Mit der Vertragsverlängerung von Amine Harit bis 2024 hat ​Schalke 04 einen wichtigen Schritt für die mittel- und langfristige Zukunft machen können. Dabei lässt sich jedoch fragen, ob dieser Erfolg lediglich auf der Arbeit von Sportvorstand Jochen Schneider (und David Wagner) aufbaut, oder ob man von den unglücklichen Umständen des letzten Jahres - wenn auch indirekt - profitiert hat.


Vorab: Dass man mit Amine Harit, einer der aktuell besten und wichtigsten Spieler auf Schalke, ​langfristig verlängern konnte, ist ein großer Erfolg für den Verein. Hätte man dies nicht geschafft, wäre eine Trennung im Sommer 2020 (bei Vertrag bis 2021) wohl unausweichlich gewesen. 


Ursprung der Verlängerung im letzten Seuchen-Jahr?


Allerdings ist diese Vertragsverlängerung in vielen Schichten deutlich komplexer, als die reine Abmachung, noch länger für den Verein zu spielen. Dabei spielt auch das letzte Jahr, bzw. die letzte Saison, eine (wenn auch insgesamt eher untergeordnete) Rolle: Alles schien im Sommer nach der Vizemeisterschaft mit dem unglücklichen und sehr traurigen Autounfall zu beginnen, in den der damals gerade 21 Jahre alt gewordene Marokkaner verwickelt war. Ein so schlimmes Ereignis, das niemand jemals erleben möchte - für einen so jungen Menschen alles andere als einfach zu verstehen und zu überwinden, wie Harit erst fast ein Jahr später auch öffentlich zugab. 

Die Saison, die anschließend folgte, nahm die bekannte Wendung. Sowohl für das ganze Team, als auch für Harit persönlich, wurde es eine Saison zum Vergessen. Katastrophen-Start, aufgeheizte Stimmung, Abstiegskampf, Trainer-Entlassung. Der Mittelfeldspieler konnte in keinem Ansatz an seine Leistungen aus dem ersten S04-Jahr anknüpfen. Lediglich 18 Einsätze in der Liga (ein Tor, zwei Assists), dazu weitere Meldungen über Casino-Besuche und ein Verhalten, das man vom einem Fußballprofi nicht erwartet. Zum Sommer schien eine Trennung das wahrscheinlichste Szenario zu sein.

Neuer Schalke-Zugang durch Wagner und Schneider 


Mit David Wagner als neuem Trainer, sowie Jochen Schneider als noch immer neuem Sportvorstand, änderte sich jedoch der Zugang zu Harit. Wagner gab ihm das notwendige Vertrauen und Selbstbewusstsein, das sich schon in der Saisonvorbereitung auf dem Platz bezahlt machte. Und das ist auch schon der bekannte Casus knacksus: Hätte Harit im Sommer gehen wollen und auch können? Oder hatte er schlicht keine andere Alternative, sodass Schneider nun die quasi vor ihm liegende Verlängerung nur aufheben musste?


So einfach war es definitiv nicht. Dass der 22-Jährige (entgegen der meisten Vermutungen) über den Sommer hinaus blieb, mag seinen Ursprung auch im Vorjahr haben - dennoch wird es sicherlich mehrere Vereine gegeben haben, die ihm eine potenzielle, andere Zukunft aufgezeigt haben. Wagner und Schneider boten ihm ebenfalls eine sich verändernde Alternative an: Offensivspiel, Kreativität, Vertrauen. Aspekte, die Harit zum Verbleib überzeugt haben, die aber nicht automatisch eine weitere Vertragsverlängerung nach sich ziehen müssen. Nun, wo man von S04-Seite aus die Gespräche suchte, hätte er sich auch an den neuen Interessenten erfreuen und im Sommer wechseln können. 

Amine Harit,David Wagner

Nach dem Torerfolg: Wagner und Harit fallen sich in die Arme



So kann man von außen festhalten, dass die so wichtige Vertragsverlängerung vor allem aus zwei wichtigen Aspekten besteht: Zum einen die sich bereits jetzt auszahlende Arbeit von Trainer und Sportvorstand. Da ist die sportliche Entwicklung, aber auch das Geschick und die Erfahrung seitens der Vereinsverantwortlichen, in Person von Jochen Schneider. Zum anderen ist es auch die im Fußballgeschäft immer seltener werdende ​Dankbarkeit seitens Harit selbst. Er weiß, was im Verlauf der letzten Saison alles schiefgelaufen ist. Er weiß, dass er sich ändern musste. Innerhalb weniger Monate ist er gefühlt für Jahre gereift, von der Geburt seiner Tochter bis hin zur neu angenommen Verantwortung bei Königsblau. 


Eine Gesamtlage, die sich für beide Seiten ausgezahlt hat und die verschiedene Ursprünge hatte. Natürlich spielt das letzte Jahr in diese Entwicklung mit hinein, doch liegt es noch immer primär am Spieler und den jeweiligen Personen im Verein, eine derartige Situation anzunehmen, sie ins Positive zu wandeln und zusammen an einer besseren Zukunft zu arbeiten. Das haben Harit, Wagner und Schneider zusammen geschafft.