​Der ​VfB Stuttgart kassierte am vergangenen Sonntag beim Gastspiel gegen den SV Sandhausen bereits die fünfte Saisonniederlage. Ein Grund für die sportliche Misere der Schwaben ist neben der wackligen Defensive auch die alles andere als treffsichere Offensive. Dabei stünde ​Cheftrainer Tim Walter mit seinem Mittelstürmer Hamadi Al Ghaddioui eigentlich ein Angreifer zur Verfügung, der auch im VfB-Dress bereits seine Kaltschnäuzigkeit unter Beweis gestellt hat.


Als die Stuttgarter im Sommer die Verpflichtung von Al Ghaddioui verkündet hatten, reagierten viele Anhänger der Schwaben mit großem Unverständnis. Was soll ein Angreifer, der zuvor bei Jahn Regensburg seine Brötchen verdient hatte, dem großen Aufstiegsaspiranten schon bringen? Bereits in der Saisonvorbereitung konnte der Deutsch-Marokkaner aber Werbung in eigener Sache betreiben und andeuten, dass er in der zweiten Liga durchaus ein wichtiger Faktor werden könnte.


Das verhängnisvolle Prädikat Edeljoker


​Zu Saisonbeginn hatte Al Ghaddioui dann auch prompt in der Startelf gestanden - es dauerte auch nur bis zum zweiten Saisonspiel warten, bis er sich mit einem Treffer und einer Torvorlage in die Scorerliste eintragen konnte. In der Folge wurde Al Ghaddioui dennoch immer weiter ins zweite Glied zurückgedrängt. Dabei wurden dem Angreifer im auf Kurzpass ausgelegten Spielsystem der Schwaben seine technischen Defizite immer mehr zum Verhängnis. Kompliziert wurde seine Situation zusätzlich durch aufkommende Knieprobleme.

Hamadi Al Ghaddioui

Da aber auch Cheftrainer Tim Walter die Abschlussqualitäten des 29-Jährigen durchaus zu schätzen weiß, setzte er Al Ghaddioui in den meisten Partien zumindest als Joker ein. Dabei wurde dem Stürmer in gewissem Maße seine Fähigkeit, sich schnell ins Spiel einzufinden, zum Verhängnis. Walter fühlte sich aufgrund der ​Jokertore seines Offensivspielers in seiner Herangehensweise bestätigt, der bislang mit fünf Saisontoren treffsicherste VfB-Profi kam nur selten über Einsätze von mehr als einer halben Stunde hinaus.


Quote spricht klar für Al Ghaddioui


Bereits unmittelbar nach seinem Wechsel zum VfB hatte sich Al Ghaddioui auf einen harten Konkurrenzkampf eingestellt ​und akzeptierte seine Teilzeitarbeit bislang ohne öffentliches Murren. Dabei hätte der Mittelstürmer bei einem Blick auf die Statistiken eigentlich allen Grund dazu, deutlich vehementer einen Startplatz einzufordern.


So trifft Al Ghaddioui in dieser Zweitligasaison im Schnitt alle 92 Minuten und stellt mit dieser Effektivität alle anderen VfB-Angreifer komplett in den Schatten. Nun sollte man dabei nicht außer Acht lassen, dass es für einen noch frischen Spieler in den Schlussminuten gegen eine abgekämpfte gegnerische Hintermannschaft einfacher ist, Tore zu erzielen. Dass Al Ghaddioui mit seiner Torquote bislang aber sogar den erfolgreichsten Torschützen der zweiten Liga, Fabian Klos von Arminia Bielefeld, in den Schatten stellt, dem bislang alle 108 Minuten einer seiner 13 Treffer gelang, sollte doch alle Entscheidungsträger beim VfB aufhorchen lassen.


Spielertyp kann hilfreich sein


Nun bringt selbst der beste Angreifer herzlich wenig, wenn er partout nicht in das System seiner Mannschaft passt. In den letzten Wochen hatte Walter jedoch auf ein 4-1-4-1-System mit einem klaren Mittelstürmer gesetzt. Den Posten in vorderster Front hatte der Coach in die Hände von Mario Gomez gelegt. Nicht nur auf dem Papier gibt es zahlreiche Parallelen zwischen beiden Spielern und bei einem genaueren Blick lässt sich nur kaum vermitteln, wieso Gomez stets den Zuschlag erhalten hat.


Das Spielerprofil von Hamadi Al Ghaddioui:

​Position​MS
​Alter​29
​Marktwert​850.000 Euro
​Vertragslaufzeit​30.06.2021
​VfB-Spiele​14
​VfB-Tore​7

(Marktwert laut transfermarkt.de)


Gegen Sandhausen gelangen Gomez zwar zumindest drei irreguläre Treffer, bislang brachte der einstige Torjäger in der zweiten Liga in 473 Spielminuten aber nur einen einzigen Treffer zustande. Bereits gegen Sandhausen hatten daher die meisten Experten eine Bewährungschance von Al Ghaddioui gefordert, am Montag beim Heimspiel gegen den ​1. FC Nürnberg sollte Walter nun aber wirklich ein Einsehen haben.


Gegenüber der BILD hatte Walter zuletzt moniert, dass Al Ghaddioui "in gewissen Phasen passiv" agiere. Den gleichen Vorwurf, sollte er denn überhaupt haltbar sein, könnte man aber wohl genauso gut Gomez an den Latz knallen, schließlich zeichnet sich auch der ehemalige Bayern-Profi seit jeher nicht durch seine exzellente Ballbehandlung, sondern vielmehr durch die Kernkompetenz Toreschießen aus.