Nach der Trennung von Unai Emery sucht der FC Arsenal nach einem neuen Cheftrainer und einem gleichbedeutenden Weg raus aus der Krise. Mit nur 19 Punkten auf der Habenseite belegen die Gunners den zehnten Tabellenplatz in der Premier League, unter Interimstrainer Freddie Ljungberg wurde erst ein Zähler aus zwei Spielen gewonnen. Dennoch zählt der Schwede zum Kreise der Kandidaten auf den Trainerposten. Fragt sich nur: Wer wäre am besten dafür geeignet?


Patrick Vieira

FBL-FRA-LCUP-LE MANS-NICE

Patrick Vieira wäre ein Trainer der Marke 'Stallgeruch'. Der französische Welt- und Europameister verbrachte neun Jahre bei Arsenal und bildete in dieser Zeit das Herzstück im Mittelfeld von Arsene Wenger. Nach ersten Erfahrungen im Nachwuchsbereich von Manchester City und dem US-amerikanischen Ableger New York City FC, heuerte Vieira im Sommer 2018 bei OGC Nizza an. 


Der Nachfolger des zu Borussia Dortmund abgewanderten Lucien Favre erreichte in seinem ersten und durchaus turbulenten Jahr einen siebten Tabellenplatz. Auch in diesem Jahr läuft es ergebnistechnisch nicht allzu rund: Nach 16 Spieltagen belegt Nizza Rang 14. Vieira und die Seinen verloren bereits acht Spiele, schieden dazu in der dritten Runde des französischen Pokals gegen den Zweitligist FC Le Mans aus. Nach einem sehr guten Start mit vier Siegen aus sechs Spielen gewann Nizza nur zwei der letzten elf Pflichtspiele und blieb den gesamten Oktober über sieg- und punktlos. Ob er der richtige Mann ist, um die krisengebeutelten Gunners wieder in die Erfolgsspur zu führen?


Carlo Ancelotti

FBL-EUR-C1-LIVERPOOL-NAPOLI

Carlo Ancelotti war vor einigen Jahren schon einmal in England tätig und betreute von 2009 bis 2011 den ​FC Chelsea. In der Saison 2009/10 feierte der Italiener das Double, nach der Vizemeisterschaft im zweiten Jahr war allerdings Schluss - und das, obwohl Chelsea in dieser Zeit 68 von 109 Spielen bei einem Torverhältnis von 250:102 gewann. 


Bei seinem aktuellen Arbeitgeber SSC Neapel ​steht Ancelotti vor dem Aus. In dieser Saison herrscht großes Chaos bei den Sizilianern, unter anderem ordnete Klubpräsident Aurelio de Laurentiis laut Sport Bild über Ancelottis Kopf hinweg ein Trainingslager an. Die Spieler boykottierten das Trainingslager jedoch ebenso wie Ancelotti eine Pressekonferenz Anfang November. Wie es weiter heißt, soll der 60-Jährige italienischen Medienberichten zufolge nach dem letzten Gruppenspiel in der ​Champions League von seinen Aufgaben entbunden werden.


Ancelotti, der bereits dreimal die Königsklasse gewinnen konnte, ist ein erfahrener Mann von internationalem Format. Er könnte innerhalb des Klubs für Ruhe sorgen und Arsenal vorerst stabilisieren. Bei der taktischen Ausrichtung passt er sich den Gegebenheiten des Kaders an. So ließ er beim ​FC Bayern häufig ein 4-3-3 oder 4-2-3-1 spielen, in Neapel war ein 4-4-2 seine bevorzugte Formation. Anders als Unai Emery, der häufig verschiedene Systeme spielen ließ und seine Startaufstellung immer wieder abänderte, dürfte unter Ancelotti eine gewisse Konstanz einkehren. 


Marcelino

Marcelino Garcia Toral

Überraschend trennte sich der FC Valencia nach dem dritten Spieltag von Marcelino. Dabei qualifizierten sich die Fledermäuse unter seiner Leitung zweimal in Folge für die Champions League und gewannen im Mai überraschend die Copa del Rey. Nachfolger Albert Celades verlor erst vier von 17 Spielen, kam allerdings bei sieben Siegen ganze sechsmal nicht über ein Unentschieden hinaus. In der Liga belegt die Mannschaft Platz acht, ist zum aktuellen Zeitpunkt aber fünf Zähler besser als vor einem Jahr. 


Wie schon beim FC Villareal vertraute Marcelino in Valencia auf ein 4-4-2, in seinem 27 Spiele andauernden Intermezzo beim FC Sevilla wählte er des Öfteren ein 4-2-3-1. In der Primera Division verschaffte er sich in den vergangenen sechs Jahren einen guten Ruf, ähnlich wie Emery. Im Zuge dessen stellt sich die Frage, ob er im Ausland auch so erfolgreich wäre?


Zum Vergleich: Emery, der mit Sevilla dreimal in Folge die Europa League gewann, heuerte im Mai 2012 bei Spartak Moskau an und wurde nach knapp sechs Monaten wieder entlassen. Bei Paris St. Germain war nach zwei Spielzeiten Schluss, da die Mannschaft zweimal in Folge im Achtelfinale der Champions League ausschied. Nun ist Emery auch bei Arsenal gescheitert. Das muss nicht zwingend bedeuten, dass auch Marcelino erfolglos wäre, aber die Verantwortlichen dürften bei der aktuellen Trainerfrage etwas vorsichtiger agieren. Verfügbar wäre er jedenfalls sofort.


Freddie Ljungberg

Freddie Ljungberg

Eine weitere Lösung wäre der jetzige Interimstrainer: Freddie Ljungberg. Der Schwede sammelt derzeit jedoch seine ersten Erfahrungen im Profi-Bereich, zuvor war er lediglich für die U23 der Gunners verantwortlich. Zwischenzeitlich arbeitete Ljungberg auch unter Andries Jonker als Co-Trainer beim VfL Wolfsburg und wurde vor der Saison zum neuen Assistenten von Emery ernannt. Nach den Spielen gegen Norwich City (2:2) und Brighton & Hove Albion (1:2) ist seine Arbeit noch nicht zu beurteilen, aber es ist spürbar, wie groß die Herausforderung ist. 


Arsenal steckt tief in der Krise, sorgen bereitet insbesondere die schwach zusammengestellte Innenverteidigung. Weder Sokratis, noch David Luiz, Rob Holding oder Shkodran Mustafi überzeugen, Torhüter Bernd Leno kassierte bereits 23 Gegentore in der Premier League. Sollten die kommenden Ergebnisse nicht besser werden, dürfte auch Ljungberg bald wieder abgelöst werden.