Beim ​SV Werder Bremen lief in dieser Hinrunde schon einiges schief. Die winterliche Krise bei den Norddeutschen hat mehrere Gründe, einschneidend war vor allem die lange Verletztenmisere. Frank Baumann suchte während der vergangenen Wochen nach Lösungen und reflektiert einige Rückschläge im Trainingslager auf Mallorca.


Bremens Ausfallliste grenzte zwischenzeitlich an einen Rekord. Ganze elf Stammspieler waren ​zur selben Zeit verletzt, immer wieder mussten einige Akteure aufgrund von Blessuren kürzer treten. In der vergangenen Saison gab es dagegen kaum Probleme mit großen Ausfällen, am Personal oder der Belastungssteuerung dürften die schwerwiegenden Rückschläge also nicht festzumachen sein.


Sportchef Frank Baumann meint trotzdem, einige Gründe zu kennen. Demnach riskierten einige Profis zu viel und wollten die kriselnde Mannschaft nicht im Stich lassen. "Vieles hat auch mit Über-Ehrgeiz zu tun. Vielleicht hatten wir eine zu brave Mannschaft, die nicht rechtzeitig zum Trainer gegangen ist und gesagt hat: Vielleicht mal einen halben Tag mehr Regeneration und insgesamt weniger machen", so der 44-Jährige in der Bild.


Baumann wünscht sich intensiveren Kontakt zu den Spielern


Die Beziehung zwischen der Mannschaft und den Betreuern sei gut gewesen, doch der große Respekt untereinander habe einige Wahrheiten nicht ans Licht kommen lassen. Im vergangenen Jahr war Max Kruse ein hervorragendes Beispiel dafür, wie sich ein Profi in einer solchen Situation zu verhalten hat. Stets ging er zu den Ärzten und sprach sich mit den Verantwortlichen über die kommenden Wochen ab.


Selbiges fordert Baumann nun von den aktuellen Werderanern, dabei will er noch einen Schritt auf sie zu kommen: ​"In der Vorbereitung wollten sich manche Spieler nicht eingestehen, dass sie auch mal ein paar Tage raus müssen. Wir müssen die Spieler noch mehr schulen, um ein Gefühl für ihren Körper zu bekommen." Trotz der großen Erfahrung vieler Stars wie beispielsweise Ömer Toprak, erkannten die Bremer die Gefahr nicht rechtzeitig.

Niklas Moisander

Körperliche Probleme wie bei Niklas Moisander waren keine Seltenheit



"Der Austausch zwischen Spielern, Athletik-Trainern, Physios und Ärzten war nicht optimal, nicht genau genug. Die Spieler gingen so über einen Punkt, wodurch die Verletzungsgefahr erhöht wurde", so der langjährige Bremer. Ein Kommunikationsproblem war demnach der Hauptgrund für Werders Verletzungssorgen. Den berüchtigten schmalen Grat schien der Verein noch nicht gefunden zu haben.


In der Rückrunde soll die Mannschaft aus den gemachten Erfahrungen lernen und enger mit den Betreuern zusammenarbeiten. Unnötige Muskelverletzungen, die exemplarisch bei Niklas Moisander zu einem langen Ausfall führten, sollen damit verhindert werden. Generell sollte jeder Profi mehr auf seinen Körper hören und die Umstände in Betracht ziehen. 


Ohne Schuld sieht sich der Sportchef allerdings nicht. "Wir haben zu Beginn der Vorbereitung mehr gemacht als im letzten Jahr, um besser zu werden. Dann waren die Pausen wohl zu kurz..." Deswegen reagierte Baumann nun und ordnete für die Ärzte einen strikteren Zeitplan an, vor jeder Einheit sollen sich die Betreuer über Intensität und Auffälligkeiten austauschen. Gemeinsam will Werder gegen den Abstieg kämpfen, nun auch ohne Verletzungen.