​Das nenn ich mal eine wirklich nachhaltige Jugend-Arbeit. Seit dem Jahr 1937 hat ​Manchester United 4.008 Spiele in Folge mit mindestens einem Spieler aus der eigenen Jugend bestritten. Das "Theater der Träume" ist somit über die Jahrzehnte immer mehr zum "Theater der Jugend" geworden. 


Begonnen hatte alles im Jahr 1931, als der Geschäftsmann James W. Gibson den Klub als Präsidenten übernahm. Gibson lebte damals schon im Stadtteil Old Trafford, und verfolgte zu dieser Zeit den Umzug des lokalen Fußball-Teams Manchester United FC in sein neues Stadion - sozusagen als Gibsons neue Nachbarn. Vier Jahre zuvor war Gibsons Vorgänger auf dem Präsidenten-Stuhl, John Henry Davies, gestorben. Der Klub war mittlerweile zu einer echten Fahrstuhl-Mannschaft zwischen erster und zweiter Liga verkommen. 


Gibsons Traum: Ein Team nur aus Nachwuchsspielern


Und trotz der finanziellen Anstrengungen Gibsons, der während der Großen Depression viel Geld in den Klub steckte, änderte sich dieses sportliche Panorama auch in den ersten Jahren seiner Amtszeit nicht wesentlich. 


Einem Aufstieg folgte mit (un-)schöner Regelmäßigkeit der Abstieg. Doch Gibson ließ sich von allen Widrigkeiten nicht beirren. Sein Traum war es, ein Fußballteam nur aus eigenen Nachwuchsspielern zu formen.


Am 30. Oktober 1937 initiierten die beiden Jugendspieler Tom Manley und Jackie Walsall eine Philosophie, die bis heute anhält. Im März 1941 wurde das Stadion Old Trafford durch deutsche Luftangriffe zerstört. Gibson finanzierte den Wiederaufbau (der 1949 vollendet wurde) und gründete gleich danach die United Youth Academy, um die mit Manley und Walsall eingeleitete Jugendarbeit nunmehr auch auf eine nachhaltige Basis zu stellen. 


Zwar ging das Debüt der beiden Nachwuchskicker seinerzeit mit 0:1 gegen den FC Fulham verloren - doch an der Ausrichtung des Klubs und an seiner Fokussierung auf die eigene Jugendarbeit konnte das nichts mehr ändern.


Heute, gut 83 Jahre danach, kann der Klub die stolze Zahl von 4.008 (!) Spielen in Folge vorweisen, in denen immer mindestens ein Spieler aus dem eigenen Nachwuchs auf dem Platz stand. Die ersten berühmten Spieler dieser Kategorie waren sicherlich die Busby Babes, die Mitte der fünfziger Jahre begannen, auf sich aufmerksam zu machen. 


In Zeiten, als die Königlichen von Real Madrid auf Ewigkeiten unschlagbar schienen, erhoben sich die jungen Wilden der Red Devils zu einer Art Hoffnungsträger einer ganzen Generation von Fußball-Anhängern, denen die spanische Übermacht im Europapokal ein Dorn im Auge war.

In den Busby Babes schien Real endlich ein gleichrangiger Gegner erwachsen zu sein.


Spieler wie Duncan Edwards, Bill Foulkes, George Best, Bobby Charlton drohten tatsächlich, die Hegemonie der Madrilenen in Europa zu brechen. Bis zu jener Katastrophe von München-Riem, in der eine ganze Spielergeneration des Klubs dem Leben brutal entrissen wurden. 


Lange sollte es dauern, bis der Klub aus dem Norden Englands wieder eine vergleichbare Generation von Spielern zur Verfügung hatte. Die Rede ist, natürlich, von den Fergie Boys, der Class of '92 um David Beckham, Ryan Giggs, Nicky Butt, Paul Scholes und die Neville-Brüder. 

Rohdiamanten, die von der Trainer-Legende ​Sir Alex Ferguson geschliffen wurden.  


Neue Generation am Start


Und auch heuer machen wieder United-Talente von sich reden. Die Generation um ​Marcus Rashford, Brandon Williams, Mason Greenwood oder Scott McTominay schickt sich jetzt an, die Erfolge ihrer berühmten Vorgänger zu wiederholen.


Also - auf die nächsten 4.008 Spiele mit Jugendspielern "Made in Old Trafford".