​Dass die nächste Fußballweltmeisterschaft 2022 in Katar für erhebliche organisatorische Schwierigkeiten sorgen wird, ist seit der Vergabe des Großereignisses vor gut neun Jahren hinlänglich bekannt. Denn zum ersten Mal wird eine WM nicht zwischen Juni und Juli stattfinden, sondern im Dezember. Das sorgt vor allem bei den Liga-Planern für Kopfzerbrechen. Jetzt kam vonseiten des DFL-Chefs Christian Seifert der Vorschlag auf, zumindest den Betrieb der 2. Liga auch während des WM-Turniers aufrechtzuerhalten. 


Im Interview mit der Bild am Sonntag benannte Seifert das Problem: "Die Klubs müssen ihre Spieler voll bezahlen, haben aber während der Abstellungsperiode fünf Wochen lang keine Spieltags-Einnahmen und keinen Spielrhythmus - dann geht es direkt in die dreiwöchige Winterpause. Viele haben keine Nationalspieler, die bei der WM dabei sind, geschweige denn in der Schlussphase. Was sollen die Klubs mit ihren Spielern, die nach den ersten 17 Spieltagen voll im Saft stehen, in dieser Zeit machen?" Eine durchaus berechtige Frage. 


Zweite Liga während der WM? Nicht alle sind davon überzeugt


Mögliche Lösung: Die Zweite Liga spielt parallel zur Weltmeisterschaft. Von diversen Vertretern im Unterhaus gab es dazu auch schon eine Reaktion. So fand HSV-Trainer Dieter Hecking zwar lobende Worte dafür, dass sich über die abzeichnende Problematik überhaupt Gedanken gemacht werden. Doch gleichzeitig erinnerte er auch daran, dass mittlerweile auch viele Zweitligisten (wie der von ihm trainierte HSV) Nationalspieler in ihren Reihen haben


Dem wiederum hält der Geschäftsführer des VfL Bochum, Ilja Kaenzig, entgegen: "Ein sehr diskutabler Vorschlag. Ich könnte mir gut vorstellen, dass dies für die 2. Liga in Frage kommt. Der mögliche Ausfall eines Spielers wiegt in meinen Augen nicht so schwer wie der Einnahmeverlust über rund zehn Wochen." Auch Stuttgarts Vorstandschef Thomas Hitzlsperger verweist auf die Präsenz von Nationalspielern in den Kadern der Zweiten Liga - nicht ohne jedoch auch die Option zu benennen, dass mit einem Zweitliga-Betrieb während des Weltturniers durchaus auch eine Alternative für WM-müde Fans geschaffen werden könnte. 

"Für die Attraktivität der 2. Liga könnte es aber interessant sein", sagte der frühere Nationalspieler. "Möglich, dass es deutsche Fußball-Fans gibt, die sich für eine WM in Katar nicht so sehr interessieren und froh sind, wenn sie Liga-Alltag haben. Es gibt durchaus Spiele bei einer WM, die man nicht sehen muss. Und wenn’s stattdessen ein super Zweitliga-Spiel gibt, geht man vielleicht lieber ins Stadion."


Befürchtungen über mangelnde Aufmerksamkeit für die Zweite Liga


Oliver Kreuzer hingegen hält von der Option der Zweigleisigkeit von WM und Zweiter Liga gar nichts: "Ich glaube nicht, dass Zweitligisten mit Nationalspielern im Kader das mitmachen würden. Dazu würden die Spiele im Schatten der WM vermutlich untergehen."


Schon an dieser Disparität der Einschätzungen von seiten der direkt Beteiligten lässt sich ablesen, dass noch viel und intensiv verhandelt werden muss, bis eine für alle befriedigende Regelung getroffen ist. In jedem Fall verdeutlicht diese Debatte nochmals eindringlich, vor welche Probleme die FIFA mit ihrer Entscheidung pro Katar die Vereine dieser Welt gestellt hat.