​​Borussia Dortmund musste sich am letzten Spieltag der Hinrunde der TSG 1899 Hoffenheim mit 1:2 geschlagen geben. Dabei hatten die Borussen über einen langen Zeitraum das Flutlichtspiel am Freitagabend im Griff gehabt, stolperten aber zum wiederholten Mal in dieser Spielzeit über einen deutlichen Leistungsabfall in der zweiten Halbzeit. Nicht nur BVB-Coach Lucien Favre ließ nach der Partie seinem Unmut freien Lauf. Auch die Netzgemeinde war ob des Spannungsabfalls ungehalten.


Eigentlich hätte es für die Dortmunder ein entspannter Abend werden können. Die gastgebenden Hoffenheimer bekamen schließlich lange Zeit überhaupt keinen Fuß in die Tür und liefen früh einer verdienten BVB-Führung durch Mario Götze hinterher. In der zweiten Halbzeit witterten die Hoffenheimer nach ihrem Ausgleichstreffer plötzlich aber wieder Morgenluft und konnten die Partie durch einen späten Siegtreffer schlussendlich sogar komplett auf den Kopf stellen.


Favre schießt gegen seine Mannschaft


Lucien Favre hatte es nach der Partie allem Anschein nach leid, seine Mannschaft in den Schutz zu nehmen und sprach die Unzulänglichkeiten im Spiel seiner Schützlinge schonungslos an. "Wir hatten das Spiel total im Griff. Wir machen unsere klare Torchancen nicht. Es war so einfach, das 2:0 und das 3:0 zu machen. Das ist unglaublich, das ist dumm", so der sonst so besonnene Cheftrainer der Schwarz-Gelben gegenüber dem ZDF. Im Anschluss konkretisierte der Schweizer seinen Rundumschlag noch etwas und monierte, dass seine Mannschaft häufig zu kompliziert agiere: "Wir spielen falsch, wir schießen, statt zu flanken. Das sind Dummheiten manchmal."

Lucien Favre

Auch ​Julian Weigl konnte es nach Abpfiff kaum fassen, wieso er und seine Teamkollegen den Rasen nicht als Sieger verlassen hatte. Schließlich habe der BVB seiner Ansicht nach "insgesamt kein schlechtes Spiel gemacht". Ankreiden müssten sich die Dortmunder jedoch zweifelsohne, dass sie viele aussichtsreiche Chancen "schlecht zu Ende gespielt" hatten. Die Kraichgauer hingegen hätten ihre wenigen Chancen "eiskalt genutzt."


Julian Brandt zeigt sich trotzig


​Julian Brandt wollte sich von den kritischen Fragen des ZDF nicht aus der Reserve locken lassen. Dabei räumte der Nationalspieler zwar ein, dass jede Niederlage weh tut - "gerade, wenn man so viele Chancen hat wie wir in der zweiten Halbzeit" - sterben werde er davon aber nicht. Wenig überraschend wollte Brandt nach Abpfiff nichts von verpassten Meisterschaftschancen wissen und unterstrich, dass dies aktuell für ihn kein Thema sei, mit dem er sich befasse. "Wir müssen zusehen, dass wir uns regenerieren und eine gute Vorbereitung machen und dann gucken wir, was in der Rückrunde noch geht", so der 23-Jährige.

Julian Brandt

Auch BVB-Sportdirektor Michael Zorc stand nach der unnötigen Niederlage Rede und Antwort und machte keinen Hehl daraus, dass er ob des Ergebnisses "ziemlich konsterniert" sei. Den Vorwurf an seine Mannschaft, in der zweiten Halbzeit lethargisch agiert zu haben, wollte der Kaderplaner so aber nicht stehen lassen: "Sicherlich war die zweite Halbzeit nicht berauschend. Man muss aber auch sehen, wer noch auf dem Platz stand. Wir mussten Hummels und Hazard auswechseln, Reus war gar nicht mit dabei. Am Ende haben die Körner gefehlt. Mit Lethargie hatte das wenig zu tun."


Matchwinner Adamyan bleibt ganz bescheiden


Des einen Leid ist bekanntlich des anderen Freud und so strahlte nach Abpfiff TSG-Angreifer Sagis Adamyan über beide Ohren. Nach seiner Einwechslung in der zweiten Halbzeit hatte der Stürmer mit einem eigenen Treffer und einer Torvorlage maßgeblichen Anteil daran gehabt, das Ergebnis auf den Kopf zu stellen. Dabei lobte er vor allem die Einstellung seiner Mannschaft: "Dortmund hat es sehr gut gemacht. In der ersten Halbzeit haben wir ein bisschen gebraucht, aber in der zweiten Halbzeit haben wir gemerkt, dass noch was geht. Und dann wurden wir belohnt."


Dass er nach zwei Treffern gegen die Bayern nun auch gegen das nächste deutsche Schwergewicht überzeugen konnte, freut den 26-Jährigen zwar sehr, dennoch hat er nicht vergessen, dass er noch vor drei Jahren in der Regionalliga gespielt hat. Ebenfalls stolz über die Leistung der Sinsheimer war deren Cheftrainer Alfred Schreuder. Der Coach sprach dabei laut bundesliga.de seinem Mittelfeldspieler Havard Nordtveit ein Sonder-Lob aus.


Netzgemeinde mit Nebenkriegsschauplatz beschäftigt


Da die Partie lange Zeit klar in die Richtung des BVB zu verlaufen schien, vergeudeten viele Anhänger beider ​verfeindeter Fanlager - nicht nur im Stadion - ihre Energie darauf, sich gegenseitig anzufeinden. 




In der zweiten Halbzeit wurde der Blick dann aber vor allem auf die Geschehnisse auf dem grünen Rasen gelenkt. Dabei konnten und wollten viele BVB-Anhänger ihren Unmut über den Spannungsabfall ihrer Lieblinge nicht unkommentiert lassen und hätten sich auch von Coach Lucien Favre mehr Aktivität erwünscht.

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Daumen drücken war indes bei Mats Hummels angesagt, der zur Halbzeit ​mit einer Handverletzung ausgewechselt worden war und sofort ins Krankenhaus gefahren wurde.