​Wohl nur wenige Mannschaft sehnen sich so sehr nach der Winterpause, wie ​Eintracht Frankfurt. Satte 30 Spiele haben die Adler im Kalenderjahr 2019 bereits in den Knochen und konnten auch aufgrund des bedenklich leeren Tanks nur eines der letzten neun Pflichtspiele für sich entscheiden. In einem Gespräch mit der BILD stand ​Cheftrainer Adi Hütter nun Rede und Antwort und zeigte sich dabei gewohnt selbstbewusst, ohne die aktuelle Situation zu verharmlosen.


Gleich zu Beginn gab der Coach unumwunden zu, dass die aktuelle Lage bei der Eintracht zweifelsohne "sehr angespannt und unangenehm" sei. "So etwas hatte ich in meinen elf Jahren als Trainer noch nie, und deshalb brodelt es auch ziemlich in mir. Aber man muss die Situation annehmen und es schaffen, dass der aktuelle Gegenwind wieder zum Rückenwind wird. Das ist meine Aufgabe", so der Trainer weiter. Wichtig war es dem 49-Jährigen aber dabei festzuhalten, dass sein Team zuletzt trotz der schwachen Ergebnisse nur selten die klar unterlegene Mannschaft gewesen war.


Hütter mahnt zur Sachlichkeit


Gerade in so angespannten Zeiten wie diesen sei nach Ansicht von Hütter "Aktionismus oder scharfe Kritik nach außen der falsche Ansatz". Obwohl der Fußball nicht immer zu erklären sei, führte Hütter im Anschluss Faktoren für den Negativtrend der Frankfurter auf: "Wenn ich mal unsere Auswärtsspiele her nehme: Da schaffen wir es nicht, das Momentum auf unsere Seite zu ziehen. Zudem verteidigen wir nicht konsequent genug, und vorne gehen uns die zündenden Ideen ab. Vielleicht sind wir auch im Kopf nicht mehr so knackig frisch, um die richtigen Entscheidungen zu treffen."


Einzelne Spieler an den Pranger zu stellen, kommt für Hütter überhaupt nicht in die Tüte. Anstatt auf einen seiner Schützlinge einzuprügeln, gehe es darum Fehler klar anzusprechen und dem Spieler danach wieder die Hand zu reichen und ihm zu helfen. Lediglich bei disziplinarischen Unzulänglichkeiten könnten Maßnahmen wie das Verbannen auf die Tribüne notwendig werden.


Hütter lässt keine Selbstzweifel aufkommen


An seiner eigenen Herangehensweise zweifelt der Übungsleiter auf Nachfrage des Boulevardblatts nicht. "Wenn ich zweifeln oder mich hinterfragen würde, bin ich unsicher und für den Job nicht geeignet. Aber natürlich analysiere ich die Situation ständig. Das machen wir auch im Erfolg", so der Österreicher. Externe Beratung von außen sei bis dato nicht notwendig gewesen, schließlich könne er sich auf seinen gutes Trainer-Team absolut verlassen.

Dominik Kohr,Adi Huetter,Mijat Gacinovic

Den Vorwurf, die Eintracht habe sich von dem 5:1-Erfolg gegen den ​FC Bayern München am 10. Spieltag blenden lassen - bis heute der letzte Ligasieg der Frankfurter - will Hütter aus eigener Warte heraus nicht bestätigen: "Ich verliere nie den Boden unter den Füßen, weil ich dem Fußball sehr respektvoll begegne und nie zu hoch oben fliege. Ich versuche immer, in der Mitte zu bleiben, denn aus der Höhe tut es weh, wenn du unten aufklatschst." Nur wenig später räumte Hütter aber zumindest ein, dass das Ergebnis wohl für manche im Umfeld der Eintracht womöglich etwas zu hoch ausgefallen sei.


Kräftezehrende Saison hinterlässt Spuren


Als weitaus zulässiger erachtet Hütter aber die Analyse zahlreicher Experten, dass die Eintracht nach unzähligen Spielen in der Vorsaison und auch in der aktuellen Spielzeit langsam aber sicher ​auf dem Zahnfleisch daherkommt. "Für die Spieler ist das natürlich gerade schon sehr zehrend, es gibt sicher auch welche, die nicht zu hundert Prozent in Form sind. Das sind Fakten, aber keine Ausreden", meinte Hütter.


Die bisherige Saisonbilanz der Eintracht:

Siege​Remis​​Niederlagen​ToreGegentore​
​Bundesliga​53​​8​26​27
​DFB-Pokal​2​-​-​7​4
​Europa League​3​-​3​7​10
​EL-Quali​5​-​1​13​3
​Insgesamt​15​3​12​53​44

Für Hütter selbst, sei diese Situation längst kein Neuland mehr, schließlich absolvierte der Trainer bereits zum fünften Mal in Folge mit einer von ihm trainierten Mannschaft mehr als 50 Spiele in einer Saison. Nichtsdestotrotz machte Hütter keinen Hehl daraus, dass er sich wünscht, mit seiner Mannschaft endlich mal wieder normal trainieren zu dürfen, "um Automatismen besser einzustudieren".