "wieder nach oben gebracht". Das sei vor allem dank eines "speziellen und engen Verhältnisses" möglich. Auf der einen Seite habe der Trainer viel harte Arbeit gefordert, auf der anderen Seite gebe er dem Spielmacher in den Spielen wichtige Freiräume. Das weiß er zu schätzen: "Ich bin David Wagner wirklich zu tausend Dank verpflichtet."

Amine Harit,Benito Raman


Auch die noch vor Weihnachten bekannt gegebene langfristige und vorzeitige Vertragsverlängerung bis 2024 habe damit zu tun. Vor allem aber auch mit Königsblau selbst, wie Harit offen erklärt: "Ich liebe Schalke!" Schließlich spiele er für "einen ganz großen Klub in Deutschland", spüre zudem "große Rückendeckung".


"Warum sollte ich dann gehen?", fragte er rhetorisch. Da sich seine Familie um Gelsenkirchen herum auch sehr wohl fühle, und weil er den Verantwortlichen und den Fans etwas habe zurückgeben wollen, sei die Vertragsverlängerung der logische Schritt gewesen. "Wenn nur das Geld für mich zählen würde, hätte ich meinen Vertrag hier nicht vorzeitig verlängern dürfen", verriet er.


Heidel plante Harit-Verkauf - Verbleib war "die richtige Entscheidung"


Beinahe hätte es jedoch gar nicht zu der nun offenbar vollzogenen Wende kommen können. Auf Nachfrage gab er zu, dass man ihn während der letzten Winterpause habe verkaufen wollen: "Christian Heidel sprach von Problemen, er sagte zu mir: 'Amine, wenn du eine Möglichkeit hast [...], dann ist es kein Problem für uns'. Aber es gab keine gute Alternative."


Dementsprechend entschied er sich für den Verbleib. "Was die richtige Entscheidung war", kann er im Nachhinein festhalten. Für Schalke möchte er noch zahlreiche Spiele absolvieren und die Fans glücklich machen, sogar eine eigene, kleine Ära prägen: "Ich möchte, dass dann [wenn er den Verein verlässt] jeder sagt: Amine Harit war ein großer Spieler für Schalke."

Amine Harit


Für diese Saison hat sich Harit noch viel vorgenommen, auch wenn er bescheiden bleibt und noch immer daran erinnert, aus was für einer Saison man gekommen ist. Dass man am Ende der Saison vor dem Erzrivalen ​Borussia Dortmund stehen könne, wolle er nicht ausschließen. Schließlich habe man nicht nur eine gute Punkte-Ausbeute - man habe sich auch insgesamt verbessern können, "auch was den Spielstil angeht". 


Über die Rückrunde seien die internationalen Plätze durchaus ein Ziel: "Wir werden alles dafür tun, um am Ende auf einem davon zu stehen." Die Meisterschaft sei zwar natürlich kein direktes Ziel, trotzdem merkte er noch an: "Wenn du im Fußball keine Träume hast, dann brauchst du nicht zu spielen."