Die Transferperiode der Winterpause hat gerade erst begonnen, da scheint der ​FC Schalke 04 mit offensiven Zugängen schon fertig zu sein - zumindest kann man dies den klaren Worten von Sportvorstand Jochen Schneider entnehmen. Somit geht man mit fünf potenziellen Stürmern in die Rückrunde. Verständlich, aber auch ein vermeintliches Risiko.


Am Freitag hatte man auf Schalke die drei Abgänge von Mark Uth, Steven Skrzybski und Fabian Reese bekannt gegeben. Während Uth per Leihe bis zum Sommer zum Heimatverein des ​1. FC Köln geht, wird Skrzybski mit anschließender Kaufoption an ​Fortuna Düsseldorf ausgeliehen. Fabian Reese hat man fest an ​Holstein Kiel verkauft. Drei Stürmer weniger.


Schneider: "Vorne machen wir nichts mehr"


Blickt man nun auf die nackten Zahlen, kann man leicht den Fehler begehen, und die Sturm-Situation des S04 falsch interpretieren. Ja, es sind drei Offensivspieler gegangen und nur einer - in Form von Michael Gregoritsch vom ​FC Augsburg - gekommen. Ja, Königsblau hatte über manche Teile der Hinrunde ein Problem mit zu wenigen Stürmertoren. Und trotzdem sind sowohl die Abgänge, als auch die darauffolgende Einschätzung Schneiders (gegenüber der WAZ) richtig: "Vorne machen wir nichts mehr. Wir haben ja fünf Stürmer."


Die Abgänge muss man zunächst genauer beleuchten. Fabian Reese spielte unter David Wagner, wie in den Jahren zuvor auch, keine Rolle auf Schalke. Ein Abgang war eigentlich die einzig logische Konsequenz. Steven Skrzybski bekam unter Wagner ebenfalls keine Chance, man hat bessere Alternativen zur Verfügung. Mark Uth hat sich seit seinem Wechsel zu Schalke vor anderthalb Jahren nie wirklich bei den Knappen einfinden können, unter anderem wegen häufiger Verletzungen. Aber auch in verletzungsfreien Phasen konnte er nie überzeugen. Dazu besitzt der Effzeh im Sommer keine Kaufoption und übernimmt laut der WAZ das komplette Gehalt Uths, womit man rund zwei Millionen Euro einsparen kann. Alles sinnvolle wie notwendige Maßnahmen. Man verbessert den Kader punktuell, schneidet ihn somit immer mehr auf die geplante Spielphilosophie zu.


Fünf Schalke-Stürmer für die Rückrunde


Nun scheint man mit den bereits angesprochenen fünf Stürmern in die Rückrunde zu gehen. Die offensichtlich feststehende Entscheidung dazu sehen die S04-Anhänger gespalten. Während die einen der Meinung sind, das sei qualitativ und auch quantitativ genug (zudem würde es Ahmed Kutucu näher in die Richtung von Einsatzzeiten bringen), fürchten die anderen das Risiko, man könne zu schnell in ein Verletzungsrisiko geraten und nicht genug Profis mit Stammspieler-Potenzial aufweisen können. 


Benito Raman scheint mittlerweile gesetzt zu sein. Der Belgier überzeugt sowohl im Pressing, als auch im Umschaltspiel sowie als Torschütze. Neuzugang Gregoritsch übernimmt quasi die Rolle von Uth als hängende Spitze. Dazu hat man mit Ahmed Kutucu, Rabbi Matondo und Guido Burgstaller drei weitere Spieler, die Wagner individuell einsetzen kann. Auch wenn Matondo und Kutucu unter Wagner bisher nicht als Stammspieler fungieren konnten, wird man in der zweiten Saisonhälfte vermehrt auf sie setzen (müssen). Es ist immer leicht gesagt, dass man noch einen Spieler holen müsse - dabei werden die Fragen, ob Spieler X Sinn ergeben würde, ob der Spieler wollen würde, ob man es sich finanziell erlauben kann, ob es langfristig sinnvoll erscheint, oftmals außen vor gelassen. Schneider und Wagner werden diese Situation einzuschätzen wissen. 

Ahmed Kutucu

Auf Ahmed Kutucu könnte mehr Spielpraxis in der Rückrunde warten



Fasst man diese Entscheidungen zusammen, so wirken sie ebenso schlüssig wie sinnvoll und logisch. Fünf Stürmer für (in der Regel) ein bis zwei Positionen wirken auch zahlenmäßig genug. Dazu konnte man durch die drei Abgänge Gehalt einsparen. Das etwaige Verletzungsrisiko ist natürlich ein Thema, das man zwar nicht unterschätzen, aber auch nicht in den Vordergrund stellen sollte. In der S04-Offensive wird man nun etwas zusammenrücken und sich im Konkurrenzkampf einen der begehrten Startplätze sichern wollen. Es wird spannend sein zu sehen, wer sich schon ​im Trainingslager das Vertrauen des Trainerteams erspielen kann.