Nach dem 13. Spieltag steht der ​FC Schalke 04 auf dem dritten Tabellenplatz, und damit u. a. vor ​Bayern München und Erzrivale Borussia Dortmund. So mancher Spieler träumt bereits öffentlich von der Champions League - sollte die Vereinsführung die vor der Saison gesteckten Ziele nun anpassen? Ein Kommentar.


Platz drei, 25 erreichte Punkte, zusammen mit ​RB Leipzig die bisher wenigsten Niederlagen (zwei Stück) kassiert - und all das nach bereits 13 gespielten Partien. Hätte man einem Schalke-Fan vor Saisonstart dieses Bild gezeichnet, man wäre vermutlich schleunigst in die Geschlossene eingeliefert worden. 


Doch die aktuelle Tabellenplatzierung belohnt die königsblaue Truppe vor allem für die großen Veränderungen, die im Vergleich zur letzten Saison stattgefunden haben. 


Schalke mit guter Bilanz - Spieler träumen von der Champions League


Wäre die Saison nun beendet, stünde Schalke auf einem direkten Qualifikationsplatz für die europäische Königsklasse, die Champions League. Die ersten Spieler fangen bereits an von Europa zu träumen. "Ich glaube, wir sind bereit für die Champions League", hatte Weston McKennie am Dienstag in der Mixed Zone (via Sky) verlauten lassen. Auch Neuzugang Ozan Kabak sprach zuvor von den ersten vier Plätzen. Derzeit sieht es tabellarisch auch so aus, als wäre das ein realistisches Ziel. Vor der Saison, und auch währenddessen, betonten Trainer David Wagner und Sportvorstand Jochen Schneider allerdings immer wieder, dass man darüber (noch) nicht sprechen brauche. Der Fokus liege ausschließlich auf der notwendigen Entwicklung. 


Dieses Denken und diese Vorgaben sollten die Schalker auch nicht aus den Augen verlieren. Das allerwichtigste Bestreben muss die spielerische Entwicklung sein und auch bleiben. Wie aussagekräftig eine einzige CL-Qualifikation sein kann, weiß man noch bestens aus den letzten beiden Jahren und den daraus resultierenden Entwicklungen. Und genau an dieser Stelle setzt nun das Träumen mancher Spieler nach Europa ein. Zuerst sollte man betonen, dass es sicher nicht verkehrt sein kann, sich ambitionierte Ziele zu setzen - gerade als Spieler blickt man eher auf große Ziele als ein Vereinsverantwortlicher. Das ist ebenso logisch und verständlich, wie es nicht neu ist. 

Weston McKennie

Weston McKennie ist der Meinung, Schalke kann Champions League - möglich wäre es



Dieses Träumen sollte man keinem Spieler ausreden. Allerdings setzt hier auch das bekannte "Aber" ein: Aber die Entwicklung muss so funktionieren, dass man über die nächsten paar Jahre wieder dahin kommen kann, dass man ein regelmäßiger Gast im europäischen Geschäft sein kann. Ob das dann die Champions League, oder die Europa League ist, wäre zunächst zweitrangig. Gute und wirklich erfolgreiche Vereine sind konstant (!) erfolgreich, und genau da will und muss Schalke wieder hin. Der Verein ist zu groß, um alle paar Jahre nur von Europa zu träumen. Es muss wieder einigermaßen normal werden, in drei Wettbewerben zu starten. Um das zu erreichen, hat man allerdings noch eine lange Entwicklung vor sich. Das sollten und das werden Wagner, Schneider und Co. nicht aus den Augen verlieren.

Immer im Fokus: Die notwendige und enorm wichtige Entwicklung - Konstanz heißt das Zauberwort


Blickt man, unabhängig von der aktuellen Punktzahl, auf die Spiele gegen Borussia Dortmund, den ​1. FC Köln, die ​TSG Hoffenheim und ​Fortuna Düsseldorf, sieht man schnell, wieso man aktuell noch kein CL-Kandidat sein kann. Gegen den ​BVB hätte man gewinnen müssen: Die Dortmunder waren im Derby so schwach wie lange nicht mehr. Man scheiterte an den Torchancen. Gegen schwache und verunsicherte Kölner muss man sich das zweite Tor erspielen, um den berühmten Deckel auf das Spiel zu machen. Beim Heimspiel gegen die Fortuna führt man dreimal, gewinnt aber nicht. Gegen Hoffenheim muss man die drückende Überlegenheit in mehr Torchancen umwandeln. Das Resultat der vier Spiele: Nicht drei gewonnene, sondern neun verlorene Punkte. Natürlich ist es noch sehr früh, äußerst hypothetisch und einfach, so etwas zu sagen. Wagner ist zudem nicht einmal ein halbes Jahr im Amt. Aber an solchen Spielen sieht man nun einmal exemplarisch, wie weit der Weg noch ist. 


Verläuft die Saison weiterhin, ohne auf einzelne Spiele einzugehen, so gut wie bisher, ist das europäische Geschäft möglich. Ob man dann direkt vom Oberhaus des internationalen Fußballs sprechen muss, ist eine andere Sache. Der Rest der Hinrunde wird erneut eine Bestandsprobe für S04. Blickt man auf den Spielplan, hat man mit ​Bayer Leverkusen, den Adlern aus ​Frankfurt, den Wölfen aus ​Wolfsburg und dem ​SC Freiburg die vermutlich schwersten vier Spiele am Stück. Übersteht man diese Spiele einigermaßen gut, folgt eine weitere Entwicklung, dann kann man in der Rückrunde den internationalen Wettbewerb als eine Art Belohnung angreifen. Das bedarf aber keiner Ziel-Anpassung: Die mittel- und langfristige Entwicklung, über alle Aspekte, die es im Profifußball gibt, ist und bleibt die oberste Priorität. Da kann man sich bei Wagner, Schneider und Co. sicher sein.