​Der ​VfB Stuttgart hat sich in der Wintertransferperiode trotz des Verkaufs von Santiago Ascacibar in Sachen Neuzugänge bislang vornehm zurückgehalten und beließ es bis dato bei der ​Verpflichtung von Darko Churlinov. Grund genug, um den 19-jährigen Flügelspezialisten etwas genauer unter die Lupe zu nehmen und sich der Frage zu nähern, ob sich der Transfer bereits im Laufe der Rückrunde für den VfB positiv bemerkbar machen könnte.


Für Churlinov bedeutet der Wechsel zum VfB trotz seines jugendlichen Alters einen Neuanfang. Bei seinem Ex-Klub ​1. FC Köln, für den der Youngster seit dem Sommer 2016 zunächst in der U19 auf Torejagd gegangen war, hatte sich der ehrgeizige Außenbahnspieler zuletzt kaum Chancen auf einen Durchbruch ausgerechnet und sich daher gegen eine Vertragsverlängerung entschieden. Zwar schnupperte Churlinov beim Effzeh immer wieder am Profiteam, mehr als ein einziges Pflichtspiel am 1. Spieltag der aktuellen Saison gegen den VfL Wolfsburg kam schlussendlich aber nie zustande.


Churlinov ist auf mehreren Positionen einsetzbar


Um Churlinov zumindest halbwegs regelmäßige Einsatzzeiten zu ermöglichen, durfte er in der Hinrunde neun Mal in der zweiten Mannschaft der Kölner aushelfen. Dabei wurde der Youngster stets auf dem linken Flügel eingesetzt und legte mit sechs Treffern und zwei Torvorlagen in neun Spielen der Regionalliga West durchaus überzeugende Werte auf. 


Selbst der optimistischste VfB-Fan sollte sich aber darüber im Klaren sein, dass diese Statistik nicht einfach so auf die deutlich stärkere ​2. Bundesliga zu übertragen ist.

Darko Churlinov

Wie die Führungsspitze der Schwaben rund um Sportdirektor Sven Mislintat im Rahmen der Verkündung des Neuzugangs wiederholt unterstrichen hat, gehört zu den Stärken des Angreifers neben seiner Abschlussstärke und Geschwindigkeit vor allem seine Flexibilität. So fühlt sich der Nordmazedonier auch auf der rechte Seite wohl und ist nach Ansicht der VfB-Verantwortlichen sogar eine ernsthafte Option für eine defensivere Position.


Unter Umständen könnte Churlinov daher zumindest mittelfristig auch eine lukrative Besetzung für eine Außenverteidigerposition sein; sowohl Borna Sosa als auch Pascal Stenzel offenbarten in der Hinrunde schließlich noch einige Mängel. Während sich Sosa häufig defensiv düpieren ließ, strahlte Stenzel schon allein aufgrund seiner Tempodefizite offensiv kaum Gefahr aus. Ob Churlinov für den VfB bereits in den kommenden Spielen zu einer echten Option werden kann, hängt aber maßgeblich von den taktischen Überlegungen des neuen Cheftrainers ​Pellegrino Matarazzo ab. Sollte sich der neue Chefcoach im Ländle einem effektiveren Flügelspiel annehmen, könnte die Stunde von Churlinov schneller als bislang vermutet schlagen.


Leise Zweifel an der Teamfähigkeit


Im Zuge der Verpflichtung umgab Churlinov zuletzt ein eher zweifelhaftes Image. Viele, die es mit dem Effzeh halten, bezeichnen den Rechtsfuß als ziemlich abgehoben und sind auch auf dessen Berater alles andere als gut zu sprechen. Andere Stimmen aus dem Umfeld des Geißbockheims dementieren diese Unterstellungen jedoch und verteidigen die gekränkten Eitelkeiten des nicht immer einfach zu handelnden Spielers. Einig sind sich beide Parteien hingegen, wenn es um das Potenzial des Neu-Stuttgarters geht. Nicht von ungefähr sollen sich schließlich auch Bundesligisten wie der ​FC Schalke 04 intensiv mit dem Außenbahnspieler beschäftigt haben.


Das Spielerprofil von Darko Churlinov:

​PositionLA​
​Alter​19
​Nationalität​nordmazedonisch
U21-​Länderspiele​5
​Marktwert​400.000 Euro
​Vertragslaufzeit​30.06.2024

(Marktwert laut transfermarkt.de)


Bleibt also festzuhalten, dass die Stuttgarter im Umgang mit Churlinov ein gutes Fingerspitzengefühl an den Tag legen sollten. Von Einsatzgarantien jeglicher Art kann und darf bei einem ambitionierten Klub wie dem VfB zwar keine Rede sein, dennoch täte der VfB gut daran, seinen Neuzugang mit der einen oder anderen Bewährungschance bei der Stange zu halten. Mit ausreichend Selbstvertrauen im Rücken könnte Churlinov so durchaus bereits in der Rückrunde zu einer Verstärkung werden, auch wenn von ihm in den kommenden Jahren bis zu seinem aktuellen Vertragsende 2024 noch deutlich mehr zu erwarten sein wird. 


Auch Churlinov dürfte alles in seiner Macht stehende unternehmen, um sein ramponiertes Image aufzupolieren. Mit seinem Wechsel zum VfB könnte er dabei die richtige Weichenstellung eingeleitet haben, gilt das Team der Schwaben doch bislang als sehr kommunikativ und offen. Da im vergangenen Sommer zudem fast der ganze Kader der Stuttgarter auf den Kopf gestellt worden war, haben sich auch noch keine verkrusteten Hierarchien ausgebildet - vor allem auf Churlinovs favorisierten Positionen.


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