Der BVB bemüht sich um einen neuen Stürmer. Ganz oben auf der Wunschliste soll Salzburgs Erling Haaland stehen. Der deutsche Vizemeister hat durchaus gute Argumente ins Feld zu führen, um den Norweger nach Dortmund zu lotsen. Die Waagschale kippt dennoch eher nicht zum BVB.


Etwas kleinlaut gestand Hans-Joachim Watzke auf der Mitgliederversammlung im November den Fehler ein, im Sommer auf die Verpflichtung eines zweiten Stürmers verzichtet zu haben. Im Januar will sich der BVB daher verspätet um diese Akquisition kümmern. Vorfühlen werden die Schwarz-Gelben ganz sicher bei Shootingstar Erling Haaland; um den Youngster bemüht sich allerdings auch die ​nationale, wie auch die internationale Konkurrenz. Namentlich sollen das RB Leipzig und Manchester United sein.


Die beiden Kontrahenten haben Argumente vorzuweisen, bei denen der BVB nicht mithalten kann. ​Manchester United lockt mit der Premier League und - vermutlich - mit einem fürstlichen Gehalt, das Bundesligisten nicht zahlen können. Zudem sitzt mit Ole Gunnar Solskjaer ein Landsmann Haalands im Cheftrainersessel bei den Red Devils; dass der 19-Jährige in England geboren wurde, tut sein Übriges. ​RB Leipzig indes hat als Schwesterkonzern der Leipziger eine Leitung in die Mozartstadt, die exklusiv ist. Salzburgs Cheftrainer Jesse Marsch riet dem Youngster zudem bereits zu einem Wechsel nach Leipzig. Diesen Erfolgsweg zeichneten Spieler wie Naby Keita, Konrad Laimer, Dayot Upamecano oder Marcel Sabitzer vor. 


BVB beste Adresse für junge Talente


Dabei soll allerdings nicht unter den Tisch fallen, dass auch der BVB hervorragender Nährboden für junge Talente ist. Dass in Dortmund die Jadon Sanchos, Ousmane Dembeles, Mario Götzes und Robert Lewandowskis dieser Welt entstehen, dürfte auch einem Erling Haaland nicht entgangen sein. Als Anlaufstation für junge Spieler seiner Güteklasse ist der BVB europaweit die vielleicht beste Adresse. Im Vergleich zu RB Leipzig hat die Borussia zudem eine gewisse Reputation und sportliche Stahlkraft vorzuweisen, die sich die Bullen aus dem Osten Deutschlands noch erarbeiten müssen. Falls sich Haaland also gegen einen Wechsel nach Manchester entscheidet und lieber den Schritt in die deutsche Bundesliga gehen will, darf sich der BVB gute Chancen ausrechnen.


Das würde allerdings voraussetzen, dass sich die Verantwortlichen in Dortmund mit maximalem Einsatz für Haaland einsetzen. Und genau daran könnten die Verhandlungen scheitern. Der BVB weiß, dass er dem norwegischen Ausnahmetalent zwar Perspektive, darüber hinaus aber maximal einen fairen Konkurrenzkampf anbieten kann. Ein System mit zwei Stürmern wird Lucien Favre nicht spielen; Paco Alcacer und Erling Haaland könnten sich daher ordentlich ins Gehege kommen. Und wenn RB Salzburg den Höchstbietenden evaluiert, könnte sich der deutsche Vizemeister eben wegen Paco Alcacer frühzeitig aus einem möglichen Wettbieten zurückziehen. Dass der BVB finanziell über seine Grenzen geht, um eine nominelle Nummer Zwei für den Sturm zu verpflichten, wäre ungewöhnlich.

Paco Alcacer

Konträr zu diesem Gedankenspiel steht natürlich Haalands Qualität. Wenn der BVB die Möglichkeit bekommt, solch einen talentierten Spieler zu verpflichten, schlägt er wahrscheinlich auch zu. Hinzu kommt, dass Paco Alcacer auf der einen Seite extrem verletzungsanfällig ist und auf der anderen Seite zwar bärenstarke Leistungen im Dortmunder Trikot abliefert, mitnichten aber eine Institution bei den Westfalen ist. Mit starken Leistungen könnte sich Haaland in der Hackordnung also auch vor Alcacer schieben. 

Die Zeit spielt gegen den BVB

Unter dem Strich spricht dennoch einiges gegen Erling Haaland und den BVB. Die Borussia sucht dringend einen weiteren Stürmer und wird im Januar in Aktion treten. Es darf allerdings durchaus angezweifelt werden, ​dass Haaland RB Salzburg schon im Winter verlassen wird und darf. Die österreichischen Bullen überwintern garantiert im Europapokal (mit einem Sieg gegen Liverpool am Dienstagabend sogar in der Champions League) und würden in der Rückrunde nur ungern auf Lebensversicherung Haaland verzichten. Zudem bietet sich mitten in der Saison wenig Zeit zur Akklimatisierung; ein Wechsel im Sommer bietet dem Norweger die Möglichkeit, sich an sein neues Umfeld zu gewöhnen und die gesamte Vorbereitung mit dem Team zu absolvieren. Da die Borussia bereits im Winter einen neuen Stürmer verpflichten wird, könnte schon im Sommer kein Platz mehr für Haaland sein.