​Der ​VfB Stuttgart will sich nach enttäuschenden Leistungen gegen Ende des Vorjahres in der Rückrunde wieder von seiner Schokoladenseite präsentieren. Als Architekt des Aufschwungs soll dabei ​​Pellegrino Matarazzo fungieren. Ein Aufgabenfeld des neuen Cheftrainers ist dabei das Ausarbeiten einer stabileren Defensive. Gleich mehrere Faktoren erschweren jedoch diese Mission.


Wie nach jedem Trainerwechsel werden auch beim VfB aktuell die Karten neu gemischt. Spieler, die unter Ex-Trainer Tim Walter kaum eine Rolle gespielt hatten, könnten nun aus der Versenkung geholt werden und auch festgefahrene Ansichten bezüglich der systematischen Anordnung der Hintermannschaft können neu gedacht werden. Matarazzo kündigte dabei unlängst an, dass er sich ​auch eine defensive Dreierkette prinzipiell durchaus vorstellen könnte.


Keine beruhigende Personaldecke


Für eine Abkehr von einer Viererkette benötigen die Stuttgarter aber drei gelernte Innenverteidiger, die gut aufeinander abgestimmt sind. Umso bitterer, dass sich mit Holger Badstuber zuletzt eine wichtige Säule der Stuttgarter im Rahmen des Trainingslagers in Spanien einen ​Muskelfaserriss im Adduktorenbereich zugezogen hat und voraussichtlich für rund einen Monat - und somit auch für die ersten beiden Pflichtspiele im neuen Jahr - ausfallen wird. 

Holger Badstuber

Neben Badstuber wird mit Marcin Kaminski zudem ein weiterer potenzieller Stammspieler erst im späteren Verlauf der Rückrunde wieder eine Option werden können. Die Last auf den Schultern von Kapitän Marc Oliver Kempf wird angesichts dieser prominenten Ausfälle enorm sein, zumal sich die beiden jungen Abwehrspieler Maxime Awoudja und Nathaniel Phillips in der Hinrunde nicht gerade mit Ruhm bekleckert hatten und Philipps aufgrund einer ​zwischenzeitlichen Rückholaktion seines Stammklubs FC Liverpool einige Trainingseinheiten mit dem neuen VfB-Coach verpasst hat.


Obwohl die Defensive der Stuttgarter selbst in Idealbesetzung im Laufe der Hinrunde viel Luft nach oben offenbart hatte, will Kaderplaner Sven Mislintat dem Vernehmen nach in diesem Winter auf Neuverpflichtungen für die Defensive verzichten. Diese Entscheidung birgt aber definitiv Risiken, könnten weitere Ausfälle - vor allem von Kempf - die Mission sofortiger Wiederaufstieg doch enorm gefährden. Als nicht gerade förderlich für die defensive Stabilität könnte sich zudem die Trennung von Santiago Ascacibar erweisen, der sich ab dem kommenden Wochenende im Trikot von Hertha BSC mit Feuereifer in jeden Zweikampf werfen wird.


Chance für Luca Mack?


Sollte es noch zu weiteren Wehwehchen innerhalb der VfB-Defensive kommen, wären die Stuttgarter Verantwortlichen rund um Matarazzo fast schon dazu gezwungen, aus der Not eine Tugend zu machen und auf ein aussichtsreiches Talent aus dem eigenen Nachwuchs zu setzen. Die Rede ist dabei von Luka Mack. Der 19-jährige Innenverteidiger war bereits unter Walter zu Saisonbeginn ganz nah dran an der Profimannschaft, wurde dann aber von einer schweren Sprunggelenksverletzung ausgebremst. Mittlerweile ist der Youngster aber wieder einsatzfähig und gehört dem VfB-Kader für das Trainingslager an. 

Luca Mack

Dabei kann Mack den Vorteil ins Feld führen, dass er sich auch im defensiven Mittelfeld heimisch fühlt. Auf den Posten des Innenverteidigers festgelegt, aber aufgrund der angespannten Lage in der VfB-Defensive ebenfalls mit guten Karten ausgestattet, ist Antonis Aidonis. Im Gegensatz zu Mack durfte der 18-jährige in der Saison 2018/19 bereits Erstligaluft schnuppern. Da Matarazzo als ausgewiesener Experte des deutschen Nachwuchsfußballs gilt, dürfte er die beiden bereits vor seiner Amtsübernahme im Stuttgart im Auge gehabt haben. 


Spannend zu beobachten wird zudem sein, für welche Außenverteidiger sich der neue Coach entscheiden wird. Je nach taktischer Überlegung, könnte dabei auch der offensivdenkende ​Winter-Neuzugang Darko Churlinov seinen Hut in den Ring werfen und Druck machen auf Borna Sosa und Pascal Stenzel. Mit Emiliano Insua hat den VfB schließlich zu allem Überfluss auch ein gelernter Außenverteidiger verlassen.