Mit Eintracht Frankfurt statuiert erstmals ein Verein im deutschen Profifußball​ ein Exempel, welches zu weitereichenden Veränderungen führen könnte. ​Die SGE plant die Wiedereingliederung der eigenen U23. Die Rückkehr einer zweiten Mannschaft ist in Deutschland so gut wie einmalig und gestaltet sich als schwierig. Gäbe es nicht eine einfachere Lösung?


Nachdem 2014 in Deutschland beschlossen wurde, die Fußballklubs von der Pflicht zu befreien, eine zweite Mannschaft anmelden zu müssen, zogen einige Profiklubs ihre jeweiligen Reservemannschaften vom Spielbetrieb ab. Bei den Bundesligateams sind dies etwas ​RB Leipzig​Bayer 04 Leverkusen und eben ​Eintracht Frankfurt. Der letztgenannte Klub versucht nun allerdings wieder, eine eigene U23 aufzustellen, um der eigenen Jungend den Sprung in den Profibereich zu ermöglichen.


Abmeldung der U23 für die SGE mit negativen Folgen


Als zu groß stellt sich der Abstand zwischen der noch bestehenden U19 und der ersten Mannschaft der Eintracht heraus - nicht ohne Grund blieb die Mehrheit der Profiklubs dem aktuellen System treu und hielt an den Reservemannschaften fest. Dass die Abmeldung einer U23 einfach, die Anmeldung allerdings umso schwieriger ist, zeigt sich durch die aktuellen Bemühungen Frankfurts.


Der Plan der SGE bringt das Thema um die U23-Amateure wieder in den Vordergrund, nicht erst seit heute wird über das System der zweiten Mannschaften hitzig diskutiert. Die zweiten Vertretungen der Spitzenklubs sind inzwischen fest in den unteren Ligen verankert, von der dritten Liga bis ganz nach unten tummeln sich diverse Reserven.


Besonders die Traditionsvereine kritisieren die U23-Mannschaften vehement. Von Wettbewerbsverzerrung bis hin zu Startplatzklau ist hier die Rede. Aus der Luft gegriffen sind diese Beschuldigungen nicht, immer mal wieder erregen die Zweitvertretungen für Aufsehen, etwa wenn sie einem etablierten Klub den Aufstiegsrang klauen, obwohl das sportliche Abschneiden der Reserve sowieso nebensächlich und begrenzt sind. 


Kritiker hinterfragen Sinn des gemeinsamen Ligabetriebes


Auch als El Dorado der Spielpraxis für verletzte Profis der ersten Mannschaft werden die Vertretungen genutzt. So kommt es vor, dass in den unteren Liga in manch einer Partie auf einmal der eine oder andere Bundesligaspieler auf dem Platz steht. Für die jeweiligen Gegner ist dies meistens ein Nachteil.


Die Profiklubs begründen ihr Festhalten an der U23 mit der Möglichkeit, der eigenen Jugend Spielrhythmus auf einem möglichst hohen Niveau zu geben. So soll der Übergang in die ​erste und ​zweite Bundesliga vereinfacht und die eigene Jugendarbeit effektiver gefördert werden.


Kritiker bemängeln schon lange, dass eine Reservemannschaft diese Forderungen nicht immer erfüllt. Für die 3. Liga mag dieses Anforderungsprofil vielleicht stimmen, doch nur ein Bruchteil der deutschen Amateure spielt in Deutschlands dritthöchsten Liga. Aktuell ist es lediglich die Zweitvertretung vom ​FC Bayern München.


Die sportlichen Differenzen sind ab der vierten Liga im Vergleich mit den oberen Spielklassen teilweise eklatant. Der sportliche und fördernde Sinn wird hierbei hinterfragt, zumal die Amateurspiele für die meisten Zuschauer sowieso eher uninteressant sind.


Was wäre also eine Lösung, die alle Partien zufriedenstellen könnte? Die Profiklubs fordern Spielpraxis auf annehmbaren Niveau, die niedrigeren Vereine wollen am liebsten U23-freie Ligen.


Ebenso wie bis zur U19 hoch könnte man auch für die U23 ein unabhängiges Liga-System gründen. In diesem Fall würden die Reservemannschaften aus dem bisherigen Ligaalltag herausgenommen werden und in einem externen Wettbewerb spielen. Das Niveau würde sich dadurch auf Ebene der Amateure einpendeln, der sportliche Wettbewerb innerhalb der Reserveliga steigen. Die Meisterschaften der U17 und U19 genießen in Deutschland ein hohes Prestige, warum dann also nicht auch die U23?


Die Umsetzung dieser Idee, die wahrscheinlich so alt ist wie die gesamte Diskussion an sich, wäre natürlich nicht besonders einfach. Das fängt beim Aufbau des Ligensystems an und hört bei der Aufteilung der unzähligen Reservemannschaften auf. Dennoch wäre dieses System eine Chance, um zum einem beim U23-Schnellkochtopf Druck abzulassen und zum anderen langfristig ein funktionierendes Konzept zu etablieren.


Sowieso muss Deutschland dringend in die eigene Jungend investieren. Das unabhängige Ligasystem wäre eine gute Chance, einen wichtigen Schritt in die richtige Richtung zu leisten.