Das erste Mal in seiner Geschichte konnte sich ​RB Leipzig den inoffiziellen und wertfreien Titel des Herbstmeisters erspielen. Trotz des ersten Platzes will Julian Nagelsmann noch nichts von der Meisterschaft am Ende der Saison wissen, immerhin sei man "noch nicht gut genug, um Meister zu werden".


Julian Nagelsmann gilt als eines der ganz großen Talente im Job des Fußballlehrers. Auch wenn er nach 161 Pflichtspielen als Trainer im Profibereich (via Transfermarkt) kein Neuling mehr ist, zählt er doch noch immer zu den "jungen Wilden", wie man die neue Generation von Coaches gerne bezeichnet. Im ersten Jahr bei RB Leipzig scheint die Meisterschaft möglich zu sein - auch weil sein Team durch seine Arbeit sehr konstant aufspielt.


Nagelsmann: Leipzig muss auch mal Bayern und Dortmund schlagen


"Aktuell sind wir noch nicht gut genug, um Meister zu werden," meint Nagelsmann im Interview mit der Bild. Schließlich müsse man sich noch entwickeln, um überhaupt diese Chance zu haben. Immerhin sei der erste Platz auch das Resultat anderer Vereine, die zuletzt "nicht die Performance haben, die sie haben könnten", womit sich er natürlich vor allem auf den ​FC Bayern und ​Borussia Dortmund bezieht. "Aber es wäre auch mal ratsam, wenn wir gegen die auch mal gewinnen, sonst wird es am Ende der Saison einfach schwer", weiß der 32-Jährige.


Auf den potenziell möglichen Titel des jüngsten Meistertrainers legt Nagelsmann jedoch keinen Wert, das Alter wäre in diesem Szenario "ein schöner Nebeneffekt und was für die Geschichtsbücher", aber ansonsten interessiere ihn dabei nur eins: "Allein der Meistertrainer bedeutet mir was."

Julian Nagelsmann

Beim Spiel in Dortmund hatte Nagelsmann lange Zeit nichts zu lachen



Bei RB Leipzig hat er es bereits in seiner ersten Hinrunde geschafft, ein ohnehin qualitativ starkes Team zu noch mehr Konstanz und Sicherheit zu führen. Dass man in der Winterpause - trotz einer vermeintlich kleinen Schwächephase in der ersten Hälfte der Saison - ganz oben steht, ist nicht mehr allzu verwunderlich. Das schafft der junge Coach auch, weil er im Team gerne die Spannung hochhält. Die Startelf erfahren seine Spieler "erst im Stadion in der Kabine", schließlich gäbe es gerade bei jüngeren Spielern die Gefahr, "dass sie abends etwas länger Fernsehen gucken, weil sie denken: 'Ach, ich spiele sowieso nicht'" - ein Effekt, auf den er verzichten möchte, auch wenn er betont, dies selbstredend keinem Spieler per se vorwerfen zu wollen. 


Auch die Ansprachen vor dem Spiel sind anders als bei vielen Trainern. Während es die Aufstellung erst dort gibt, wird der Matchplan bereits "zwei Tage vorher besprochen". So wisse jeder Akteur, was er im Fall einer Aufstellung zu tun habe. "Die Spieler kennen die Spielidee, die haben Bilder in der Kabine, [...] die haben animiert auf dem Handy, was sie machen sollen", erklärte er weiter. So bleiben meistens nur "ein paar emotionale Worte", mit denen er seine Jungs dann anschließend auf den Platz schickt - und bei einer ähnlich starken Rückrunde womöglich auch zum ersten großen Titel.