Beim FC Liverpool ist Andrew Robertson zu einem der besten Linksverteidiger der Welt gereift. Gegenüber unseren englischen Kollegen von ​90min.com sprach der Schotte über seine Vergangenheit, den Wechsel nach Liverpool und welchen Einfluss Jürgen Klopp auf seine Entwicklung hatte.


Es war der Sommer 2017, als Andrew Robertson erstmals das Trainingsgelände in Melwood betrat. Für umgerechnet etwa neun Millionen Euro verpflichtete Liverpool den Linksverteidiger von ​Premier-League-Absteiger Hull City, den sie in der Vorsaison aufmerksam beobachtet hatten. ​


Liverpool, so Robertson, habe bereits nach dem Aufstieg der Tigers Interesse gezeigt, das Risiko war ihnen zum damaligen Zeitpunkt aber noch zu groß: "Es gab Gerüchte, als wir gerade von der Championship aufgestiegen waren. Natürlich habe ich meinen Berater sofort gefragt, ob da etwas dran ist. Es gab Kontakt, aber sie waren nicht bereit. Sie wollten mich für eine Saison in der Premier League sehen." 

Nach einem Jahr, in dem seine Geduld auf die Probe gestellt wurde, und zähen Verhandlungen war er endlich beim Traditionsverein angekommen, der Start verlief allerdings nicht wie gewünscht: "Die ersten Monate waren schwer für mich, ich habe nicht gespielt und musste meine Einstellung ändern. Ich habe die Spieler noch immer als Gegner und nicht als Kollegen gesehen, damit hatte ich die meisten Schwierigkeiten."


Womöglich war es eine alte Angewohnheit. Robertson musste sich in jungen Jahren in den Profi-Bereich arbeiten, spielte vor seinem Wechsel zu Dundee United noch für den schottischen Amateurverein Queen's Park. "Jeder Spieler dort arbeitet noch. Ich kam gerade aus der Schule und habe ein Jahr Pause gemacht, um mein Ziel zu erreichen."

Andrew Robertson

Er selbst habe als Kartenverkäufer Geld verdient, nebenbei aber immer seinen Traum vom Profifußball verfolgen dürfen. "Zum Glück hatte ich Leute, die meine Situation verstanden haben und mir die Zeit gegeben haben, um Spiele zu spielen", so Robertson, "ich weiß, wie es damals war. Wann immer ich das Gefühl habe, dass die Dinge schwerer werden, blicke ich auf diese Momente zurück sage mir 'Du hast einen langen Weg hinter dir und dein Leben ist momentan richtig gut.'"


Robertson schwärmt von "Vaterfigur" Klopp


Mit der Zeit konnte er sich in Liverpool steigern, nach 30 Pflichtspielen in der Saison 2017/18 stand er im Folgejahr 48 Mal auf dem Platz. Jürgen Klopp formte ihn zu einem der besten Linksverteidiger der Welt, allein in der Premier League lieferte er elf Assists. In der laufenden Saison steht er nach 20 Ligaspielen bereits bei sechs Vorlagen, seine Bestmarke hat er fest im Blick. 


"Manche Trainer verstellen sich vor den Kameras, aber bei ihm kriegst du, was du siehst", schwärmt Robertson von Klopp. "Er hüpft über den Trainingsplatz, jeden Tag gibt er dir eine Umarmung. Ich denke, viele Leute sagen, er ist eine Vaterfigur in Melwood. Er ist fantastisch, sein ganzer Staff ist fantastisch. Vor den Spielen sagt er immer, wenn wir 99 Prozent geben, werden wir geschlagen, wenn wir 100 Prozent geben, werden wir gewinnen. Er gibt im Leben immer 100 Prozent, in allem was er tut."

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Mit Klopp ist der Erfolg nach Liverpool zurückgekehrt. Nach dem Triumph in der ​Königsklasse nehmen die Reds aktuell Kurs auf die erste Meisterschaft seit 1990, der Vorsprung auf Leicester City beträgt bei einem Spiel weniger sagenhafte 13 Punkte. Seit über einem Jahr hat Liverpool kein Premier-League-Spiel verloren, in dieser Saison erst zwei Punkte abgegeben. 


"Es ist großartig, ein Teil davon zu sein"


Eine große Hilfe sei auch die Unterstützung der Fans, sagt Robertson: "Ich denke, das ist wahrscheinlich eine der meist geliebten Liverpool-Mannschaften seit langem und es ist großartig, ein Teil davon zu sein. Wenn du auf die Straße gehst, spürst du die Liebe von ihnen (die Fans, Anm. d. Red.). […] Die Leute sehen, dass wir normale Menschen sind, die einen Traum leben." 

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