Bei den Fans von ​Eintracht Frankfurt ist Martin Hinteregger längst Kult. Seit fast einem Jahr spielt der rustikale Österreicher für die Hessen, von denen er in höchsten Tönen schwärmt. Verlassen würde er den Klub laut kicker nur bei einem utopischen Angebot.


Mit zahlreichen Nebengeräuschen wechselte Hinteregger erst im Januar, dann im August nach Frankfurt. Nach seiner öffentlichen Kritik an Ex-Trainer Manuel Baum wurde er vom FC Augsburg suspendiert, im Sommer zogen sich die Verhandlungen über eine feste Verpflichtung aufgrund des Ablöse-Pokers. Letztlich erhielten die Fuggerstädter neun Millionen Euro von der SGE, die den Innenverteidiger mit einem bis 2024 datierten Vertrag ausstattete.


In der Rückrunde der abgelaufenen Saison spielte er sich rasch in die Herzen der Frankfurter Fans, die dem FCA ausdrücklich für den Transfer dankten. "Sie haben hunderte Postkarten nach Augsburg geschickt und ständig angerufen", berichtet Hinteregger, "die Assistentin im Büro hat schon die Krise gekriegt, wenn sie mich nur gesehen hat."

Alfredo Morales,Martin Hinteregger

      Martin Hinteregger blickt ungern auf die Zeit beim FCA zurück.


Die Flucht aus Augsburg betrachtet er im Nachhinein als einzigen Ausweg aus der damaligen Situation. "Als ich in Augsburg Kritik am Trainer geübt habe. Es hat mich fast erdrückt", erinnert sich Hinteregger. Die damalige Suspendierung sei eine "Befreiung" gewesen, unter Baum habe er "einen Fußball spielen müssen, der mir nicht liegt. Ich habe mich nicht entfalten können."


Statt zur Eintracht hätte er auch zum italienischen Erstligisten SPAL Ferrara wechseln können, freiwillig hätte er sogar "vier Monate in der Kärntner Unterliga" verbracht. Hinteregger geht sogar noch weiter: "Wenn ich dann ein halbes Jahr nichts gemacht hätte, wäre das auch in Ordnung gewesen."


Hinteregger schwärmt von der SGE - und lässt doch eine Hintertür offen


In Frankfurt, wo Trainer Adi Hütter einen aggressiven und offensiv orientierten Fußball spielen lässt, fühlt er sich deutlich wohler. Von Anfang an genoss Hinteregger vollstes Vertrauen und eine hohe Wertschätzung, die er mit guten Leistungen zurückzahlen will. "Wenn Menschen Vertrauen in mich haben, möchte ich das 10.000-fach zurückgeben. Ich habe heute noch ein schlechtes Gewissen, weil ich in Gladbach nicht gut gespielt habe", sagt der 27-Jährige, der von seinem Arbeitgeber in den höchsten Tönen schwärmt: "Wir spielen international, haben einen Top-Trainer und die beste Fankultur. Wenn es hier so weitergeht, bleibe ich fünf Jahre."


Einzig, wenn eines Tages ein Spitzenklub anklopfen sollte, würde er die Eintracht verlassen wollen. "Wenn meine Leistungen noch einmal explodieren und zum Beispiel ein Angebot von ​Manchester City kommt, sagt wahrscheinlich auch die Eintracht: 'Wir haben 80 Millionen Euro am Tisch, die uns helfen würden.' Aber davon", weiß Hinteregger, "bin ich weit entfernt."