Die Personalplanung ist auch in dieser Transferperiode ein kontrovers diskutiertes Thema beim ​FC Bayern. Noch wurde kein Neuzugang präsentiert, nach Hans-Dieter Flick schlägt aber auch Thomas Müller Alarm. In Anbetracht der Verletzungssorgen wären Transfers sinnvoll - diese würden aber den eigentlichen Plan durchkreuzen.


Von 22 Feldspielern fehlen derzeit fünf verletzungsbedingt. Neben Niklas Süle und Lucas Hernandez müssen auch Javi Martinez, Kingsley Coman und neuerdings Serge Gnabry passen. Auf den Außenbahnen bleiben den Münchnern somit nur noch Ivan Perisic, Philippe Coutinho und Thomas Müller. Während Perisic nur mäßig überzeugt, sind Coutinho und Müller eigentlich in der Zentrale zuhause und fühlen sich dort deutlich wohler. 


Kein Wunder, dass Flick den Wunsch nach Neuzugängen zum wiederholten Male äußert. "Die Personalsituation ist echt mau", hadert der Interimstrainer laut Sport Bild. Auch Müller beklagt die Verletztenliste, sagt mit Blick auf den Ausfall der Flügelzange: "Optimal ist es, so wie es jetzt ist, nicht." Quantitativ sei der Kader ausreichend, "aber wir sind aktuell auf manchen Positionen etwas ausgedünnt".

Nicht nur einmal forderte Flick einen Rechtsverteidiger, um die Probleme in der Innenverteidigung zu lösen; nun muss der 54-Jährige noch eine Lösung für die Flügel finden. Coman wird die Bundesligaspiele gegen ​Hertha BSC und ​Schalke 04 verpassen, wie lange Gnabry ausfallen wird, ist derzeit unklar - immerhin konnte eine vorzeitige Abreise aus dem Trainingslager abgewendet werden. 


Sparen für den Sommer: FC Bayern in der Zwickmühle


Bekundete Sportdirektor Hasan Salihamidzic vor einem Jahr noch lautstark Interesse an Callum Hudson-Odoi und verkündete die Verpflichtung von Benjamin Pavard, so gibt der Bosnier aktuell keine Antwort auf mögliche Transfers. Zu Alexander Nübel etwa ließ er verlauten, man werde sich zu gegebener Zeit äußern - wenige Stunden später erschien die offizielle Pressemitteilung, die das, was längst durchgesickert war, in Stein meißelte. 


Hier und da tauchen Gerüchte über mögliche Leihgeschäfte auf, es fallen Namen wie Joao Cancelo oder ​Wilfried Zaha. Beide Personalien sollen jedoch nur langfristig zu haben sein.

Der Fokus der Verantwortlichen liegt auf dem Sommer, in dem die große Transferoffensive erfolgen soll. Sie träumen von Leroy Sané und Kai Havertz, beide Spieler werden jeweils mit Ablösesummen im dreistelligen Bereich beziffert. Im Januar soll das große Geld dagegen auf dem Festgeldkonto bleiben, um nicht in eine Bredouille zu geraten. Aus zweierlei Gründen erschließt sich daraus ein Problem, das die gesamte Winter-Transferperiode begleiten dürfte.


Gesucht werden langfristige Lösungen, Transfers mit Weitsicht. Die Spieler hat man bereits ausgemacht, bloß sind sie entweder nicht zu haben oder keine sofortige Verstärkung. Sané dürfte erst im Februar wieder auf den Platz zurückkehren, Havertz wird den Rest der Saison bei ​Bayer Leverkusen verbringen. Für den Rechtsverteidiger-Posten kursieren in den Medien viele Namen, doch auch hier kommt nur eine Leihe in Frage - so wie bei den Transfers von Ivan Perisic und Philippe Coutinho. 


Werden die Pläne des FC Bayern über Bord geworfen?


Bei den Verantwortlichen besteht offenbar die Hoffnung, dass sich die Kadersituation zügig entspannen wird - doch was, wenn sie noch länger angespannt bleibt? Vor einigen Jahren war auch die Ersatzbank in München prunkvoll besetzt, nun finden sich dort immer häufiger Nachwuchsspieler wieder. Dass junge Talente bei den Profis reinschnuppern dürfen, ist alles andere als verwerflich - nur ist ​die Jagd nach allen drei Titeln utopisch, wenn die Qualität in der Breite fehlt. 


Wenn allerdings wegen der Planungen für den Sommer nur Leihspieler gesucht werden, dürfte sich die Suche schwierig gestalten. Die Klubführung, mittlerweile verstärkt von Oliver Kahn, steht vor einem Scheideweg. Sie wird sich genau überlegen müssen, ob der bisherige Weg den Erfolg bringen wird - oder ob nicht doch schon im Januar die Transferoffensive eingeläutet werden sollte. Stand jetzt gehen die Bayern mit nur einem gesunden Flügelspieler in die Rückrunde. Den Ansprüchen kann diese Situation nicht genügen.


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