Auch Nicolás Tagliafico gehörte zu den Spielern, die in der abgelaufenen Saison im Trikot von Ajax Amsterdam mächtig auf sich aufmerksam gemacht haben. Statt den nächsten Schritt zu machen, entschied sich der argentinische Linksverteidiger für einen Verbleib beim niederländischen Rekordmeister - nun macht in seiner Heimat jedoch ein wildes Gerücht die Runde: Wie die Zeitung El Intransigente berichtet, soll Borussia Dortmund nicht nur Interesse besitzen, sondern auch bereits ein konkretes Angebot für den 27-Jährigen abgegeben haben - dabei wurde erst im Sommer Nico Schulz verpflichtet. Würde ein Transfer Sinn ergeben?


Der BVB hat in den vergangenen Jahren hohe Millionenbeträge eingenommen, aber auch ausgegeben. Seit der Sommer-Transferperiode 2016 investierte der achtfache deutsche Meister dem Online-Portal transfermarkt.de zufolge ​rund 449 Millionen Euro, demgegenüber stehen Einnahmen in Höhe von etwa 560 Millionen Euro. In einigen Monaten könnte die nächste große Ablösesumme eingefahren werden: Zahlreichen Medienberichten zufolge verdichten sich die Anzeichen auf einen Abschied von Jadon Sancho, den die Klubbosse wohl kaum für eine Summe im zweistelligen Millionenbereich ziehen lassen würden.


Das große Geld wird jedoch nicht in einzelne Spieler investiert. Die Rückkehr von Mats Hummels ist gleichzeitig der teuerste Transfer der Klubgeschichte, der Innenverteidiger kehrte für eine Summe in Höhe von 30,5 Millionen Euro inklusive weiteren Bonuszahlungen vom ​FC Bayern München zurück. Nur fünf Millionen Euro günstiger war die Verpflichtung von Marcio Amoroso im Jahr 2001. Amoroso kostete damit ebenso viel wie zwei weitere Neuzugänge dieses Sommers: Thorgan Hazard und Nico Schulz.


Mit Hummels, Hazard, Schulz und nicht zuletzt auch Julian Brandt wollte sich der BVB für den Angriff auf die neunte Meisterschaft rüsten. Nach guten Leistungen zu Saisonbeginn fiel Hummels in den vergangenen Spielen wieder negativer auf, Hazard weist mit zwei Toren und sieben Assists in allen Wettbewerben ordentliche Werte vor; Schulz und Brandt haben dagegen aus unterschiedlichen Gründen ihre Probleme.


Schulz kommt in Dortmund nicht zurecht


Während Lucien Favre keine geeignete Position für Brandt findet, konnte Schulz bislang nicht an seine guten und vor allem konstanten Leistungen bei ​1899 Hoffenheim anknüpfen. In der unter Julian Nagelsmann praktizierten Dreierkette kommen die Stärken des Nationalspielers besser zum Tragen als im 4-2-3-1 von Favre. Bereits bei Borussia Mönchengladbach, wo Schulz von 2015 bis 2017 auch aufgrund eines Kreuzbandrisses nur 18 Pflichtspiele absolvierte, wurden Defizite in der Viererkette deutlich.

Nico Schulz

  Keine wirkliche Verstärkung: Noch hat Nico Schulz große Probleme beim BVB.


In der abgelaufenen Spielzeit gelangen ihm sechs Torvorlagen in der Bundesliga, in Dortmund war er bis dato noch an keinem einzigen Treffer beteiligt. Offensiv tritt Schulz kaum in Erscheinung, beim 3:3 gegen den SC Paderborn wurde er zur Halbzeitpause ausgewechselt, gegen Ex-Klub Hertha BSC verbrachte er die vollen 90 Minuten auf der Bank. 


Mit Raphael Guerreiro und Achraf Hakimi stehen Favre zwei Alternativen zur Verfügung, laut El Intransigente bemüht sich der Klub dennoch um einen neuen Linksverteidiger. Das argentinische Blatt will in Erfahrung gebracht haben, dass die Verantwortlichen auf Nicolás Tagliafico aufmerksam geworden sein sollen (via ​Sportbuzzer).


Irres Gerücht: Zahlt Dortmund 60 Mio. Euro für Tagliafico?


Der 27-Jährige wechselte im Januar 2018 für vier Millionen Euro von Club Atlético Independiente zu Ajax Amsterdam, derzeit wird sein Marktwert auf 28 Millionen Euro geschätzt. In 84 Einsätzen sammelte er 23 Scorerpunkte, der Spielstil von Erik ten Hag kommt seinen Qualitäten zugute: Tagliafico denkt extrem offensiv, ist zudem bissig in Zweikämpfen und aktiv im Gegenpressing. Immer wieder ist zu sehen, wie er den Ball mit Hilfe einer gut getimten Grätsche zurückerobert und den nächsten Angriff einleitet. 

Nicolas Tagliafico

  Sorgte mit Ajax Amsterdam für Furore: Nicolás Tagliafico. Laut dem englischen Boulevardblatt The Sun zeigen auch die AS Rom, der FC Everton und Tottenham Hotspur Interesse.


Das soll dem BVB angeblich viel Geld wert sein. Berichtet wird über ein Angebot, das neben einer Ablösesumme über 60 Millionen Euro ein Jahresgehalt von 15 Millionen Euro beinhalten soll. Damit würde Tagliafico zum neuen Top-Verdiener aufsteigen: ​Laut Angaben der Datenbank Capology soll Marco Reus diesen Status mit einem Salär von rund elf Millionen Euro innehaben.


Ein Transfer, der alles sprengen würde


Rein wirtschaftlich betrachtet würde dieses Angebot die bisherigen Gefüge sprengen. Tagliafico würde mit riesigem Abstand zum Rekordtransfer aufsteigen und obendrein mehr kassieren als alle anderen. Da die Verantwortlichen zwar hohe Forderungen bei Spielerverkäufen stellen, bei eigenen Investitionen den Preis aber so weit nach unten drücken wollen wie möglich, erscheint diese Meldung mehr als zweifelhaft.


Auch wenn Schulz sportlich betrachtet noch nicht die gehoffte Verstärkung darstellt, so erscheint die Vorstellung, dass Dortmund prompt nachrüstet, irrsinnig. Denn das würde wiederum bedeuten, dass die investierten 25,5 Millionen Euro für Schulz letztlich verbranntes Geld ist. Mit Tagliafico, Schulz, Guerreiro und Marcel Schmelzer, der zwar keine Rolle spielt, aber vertraglich bis 2021 an den Klub gebunden ist, würden zudem vier Spieler um eine Position kämpfen. 


Eher sollte der Klub den Fokus auf die rechte Abwehrseite richten. Laut einem Bericht der Marca soll Leihgabe Achraf Hakimi ​nach der Saison zu Real Madrid zurückkehren, Stand jetzt endet dann auch der Vertrag von Lukasz Piszczek. Mit Mateu Morey wurde eine langfristige Lösung verpflichtet, noch scheint der 19-Jährige aber weit von einer ernsthaften Option entfernt zu sein. Das Gesamtpaket aus riesigen finanziellen Summen, dem geringen Bedarf und den tatsächlichen Baustellen innerhalb des Kaders lässt dieses Gerücht deutlich anzweifeln.