​​Borussia Mönchengladbach gegen den ​FC Bayern München. Schon das Aussprechen dieser Paarung ließ und lässt auch noch heute Millionen Fans einen wohligen Schauer über den Rücken jagen. Es war DAS Spiel in Deutschland in den 70er Jahren. Jetzt endlich ist der frühere Klassiker wieder das, was er einmal war.


Dabei kann man - etwas ironisch überspitzt -  im Dezember 2019 noch nicht mal von einem absoluten Spitzenspiel (Erster gegen Zweiter) sprechen. Und das liegt ausnahmsweise mal an den Bayern. 


Denn während die Gladbacher tatsächlich vom Platz an der Sonne grüßen, hecheln die Münchener eben nicht nur den Niederrheinern hinterher, sondern auch noch den Leipzigern und Gelsenkirchenern. Und die andere Borussia haben sie im Nacken. Dennoch verspricht man sich von der Neuauflage des ewig interessanten Duells einiges. So wie früher schon. 


Ich selbst habe die 70er Jahre nicht bewusst erlebt. Die (Un-)Gnade der späten Geburt. Dennoch bildet für mich ein Spiel zwischen Mönchengladbach und dem FC Bayern so etwas wie den Ausgangspunkt einer langen, langen Reise, die bis heute anhält. Denn das deutsche Pokalfinale 1984 war erst das zweite, das ich in meinem Leben live verfolgte. Das erste hatte 1982 stattgefunden (Bayern gegen den Club, mit Turban-Hoeneß als blutverschmierten Held des Spiels). 


Ein Jahr später verpasste ich - aus bis heute ungeklärten Gründen - die Kölner Stadtmeisterschaft (Effzeh gegen Fortuna! Ja, das war mal ein Pokalfinale, ob man es glaubt oder nicht!). Das Spiel wurde sogar in Köln-Müngersdorf ausgetragen.


Pokalfinale 1984 - Matthäus' Elfmeter in den Frankfurter Abendhimmel


Aber dann, Mai 1984: Welch Ballyhoo! Dass ein gewisser Lothar Matthäus, damals so etwas wie der Jungstar bei den Gladbachern, im Sommer zu eben diesen (damals schon recht unbeliebten) Bayern wechseln würde, stand seit langem fest. Das Pokalfinale würde für ihn gleichzeitig sein Abschiedsspiel von der Borussia sein. 


Es wurde denkwürdig. Gar nicht mal so sehr wegen des Spiels, das arm an Höhepunkten und dafür umso reicher an Nickligkeiten und Fouls war. Aber es gab am Ende dieses dramatische Elfmeterschießen, und die bis heute ins Gedächtnis eingebrannte Szene, als der gute Lothar den Ball über den Querbalken in Richtung Main schoss (das Spiel fand im Frankfurter Waldstadion statt). 

Judas, Verräter - die Reaktionen der Gladbach-Fans auf Matthäus' Fehlschuss in den nachfolgenden Tagen und Wochen waren sicherlich übertrieben, aber irgendwo auch nachvollziehbar. Dennoch: Wer Matthäus kannte, wusste, dass er sich nur all zu gern mit einem Titel von "seiner" Borussia verabschiedet hätte. Hat er aber nicht, und spielte fortan für die Bayern. 


Showdown um die Meisterschaft 1986 - Gladbach geht in München unter!


Zwei Jahre später - der FC Bayern war Titelverteidiger - glich das Meisterschaftsrennen einem echten Krimi. ​Werder Bremen hatte eigentlich die ganze Saison über dominiert, sah seinen Vorsprung aber von Spieltag zu Spieltag dahin schmelzen. Nachdem sie auch die große Chance beim Heimspiel gegen den FCB am vorletzten Spieltag (Kutzops Elfmeter an den Pfosten in der 90. Minute!) nicht nutzen konnten, musste der letzte Spieltag die Entscheidung bringen. Der SVW verlor in Stuttgart mit 1:2, während der FC Bayern Borussia Mönchengladbach zu Gast hatte. 


Es wurde ein nicht minder denkwürdiges Spiel wie das Pokalfinale zwei Jahre zuvor. Die Münchener zerlegten die Gladbacher in ihre Einzelteile, auch bedingt durch die euphorisierenden Meldungen (per Transistor-Radio ins Stadion transportiert), die da aus Stuttgart nach München schwappten. Am Ende hatten die Münchener ihren ehemaligen Erzrivalen mit 6:0 aus dem Olympiastadion geschossen. Nur einmal (in der Saison 1978/79) konnten die Bayern ähnlich hoch (7:1, jedoch in Gladbach!) gegen die Borussia gewinnen. 


Das sind meine persönlichen ersten Eindrücke (die ja bekanntlich die tiefreichendsten sind) von der Paarung Borussia Mönchengladbach gegen FC Bayern. Danach werde ich Dutzende Male diese Begegnung, meist mundgerecht zusammengefasst in Sportschau oder Sportstudio, verfolgt haben. Werde über Marco Reus und seine Kaltschnäuzigkeit gestaunt (2012) oder mich über die Gladbacher Chancenlosigkeit (wie beim 1:5 aus dem Vorjahr) gewundert haben. Aber vor allem war dieses Spiel für mich immer eine gehörige Portion Bundesliga-Tradition. 


Und ist es - trotz so mancher Abstiege der Borussia in den letzten zwanzig Jahren - bis heute geblieben. In diesem Sinne: Vorhang auf für eine weitere Vorstellung am kommenden Samstag!