Ende Oktober 2017 gingen der ​1. FC Köln und ​Jörg Schmadtke getrennte Wege. Nach schwierigen Wochen, in denen die Domstädter sportlich auf ganzer Linie enttäuscht hatten, und einigen Unruhen im Verein, trat der Sportchef zurück. Mit dem ​VfL Wolfsburg kehrt der 55-Jährige am kommenden Samstag erstmals an seine alte Wirkungsstätte zurück, wo Schmadtke ein großes strukturelles Problem sieht.


Im Gespräch mit dem Bonner General-Anzeiger zog der Wolfsburger Geschäftsführer unter seine Zeit bei den Geißböcken ein durchaus positives Fazit. "Bei mir ist hängengeblieben, dass während meiner Zeit in Köln Ziele größtenteils erfüllt oder sogar übererfüllt wurden", erklärte Schmadtke. "In der Wahrnehmung des Umfelds in der Stadt allerdings ging es letztlich nur um die letzten vier Monate. Das kann ich nicht ändern." 


Der gebürtige Düsseldorfer hatte es während seiner über vierjährigen Amtszeit und zusammen mit Cheftrainer Peter Stöger geschafft, den Effzeh in ruhiges Fahrwasser zu führen und den Klub Schritt für Schritt wieder in der ​1. Bundesliga zu etablieren. Nachdem sich die Domstädter in der Saison 2016/17 als Fünfter für die Europa League qualifiziert hatten, folgte der sportliche Absturz, für den viele Schmadtke und seine Transferpolitik verantwortlich gemacht haben. Der Sportchef musste sich vor allem immer wieder Kritik gefallen lassen, dass er keinen adäquaten Ersatz für Anthony Modeste verpflichtet hatte.

Joerg Schmadtke

Heuerte im Juni 2018 beim VfL Wolfsburg an: Jörg Schmadtke



Auch nach dem Rücktritt von Schmadtke haben es die Klubbosse (trotz des Aufstiegs im letzten Jahr) nicht wirklich geschafft, im Verein für Ruhe zu sorgen. Rücktritte von Verantwortlichen und Trainerwechsel waren seither keine Seltenheit. "Die Hauptproblematik ist für mich, dass dem Club eine Struktur übergestülpt wurde, durch die keine Ruhe einkehren kann", sagte der ehemalige Sportchef. 


Beim 1. FC Köln "sitzt man mit einer relativ großen Öffentlichkeit am Tisch"


Aus der Sicht des 55-Jährigen sollte ein Verein kein demokratisch geführtes Unternehmen sein. "Es muss klar umrissene Aufgabengebiete geben, für die Leute zuständig sind, andere aber nicht. Wenn man sich daran hält, kann es funktionieren. Wenn die Gruppierungen möglichst klein sind, ist es umso besser", so der Ex-Profi. 


In Köln seien es jedoch relativ große Gruppen, "die informiert werden müssen und mitsprechen wollen. Da jeder dieser Teilnehmer für sich noch einmal eine Vernetzung in der Stadt hat, sitzt man mit einer relativ großen Öffentlichkeit am Tisch", betonte Schmadtke. Diese Konstellation erschwere die Führung eines Klubs ungemein. 


Beim VfL Wolfsburg "funktioniert alles einwandfrei"


"Solange es einigermaßen läuft, herrscht etwas mehr Gelassenheit. Da kann man auch manche Dinge weglächeln. In der Krise wird es schwierig mit dem Weglächeln", sagte Schmadtke, der den VfL Wolfsburg besser aufgestellt sieht. "Da gibt es einen Aufsichtsrat, der seiner Funktion beratend und kontrollierend nachkommt. Da funktioniert alles einwandfrei."


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