In Unterzahl hat sich ​Schalke 04 am Sonntagabend drei Punkte gegen ​Eintracht Frankfurt erkämpft und einen ​wichtigen 1:0-Heimerfolg gefeiert. Ein Spiel mit zahlreichen Facetten und ungewöhnlichen Richtungsänderungen, aus dem man einige Schlüsse ziehen kann.


Diese drei Punkte sind in erster Linie auf eine geschlossene Teamleistung zurückzuführen. Bis in die achte Minute der Nachspielzeit haben die Schalker unter Beweis gestellt, dass sie bereits seit Wochen als eine feste Einheit funktionieren und agieren können: Vom 1:0-Treffer, der durch das gemeinsame Pressing erarbeitet und von Amine Harit und Benito Raman gut herausgespielt wurde, bis zum anstrengenden Verteidigen in Unterzahl.


Ein Sieg des Willens und der Mentalität - Schalke weiterhin als geschlossene Einheit


Natürlich muss man auch zugestehen, dass die Frankfurter nicht ihren besten Tag erwischt haben. Nichtsdestotrotz gehört auch viel dazu, sich rund eine halbe Stunde lang in Unterzahl gegen die hohe Qualität der Eintracht zu stellen - vor allem, nachdem man im vorletzen Heimspiel gegen ​Fortuna Düsseldorf dreimal eine Führung aus der Hand gab und auch dort sehr spät den Ausgleichstreffer kassierte, wie schon vorher gegen den ​1. FC Köln


Dass man dabei noch einige Widrigkeiten überwunden hat, kommt noch dazu: Juan Miranda wurde durch ​die Verletzung von Weston McKennie ins kalte Wasser geworfen, wodurch Bastian Oczipka in die ohnehin schon fast komplett verletzte Innenverteidigung rücken musste. Markus Schubert gab ebenfalls unverhofft seinen Einstand, nachdem Alex Nübel (völlig zu Recht) mit Rot vom Platz gestellt wurde. Die bis dahin völlig ungefährlichen Gäste holte man damit zwangsweise wieder ins Spiel.


Schubert mit Bewährungschance

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Feierte sein Debüt für Schalke: Alexander Schubert (l.)


Alexander Nübel wird nach ​seinem brutalen Tritt gegen Mijat Gacinovic einige Spiele pausieren müssen. Je nachdem, aus welchem Grund Schiedsrichter Felix Zwayer den Keeper vom Platz stellte (Notbremse oder gefährliches Einsteigen gegen den Gegner), wird die Sperre etwas "kürzer" oder ziemlich lange ausfallen. Sorgen müssen sich die Schalker deshalb aber nicht wirklich machen: Mit Markus Schubert hat man ein weiteres, großes Torwart-Talent im Kader. Im Sommer kam der 21-Jährige ablösefrei von ​Dynamo Dresden


In den nächsten Partien hat der gebürtige Freiberger nun die Chance, sein Talent unter Beweis zu stellen. Dass er - bei starken und souveränen Leistungen - Nübel anschließend ablösen könnte, erscheint ausgeschlossen zu sein. Mindestens bis zum Sommer wird Nübel die Nummer eins bleiben. Sollte er seinen Vertrag verlängern, dürfte spätestens ab der nächsten Saison​ der offene Zweikampf der beiden Torhüter starten. Auch Schubert gilt als technisch versierter Spieler, der schon bei der U21-Nationalmannschaft auf Nübel folgte. 


Kabak sammelt weiter Pluspunkte

Ozan Kabak,Evan N’Dicka

​Überzeugte in den letzten Partien: Ozan Kabak (l.)


Schon nach wenigen Wochen und erst einer Handvoll Startelfeinsätzen lässt sich sagen, dass Schalke mit der Verpflichtung von Ozan Kabak alles richtig gemacht hat. Auch wenn Offensivspieler wie Benito Raman, wenn sie Tore erzielen und/oder vorbereiten mehr im Rampenlicht stehen, als Verteidiger, tritt Kabak schon jetzt als enorm souveräner und abgeklärter Innenverteidiger auf. Trotz seiner erst 19 Jahre verfügt er bereits über eine stoische Ruhe und große Sicherheit in seinen Defensivaktionen.

Die Zweifel, ob die gezahlten 15 Millionen Euro für S04-Verhältnisse nicht zu viel für einen so jungen Spieler sein könnten, sind längst kein Thema mehr. Vielmehr beweist er in jedem Spiel, weshalb große Vereine wie ​Bayern München an ihm interessiert waren. Wenn sich Kabak so weiterentwickelt wie über die letzten ein bis zwei Jahre, kann er für Schalke zum wichtigsten und später finanziell lukrativsten Spieler werden.

Auch wenn sie natürlich (noch) auf einem unterschiedlichen Niveau spielen, kann man Kabak schon gut mit Matthijs de Ligt vergleichen. Beide spielen trotz ihres jungen Alters eher robust und sehr körperlich, können knifflige Zweikämpfe sicher zu ihren Gunsten entscheiden und auch die Art und Weise des Spielaufbaus der beiden Innenverteidiger ähnelt sich sehr. Ihre Grätschen sind gut getimed und in der Regel - trotz schwieriger Umstände - sehr wichtig für das Team. Für Kopfballtore sind sie ebenfalls gut. Es wird spannend sein zu sehen, ob sich Kabak ähnlich gut und schnell entwickeln kann.

Raman und Harit sind nicht zu ersetzen

Amine Harit,Benito Raman

​Besorgten den Siegtreffer: Amine Harit (l.) und Torschütze Benito Raman


Auch auf die anderen Leistungsträger der vergangenen Wochen und Monate war am Sonntagabend Verlass. Omar Mascarell konnte erneut seine Sicherheit im defensiven Mittelfeld unter Beweis stellen, in dem er wichtige Zweikämpfe für sich entschied (wie kurz vor dem Siegtreffer) und im Aufbauspiel als wichtige Stütze neben dem als IV eher ungeübten Oczipka agierte. Auch Suat Serdar wusste erneut zu überzeugen: Aggressives (Gegen-)Pressing, wichtiges Umschalten, zeitbringende Läufe in die Tiefe.


Ebenso wichtig sind Raman und Harit. Sobald einer der beiden in der Offensive (mit Ball) aktiv wurde, geriet Frankfurt in Gefahr. Schon in der ersten Halbzeit konnte der Marokkaner, der kürzlich seinen Vertrag bis 2024 verlängert hat, mit einigen Dribblings für Räume und Unruhe sorgen. Raman war auch im Anlaufen eine wichtige Waffe. Dass die beiden die Balleroberung von Mascarell so schnell zum Siegtreffer umsetzen konnten, war das passende Bild für die letzten Wochen.