Julian Brandt ist beim BVB angekommen. Im zentralen Mittelfeld brilliert der deutsche Nationalspieler und avanciert mehr und mehr zum neuen Herzstück der Mannschaft. Für Cheftrainer Lucien Favre ist Brandt allerdings auch ein Problem.


Vor knapp zwei Wochen brach Favre sein System gegen Hertha BSC auf und stellte auf eine Dreierkette in der Abwehr um. Ebenfalls involviert in die Umbauarbeiten: Julian Brandt, der auf die zentrale Position neben ​Axel Witsel zurückgezogen wurde. Und auf dieser blüht der Neuzugang aus Leverkusen auf! Mit bockstarken Leistungen gegen Hertha, Fortuna Düsseldorf und am Dienstagabend in der Champions League gegen Slavia Prag macht sich Brandt als Zentrumsspieler unverzichtbar. Und das ist ein Problem für Lucien Favre.


Weigl lässt Präsenz im BVB-Mittelfeld vermissen


Bedingt wird dieses Problem durch die ​Ausfälle von ​Axel Witsel und Thomas Delaney. Ohne einen defensiven Mittelfeldspieler, der Brandt den Rücken frei hält und die Drecksarbeit verrichtet, kollabiert Favres neues Power-System. Das zeigte sich gegen Prag. Julian Weigl ersetzte den verletzten Axel Witsel an der Seite von Brandt und ließ - obgleich er bis zu seiner Roten Karte eine ordentliche Leistung zeigte - die Präsenz vermissen, die ein Witsel auf den Platz bringt. Der BVB wirkte im Mittelfeld häufig unterlegen und offenbarte erschreckende Räume, die eine - bei allem Respekt - qualitativ bessere Mannschaft als Slavia Prag deutlich gnadenloser bestraft hätte. 


Und solche Mannschaften hat der BVB zumindest mit RB Leipzig und der TSG Hoffenheim vor der Brust. Die fehlende Dominanz in der Zentrale könnte sich gegen die beiden Bundesligisten rächen. Ob Julian Weigl als alleinige Mittelfeld-Absicherung wirklich diese Qualität mitbringt, muss Lucien Favre beantworten. Denn auf Julian Brandt kann der Schweizer derzeit nicht verzichten; immerhin avanciert Brandt gerade zum neuen Herzstück der Dortmunder Mannschaft, der mit seiner Gestaltung auch den formschwachen Marco Reus spürbar entlastet und dem BVB deutlich mehr Spielfreude und Idee im letzten Spieldrittel einimpft. Auch die Dreierkette hat sich im Übrigen bewährt und imponiert den Spielern, die deutliche befreiter auftreten, als das noch im statischen 4-3-3-System der Fall war. 

Julian Brandt

Um Julian Brandt dreht sich derzeit also das BVB-Spiel, sowie auch die Probleme, die die Ausfälle von Witsel und Delaney mitbringen. Sollte Favre im Sinne der Stabilität zu seiner Viererkette zurückkehren, könnte auch Brandt der Esprit geraubt werden; diesen Fehler darf der Schweizer nicht begehen. Vieles deutet daher auf die Risikovariante mit Julian Weigl und Brandt an seiner Seite hin. Und die Aufgabe ist klar: Drei Pflichtspiele muss Weigl den Laden dicht halten, ehe es in die Winterpause geht. Das Spiel gegen Slavia Prag lässt zumindest daran zweifeln, ob dieser Schuss nicht in den Ofen geht.