​Gerade eben habe ich in meinem Artikel über das​ Interesse des HSV an Felix Agu (VfL Osnabrück) noch geschrieben, dass ein Verbleib von Trainer ​Dieter Hecking im Falle des Nicht-Aufstiegs wohl eher unwahrscheinlich sei. Schon holt einen die Realität wieder ein. In diesem Fall aber zum Guten.


Denn entgegen der weitverbreiteten Ansicht kann sich Dieter Hecking einen Verbleib beim HSV auch dann vorstellen, wenn der angestrebte Aufstieg in die ​Bundesliga nicht erreicht wird. "Ich verrate Ihnen, dass ich es selbst in diesem Fall nicht ausschließen würde, über den Sommer hinaus zu bleiben", sagte Hecking unmissverständlich der Bild-Zeitung.


Nicht ohne diese im Prinzip gute Nachricht anschließend noch ein klein wenig zu relativieren: "Wenn es gewünscht wird und wenn vor allem weiterhin so gearbeitet wird, wie wir jetzt arbeiten."


Grundsätzlich spricht aus seinen Worten also Zufriedenheit darüber, wie sein erstes halbes Jahr beim HSV insgesamt gelaufen ist. Den vielen HSV-Fans, die in Hecking eine Person sehen, die den Klub auch nachhaltig in sportlich erfolgreichere Zeiten führen könnte, dürfte bei diesen Aussagen richtiggehend warm ums Herz geworden sein. 


Weg ist das Schreckensszenario, dass es aus irgendwelchen Gründen mit dem Aufstieg doch nicht klappt - und dann wieder alles von vorne beginnen muss. Beginnend mit der Suche nach einem neuen Trainer.


Keine Gefahr, zur lame duck zu werden


Auch mannschaftsintern könnte dieses Bekenntnis von Hecking zum HSV noch wertvoll werden. Kein Spieler, vor allem keiner von denen, die beim Trainer erstmal außen vor sind, wird sich im April oder Mai, wenn das große Ziel eventuell in immer größerer Ferne verschwindet, sich nach hinten lehnen können und denken: Ach, der ist ja eh im Mai weg. 


Kontinuität ist zwar kein Wert an sich. Man kann schließlich auch an schlecht Gemachtem lange festhalten. Doch meistens hilft ein kontinuierliches Arbeiten, um alle Mechanismen und Prozesse innerhalb eines Vereins (Mannschaft, Betreuung, Verantwortliche) minutiös aufeinander abzustimmen. 


Das sieht Hecking ganz offensichtlich genau so: "Wir haben hier jetzt etwas angefangen, arbeiten ein halbes Jahr zusammen - dieses halbe Jahr hat mich darin bestärkt, dass meine Entscheidung im Sommer für den HSV die richtige war." 


Gleichwohl lässt Hecking nicht den Hauch eines Zweifels daran, dass sein vordergründiges Ziel die schnellstmögliche Rückkehr in die Beletage des deutschen Fußballs ist. "Natürlich habe ich den Ehrgeiz, nicht zu lange in der 2. Liga zu bleiben." Jetzt gilt es, diesen Ehrgeiz auf seine Spieler zu übertragen.