Am Montagabend wurde allen wieder klar: Lionel Messi ist der beste Fußballer unserer Generation. Der 32-Jährige erhielt zum sechsten Mal den Ballon d'Or, schon vor über zwei Monaten wurde er zum Weltfußballer des Jahres 2019 gekürt. La Pulga steht in allen Bereichen des Spiels für Magie und Ästhetik und belegt zurecht den ersten Platz im All-Decade-Ranking von 90min.


In jungen Jahren hatte Messi ganz andere Probleme als die meisten Teenager in der Pubertät. Im Alter von 13 Jahren stellten Ärzte eine hormonelle Wachstumsstörung fest, wegen der er zum damaligen Zeitpunkt eine Körpergröße von unter 1,40 Metern aufwies. Um vor der argentinischen Wirtschaftskrise zu fliehen und die medizinische Behandlung fortsetzen zu können, wanderte seine Familie kurz darauf nach Spanien aus. 


Mit fünf Jahren begann Messi das Fußballspielen bei Grandoli FC, mit 14 wechselte er in die Nachwuchsabteilung des ​FC Barcelona. Die Katalanen erklärten sich aufgrund des großen Talents, das sie in ihm sahen, dazu bereit, die Kosten für die Behandlung, die laut ​Welt bei 900 Dollar pro Monat lagen, zu übernehmen. Ab dem Jahr 2000 besuchte Messi La Masia, die Fußballschule des so hochdekorierten spanischen Fußballklubs; vier Jahre später gab er sein Debüt bei der Profi-Mannschaft.


Debüt unter Rijkaard - Traumtor gegen Getafe


Am 16.10.2004 wechselte ihn der damalige Trainer Frank Rijkaard kurz vor Schluss im Stadt-Derby gegen Espanyol Barcelona ein, Messi war gerade einmal 17 Jahre alt. Es folgten sechs weitere Einsätze in der Primera Division sowie je einen in der Copa del Rey und der Champions League. Schon in der Folgesaison stand Messi 17 Mal in der Liga auf dem Platz, im Jahr darauf 26 Mal. Und früh wurde deutlich, welche Gabe er besitzt.


Sein erstes Pflichtspieltor erzielte er am ersten Mai 2005, Barça schlug Albicete vor heimischem Publikum mit 2:0. Der erste von vielen magischen Momente ereignete sich fast zwei Jahre später, am 18. April 2007. Im Halbfinal-Hinspiel der Copa del Rey empfing Barcelona den FC Getafe, beim Stand von 1:0 setzte Messi in der 29 Minute zu einem Sololauf an. Der Argentinier lief über das halbe Spielfeld, ließ dabei vier Verteidiger stehen, umkurvte den Torwart und schob ah den Ball zum 2:0 ein. Es war fast eine exakte Kopie des Tores von Diego Maradona aus dem WM-Viertelfinale zwischen Argentinien und England vom 22. Juni 1986. 

Lionel Messi

   Umgeben von vier Verteidigern? Kein Problem. Lionel Messi dribbelte sich gegen den FC Getafe problemlos durch die Abwehrreihen.


Messi wurde als "der neue Maradona" betitelt, doch längst hat er sich einen eigenen Namen gemacht. In Dribblings ist er nur von mehreren Gegenspielern zu stoppen, der Ball klebt ihm förmlich wie am Fuß. Aufgrund seines herausragenden Abschlusses ist er besonders bei Standards gefährlich, im Oktober dieses Jahres knackte er die Marke von 50 direkten Freistoßtoren. Messi macht jede kleinste Lücke ausfindig, um den Ball in die Maschen zu zirkeln oder aber seine Mitspieler in Szene zu setzen.


Unter Guardiola zum Weltstar


Das Modell der 'falschen Neun', also einem nominellen Stürmer, der sich fallen lässt, um Überzahl zu schaffen oder die gegnerische Abwehr auseinanderzureißen, gab es bereits vor Messi; doch unter Pep Guardiola war diese Rolle perfekt auf ihn zugeschnitten. Es gab kaum eine Defensive, die 'La Pulga' (Deutsch: der Floh), wie Messi aufgrund seiner Körpergröße von 1,69 Metern genannt wird, aufhalten konnte. Eine der wenigen Ausnahmen war Inter Mailand im Champions-League-Halbfinale der Saison 2009/10; im Hinspiel, das Inter mit 3:1 gewann, blieb Messi über 90 Minuten in den Händen der Nerazzurri.


Messi macht das Ummögliche möglich - und bricht dabei zahlreiche Rekorde. Im Kalenderjahr 2012 überbot er Gerd Müllers Bestmarke von 85 Toren in einem Kalenderjahr, im Januar 2018 erzielte er sein 525. Pflichtspieltor für Barcelona und stampfte damit ebenfalls einen Uralt-Rekord von Müller ein. Derzeit steht Messi bei 614 Toren in 701 Pflichtspielen. 


"Was Messi geschafft hat, erschien mir unmöglich. Manche Stürmer benötigen sieben oder acht Jahre, um so viele Tore zu schießen. Und bei ihm waren die meisten auch noch spektakulär", schwärmte Tito Vilanova, der Barça nach dem Abschied von Pep Guardiola in der Saison 2012/13 betreute, im Oktober 2012 (zitiert via ​Welt). "Ich glaube nicht, dass es jemals wieder so einen Spieler geben wird." Erst vor zwei Monaten erinnerte sich Guardiola an die erste Begegnung mit Messi (via ​Goal): "Ein anderer Spieler hatte mir schon erzählt, dass da ein großes Talent im Kader ist. Man sagte mir, dass er sehr jung sei, aber jede Menge Tore erzielt. Eines Tages sah ich ihn dann mit seinem Vater im Nike-Store. Er war relativ klein und schüchtern und ich dachte mir nur: 'Ist der Junge wirklich so gut, wie alle sagen?'"


Glücklos bei der Nationalmannschaft


Nach zwei Vorbereitungsspielen in Schottland, in denen Messi je drei Tore erzielte, habe er jedoch gewusst, "dass wir mit ihm alles gewinnen werden." Bislang wurde Messi zehnmal spanischer Meister, gewann vier Mal die Champions League, sechs Mal den spanischen Pokal, acht Mal den spanischen Superpokal, drei Mal die Klub-Weltmeisterschaft und wurde zehnmal Spieler des Jahres in Spanien und sechsmal Weltfußballer des Jahres. 

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Der Tiefpunkt: Argentinien unterliegt Deutschland im WM-Finale von 2014 mit 0:1. Lionel Messi stand über 120 Minuten auf dem Platz.


Einzig bei der argentinischen Nationalmannschaft blieb ihm ein Titel verwehrt: Argentinien verlor 2014 das WM-Finale gegen Deutschland und in den beiden darauffolgenden Jahren die Endspiele der Copa America gegen Chile. Es ist der einzige dunkle Fleck in der so prunkvollen Karriere, die erst in einigen Jahren zu Ende sein wird. 


Die 20 besten Spieler des Jahrzehnts: Das große 90min-Ranking

Platz 20: Giorgio Chiellini - der unzerstörbare Turm von Juventus Turin

Platz 19: Luka Modric - der unauffällige Edeltechniker

Platz 18: Philipp Lahm - der "perfekte Spieler" für Pep Guardiola

Platz 17: Gianluigi Buffon - die unsterbliche Legende

Platz 16: Kevin De Bruyne - das belgische Genie

Platz 15: Franck Ribéry - als Bayern endlich wieder einen König hatte

Platz 14: Thomas Müller - das letzte echte Eigengewächs des FC Bayern

Platz 13: Eden Hazard - unbezwingbar und effizient

Platz 12: Xavi - das personifizierte Kurzpassspiel

Platz 11: Neymar - das Ausnahmetalent mit vielen Makeln

Platz 10: Arjen Robben - der Mann für die entscheidenden Momente

Platz 9: Bastian Schweinsteiger - Fußballgott mit Kämpferherz

Platz 8: David Silva - der Lieblingsspieler von Frank Lampard

Platz 7: Zlatan Ibrahimovic - der Fußballgott persönlich

Platz 6: Manuel Neuer - der Anführer einer neuen Torhüter-Generation

Platz 5: Sergio Ramos - der Anführer von Real Madrid

Platz 4: Robert Lewandowski - der kompletteste Stürmer der Welt

Platz 3: Andres Iniesta - der Zauberer

Platz 2: ​Cristiano Ronaldo - der größte Torjäger des 21. Jahrhunderts