Der ​FC Bayern München befindet sich in einem Umbruch sondergleichen. Und obwohl der Rekordmeister eigentlich erst am Anfang dieser Umwälzung steht, wurden schon verheerende Fehler gemacht. Kommunikation ist jetzt der Schlüssel - nur müssen die Verantwortlichen an der Isar multilingual operieren. Schwierigkeiten sind da vorprogrammiert.


Im modernen Fußball wird ein Umbruch gerne mit einer Feinjustierung gleichgesetzt: Ein paar Transfers, frische Funktionäre in handelnden Positionen und eine Neuausrichtung der sportlichen Ziele, vielleicht noch gewürzt mit einer validen Kooperation in anderen Teilen der Welt - fertig ist der Umbruch. Das ist über einen Sommer zu schaffen. Beim FC Bayern geht diese Umwälzung doch etwas diffiziler vonstatten. Oder derb ausgedrückt: Der ganze Verein wird auf links gedreht. Und dieser Prozess braucht viel Zeit und noch mehr Feingefühl.


Der FC Bayern muss den Weg in ein neues Zeitalter ebnen


Bedingt ist die Restrukturierung an der Säbener Straße von äußeren Faktoren. In einer Welt ohne Fortschritt und nicht alternden Menschen hätten die Bayern über Jahrzehnte, wenn nicht über Jahrhunderte so weitermachen können und zumindest die Bundesliga kurz und klein geschossen. Der Fußball - präziser: die Branche - hat sich jedoch gewandelt und die einstigen Gestalter beim FC Bayern sind zu Dinosauriern verkommen. Sportlich und strukturell musste der Rekordmeister daher schon in den vergangenen Jahren Abstriche machen. Der Verein steht zwar weiterhin auf sicheren und goldenen Adlerfüßen, braucht nichtsdestotrotz aber eine Transformation in ein neues Zeitalter. Klingt nicht nur nach Mammutprojekt, ist es auch.


In dessen Zentrum Uli Hoeneß thront. Der Macher schlechthin beim FC Bayern formte, veredelte und führte den Verein 40 Jahre lang und hinterlässt Fußstapfen, die nicht auszufüllen sind. Er hinterlässt aber auch viel verbrannte Erde, wie gerade die vergangenen Jahre zeigten. Hoeneß hat den Umbruch an der Isar selbst eingeleitet; im Nachhinein womöglich nicht die beste Entscheidung. Der Langzeitpräsident verpasste es, das unantastbare Image des Rekordmeisters aufrecht zu erhalten und setzte mit Hasan Salihamidzic und Niko Kovac zudem zwei persönliche Lieblinge in führende Positionen, die ihrer Tauglichkeit (bis jetzt) größtenteils schuldig blieben. Mit Oliver Kahn wird ein ebenfalls eher profilloser Funktionär (und Bayern-Darling) das Erbe von Karl-Heinz Rummenigge antreten. Für den Außenstehenden riecht das nach bajuwarischer Staffelübergabe; kann funktionieren, isoliert den FC Bayern im globalen Kontext aber immer weiter.


Nach Hoeneß und Rummenigge braucht der FC Bayern neue Hierarchien


In dem spielen die Bayern mittlerweile eher in der zweiten Reihe des Orchesters. Die Premier League und die großen Vereine aus Spanien und Italien haben dem Rekordmeister einige Meter abgenommen, finanzielle Ambivalenzen machten dies möglich. Das ist dem deutschen Primus zwar nicht anzukreiden - lukrative TV-Deals wie in England gibt es in Deutschland nun einmal nicht - befeuert jedoch die Notwendigkeit eines strukturierten und vor allem attraktiven Umbruchs. Mit Oliver Kahn und Hasan Salihamidzic, Herbert Hainer (Nachfolger von Uli Hoeneß als Präsident) nicht zu vergessen, bekommt der Riese im Süden aber eher einen faden Anstrich. Das kann trotzdem funktionieren - muss aber entsprechend moderiert werden.


Primär müssen neue Hierarchien in München installiert werden. Das Zweigespann aus Uli Hoeneß und Kalle Rummenigge ist in der Form nicht zu ersetzen. Der FCB muss neue Wege gehen - bisher fehlt dazu das Personal. Die Trainerfrage wird an der Säbener Straße zur Feuerprobe. Nur wer beantwortet sie? Uli Hoeneß, weiterhin Teil des Aufsichtsrats, wird seine Finger im Spiel haben. Karl-Heinz Rummenigge sowieso. Hasan Salihamidzic? In der öffentlichen Kommunikation schon; wie viel Gewicht sein Wort aber wirklich hat, wird durchaus angezweifelt. Oliver Kahn wird in den Entscheidungsprozess eingebunden sein und darf seine Expertise einbringen. Zu viele Köche verderben den Brei, wie es so schön heißt. Und Einigkeit scheint bei den Bayern nicht unbedingt vorzuherrschen: Glaubt man den Berichten, präferiert Salihamidzic den ehemaligen Tottenham-Erfolgscoach Mauricio Pochettino, die Fraktion Hoeneß und Rummenigge scheint eher Interimstrainer Hansi Flick zugetan. Der liefert bislang zwar Resultate, aber weder das Profil, noch das Sexappeal für die mächtige Umwalzung an der Säbener Straße.


Sahlihamidzic, Kahn und Co. müssen einen neuen Kurs abstecken


Es ist möglicherweise zu einfach, dem FC Bayern einen fehlenden Kurs vorzuwerfen; dafür fehlt der Einblick in die Vorgänge und Prozesse an der Säbener Straße. Trotzdem drängt sich der Eindruck auf, dass der Rekordmeister noch nicht so wirklich weiß, wohin die Reise gehen soll. Eine klare Marschrichtung (vor allem struktureller Natur) wurde bisher versäumt - wäre für den Umbruch aber zwingend notwendig. Das Ausscheiden Hoeneß' als Präsident kann dem Verein in dieser Phase nur gut tun. Hasan Salihamidzic, Herbert Hainer und Oliver Kahn - die dezidierten Zukunftsgesichter beim FCB - können und müssen nun zusammenwachsen und einen gemeinsamen Fahrplan ausarbeiten. Eine einheitliche Sprache. Die derzeit multilinguale Struktur - sprich: zu viele Baustellen ohne eine klare, federführende Hand - sorgt für einen Gegenwind, den zumindest Sportvorstand Hasan Salihamidzic nicht zu moderieren weiß. Kommunikation ist aber Key - und deswegen gilt es für den FC Bayern in dieser Phase des Umbruchs, eine einheitliche Sprache zu finden, neue Hierarchien zu installieren und die Weichen für die Zukunft zu stellen. Nach den Versäumnissen der jüngeren Vergangenheit darf man an der Säbener Straße aber gerne einen Zahn zulegen.