​Selbst in nicht mehr ganz jugendlichem Alter erlebt man im Fußball immer noch Premieren. Die Auslosung für das im kommenden Februar stattfindende Achtelfinale der ​Champions League hat mit der Paarung SSC Neapel - FC Barcelona eine ganz besondere Konstellation erwirkt.


Denn am 18. Februar 2020 wird ​Lionel Messi zum ersten Mal in seiner Pflichtspiel-Karriere das Stadio San Paolo betreten. 

SSC Napoli v RB Salzburg: Group E - UEFA Champions League

Empfängt zum ersten Mal Lionel Messi zu einem Pflichtspiel: Das Stadio San Paolo in Neapel


Also genau das Stadion, in dem ​Diego Armando Maradona bis heute wie eine Gottheit verehrt wird. Der Messi-As im Stadion von D10S ("Gott" (dios) auf spanisch). 


Für alle Fußball-Romantiker natürlich eines der besonderen Spiele im Achtelfinale der diesjährigen Königsklassen-Saison. Im San Paolo wurde Maradona unsterblich, als er ein Team, das in den sechs Jahrzehnten zuvor mal gerade zwei Pokalsiege (1962 und 1976) erringen konnte, plötzlich zum Meister Italiens machte. Und das gleich zweimal (1987 und 1990). 


Zwischen diesen beiden scudettos sicherte sich Maradonas Napoli auch noch den UEFA-Cup 1989 (gegen den VfB Stuttgart). Im Februar also spielt der legitime Nachfolger von Maradona an dessen früherer Wirkungsstätte vor. 


Damit sind die Diskussionen wieder eröffnet. Der größte aller Zeiten (für einige) im "Wohnzimmer" des größten aller Zeiten (für andere). (Di Stefano, Pelé, Cruyff, Beckenbauer, Platini, Zidane, Ronaldo oder CR7 mal beiseite gelassen). 


Die ewige und nie zu klärende Frage: Wer war oder ist denn nun der bessere von beiden? Nur rein von den Titeln her betrachtet (nicht in bezug auf die Menge an Trophäen, sondern auf ihre Qualität) muss Maradona eigentlich noch vor Messi genannt werden. 


Maradona wurde Weltmeister, Messi (noch) nicht


Ganz einfach weil er Weltmeister geworden ist. Und zwar mit einer argentinischen Nationalelf, die damals (1986) dem Niveau der heutigen um einiges hinterherlief.

Diego Maradona

Sein Pass auf Burruchaga entschied das WM-Finale 1986: Diego Armando Maradona


Auch auf Klub-Ebene war Maradona mehr auf sich gestellt, als Lionel Messi es während seiner Karriere war. Mitspieler wie Andrés Iniesta oder Xavi hatte Maradona seinerzeit nicht. Und trotzdem machte er Neapel in der damals weltbesten Liga zum Meister. Und sein Land zum Weltmeister. Und vier Jahre später nochmals zum Vize-Weltmeister.


Messi wiederum hat in seiner Karriere fast alle persönlichen Rekorde gebrochen. Seine 50 (!) Liga-Tore in 37 Spielen in der Saison 2011/12 sind bis heute nicht erreicht, und werden es wohl auch in den nächsten Jahrzehnten nicht. Tore und Vorlagen - beides hat la pulga in mittlerweile 15 Karrierejahren im Überfluss geliefert. Im Klub noch erheblich öfter als in der Nationalelf. 

Seine Titelsammlung mit Barça (vier Champions League-Trophäen, zehn spanische Meisterschaften, sechs Pokale - um nur die wichtigsten zu nennen) ist ebenfalls weitaus größer als die von Maradona.


Doch selbst wenn der "Floh" in knapp zwei Monaten fünf Tore schießen sollte, und die SSC im Alleingang erledigt, ist nicht davon auszugehen, dass die partenopei von ihrem Glauben abfallen. 


Für sie ist der Wuschelkopf der Größte von allen - und wird es immer bleiben. Doch sie werden sich, wie alle anderen Fußball-Fans auf der Welt auch, auf diesen Abend besonders freuen. Wenn eine Legende des Weltfußballs im Wohnzimmer einer anderen Legende vorspielt.